30.06.2017 - RED

«Parteipolitisch neutral – aber immer engagiert»

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© Pro Senectute, Fotograf: Frederic Meyer

Seit dem 1. April 2017 präsidiert alt Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf Pro Senectute. Sie löste alt Botschafer Toni Frisch ab, den ehemaligen Chef des Schweizerischen Katastrophenhilfekorps. Toni Frisch trat als Präsident von Pro Senectute öffentlich kaum in Erscheinung. Anders Eveline Widmer-Schlumpf. Bereits an ihrem ersten Tag im Amt nahm sie zur «Vorsorge 2020», über die am 24. September 2017 abgestimmt wird, Stellung.

 

Frau Widmer-Schlumpf: Sie sind seit dem 1. April 2017 Präsidentin von Pro Senectute Schweiz. Was hat Sie motiviert, diese Aufgabe im Dienste der älteren Menschen zu übernehmen?
In meiner Familie hat der Kontakt unter den Generationen immer eine grosse Bedeutung gehabt. Meine Grosseltern waren für mich wichtige Bezugspersonen. Wir haben uns um meine Eltern gekümmertund ich hüte regelmässig meine Enkel. Entsprechend hat die Beschäftigung mit Fragen des Alterns für mich einen hohen Stellenwert. Das Engagement bei Pro Senectute passt gut dazu.

Gleich zu Beginn Ihrer neuen Aufgabe sind Sie intern vom Vizepräsidenten von Pro Senectute Luzern, Ständerat Damian Müller, FDP, scharf angegriffen worden. Sie hätten sich nicht politisch zu äussern. Werden Sie sich in dieser Aufgabe künftig einen Maulkorb anlegen lassen?
Pro Senectute wurde vor 100 Jahren gegründet, als es keine Altersvorsorge gab und viele ältere Menschen bittere Not litten. Die Organisation hat geholfen, die AHV ins Leben zu rufen und massgeblich dazu beigetragen, dass die 2. Säule obligatorisch wurde. Als Organisation für das Alter geht es darum, unsere Gesellschaft so zu sensibilisieren, dass ein würdevolles Altern auch künftig für alle gesichert ist. Mit der aktuellen demografischen Entwicklung hat dieses Thema massiv an Brisanz gewonnen, dabei ist die Altersreform 2020 nur ein Teil der Diskussion.

Ist Pro Senectute zur politischen Zurückhaltung verpflichtet? Wenn ja, werden Sie das ändern?
Als grösste Fach- und Dienstleistungsorganisation für das Alter sind wir in einer Domäne aktiv, welche nie apolitisch war. Pro Senectute war und wird immer parteipolitisch neutral bleiben, sich aber nicht zurückhalten, wenn unsere Fachmeinung zur Alterspolitik oder zu Generationenfragen gefragt ist.

Sie haben eine grosse Reputation in der Bevölkerung. Sie haben sich mit Ihrem Interview im «Blick» zur Unternehmenssteuerreform III stark exponiert, damit zum Nein beigetragen. Werden Sie das auch künftig als Pro-Senectute-Präsidentin tun?
Ich stelle immer wieder fest, dass Aussagen von ehemaligen Bundesräten und Bundesrätinnen sehr unterschiedlich gewichtet werden, insbesondere auch von den Medien.

Die Öffentlichkeit erwartet eine aktive Präsidentin. Wo werden Sie in Ihrer künftigen Arbeit Schwergewichte setzen?
Pro Senectute war bereits vor meiner Amtszeit sehr aktiv. Dienstleistungen wie die Sozialberatung oder die Kurse für Sport und Bildung erreichen jährlich 700’000 Kunden und Kundinnen. Mir persönlich liegen zwei Dinge am Herzen: Ältere Menschen sollen auch in Zukunft im hohen Alter ein selbstbestimmtes Leben führen können. Und die Generationen müssen miteinander im Dialog bleiben. Hierfür werde ich mich einsetzen.

Die Altersorganisationen in der Schweiz sind sehr heterogen aufgestellt. Der Schweizerische Seniorenrat SSR, die Dachorganisation der älteren Menschen in der Schweiz, ist eine «Erfindung» Ihrer alt Bundesratskollegin Ruth Dreifuss. Wie werden Sie den Kontakt mit den Altersorganisationen pflegen?
Pro Senectute pflegt intensiven Kontakt zu allen relevanten Altersorganisationen. Wir führen gemeinsame Kampagnen mit Fachorganisationen zu Themen wie Demenz oder Sturzprävention. Wir sind aber auch in engem Kontakt mit Vertreterinnen und Vertretern aus der Politik, und zwar auf allen Ebenen – national, kantonal und kommunal. Diese Zusammenarbeit ist wichtig, damit die Politik, aber auch die Öffentlichkeit sehen und anerkennen, welch wichtige Funktion Pro Senectute aber auch andere Altersorganisationen für die gesellschaftliche Entwicklung haben.

Am 24. September 2017 stimmen wir über die «Vorsorge 2020» ab. Werden Sie ein Ja in die Urne legen?
Pro Senectute ist erleichtert, dass das Parlament ein Gesamtpaket (Reform der 1. und 2. Säule) verabschiedet hat. Dies war immer das Ziel von Pro Senectute, dafür haben wir uns in den letzten zwei Jahren engagiert. Nun ist das Volk an der Reihe. Ob und gegebenenfalls wie wir uns im Abstimmungskampf engagieren werden, entscheidet die Präsidentenkonferenz der Pro-Senectute-Organisationen.

 

Eveline Widmer-Schlumpf

Eveline Widmer-Schlumpf (Jg. 1956) ist seit 1. April Stiftungsratspräsidentin von Pro Senectute Schweiz. Frau Widmer-Schlumpf lebt mit ihrem Mann in Felsberg. Sie ist Grossmutter von einer Enkelin und drei Enkeln.

 

 

Gastauthor: 
RED

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