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Luzerner-Treff (Zentralschweiz)
10.03.2017 - Dieter Bürle

7. März 2017: Besichtigung der Jesuitenkirche Franz Xaver in Luzern

 

 

Viele von uns, vor allem die Anwesenden aus Luzern, meinen eigentlich, die Jesuitenkirche wie eine gute alte Bekannte zu kennen. Sie ist eine der meistbesuchten Kirchen der Stadt. Die lichtdurchflutete, freundliche Hallenkirche ist zudem wichtiger Träger des musikalischen Lebens in Luzern. An Gottesdiensten musizieren hier das Collegium Musicum, die Schola Gregoriana Lucernensis, die Luzerner Sängerknaben, der Luzerner Mädchenchor und andere. Aber die Baugeschichte dieser ersten Barockkirche in der Schweiz und die bewegte Ordensgeschichte der Jesuiten sind uns weniger präsent. Und man merkt es an den Fragen der Anwesenden, dass vor allem letztere  interessieren.

 

Als Jesuiten werden die Mitglieder der katholischen Ordensgemeinschaft Gesellschaft Jesu (Societas Jesu = SJ) bezeichnet, die am 15. August 1534 von einem Freundeskreis um Ignatius von Loyola gegründet wurde. Neben den Evangelischen (von Evangelium) Gelübden - Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam - verpflichten sich die Ordensangehörigen auch zu besonderem Gehorsam gegenüber dem Papst.

 

 

Pater Hansruedi Kleiber SJ ist Präfekt (Kirchenvorsteher) der Jesuitenkirche und Dekan der Stadt Luzern. Er beginnt unsere Kirchenbesichtigung mit der Frage: „Wie kamen eigentlich die Jesuiten nach Luzern?“  So stehen wir denn in der Sakristei vor dem Bild eines eindrucksvollen Mannes mit entschlossenen Gesichtszügen, in weissem Bischofsornat und mit einem Kardinalshut: Karl Borromäus (1538-1584).

 

 

In Trient tagte seit 1545 das Konzil und suchte eine katholische Antwort auf die Lutherische Reformation. Borromäus war ein katholischer Reformer, der grosses Gewicht auf die Bildung und Erziehung der Jugend legte und folglich bei einer Visitationsreise durch die Schweiz den Luzernern die Jesuiten empfahl. Der Orden war gerade erst gegründet worden und stand vor allem im Dienste der Gegenreformation. Er unterschied sich stark von den bereits etablierten Ordensgemeinschaften. Er baute keine Klöster, die Brüder trugen kein Mönchsgewand und waren nicht zum täglichen Chorgebet verpflichtet. Hingegen war und ist der Orden stark hierarchisch organisiert, mit einem General an der Spitze.

 

Die ersten drei Jesuiten in Luzern logierten im noch heute existierenden Hotel Schlüssel am Franziskanerplatz. Später ward den Jesuiten der leer stehende Rittersche Palast überlassen, und 1577 wurde dort das Luzerner Jesuitenkollegium gegründet, das zeitweise 300-400 Studenten beherbergte. Die bereits existierende Kapelle im Ritterschen Palast wurde als Schulkirche zu klein, so dass eine grössere Kirche geplant werden musste.

 

 

Die Grundsteinlegung für die Jesuitenkirche erfolgte 1666. Die Einweihung, die eine ganze Woche dauerte, war im August 1677 und wurde nach den Worten von P. Kleiber so ausgelassen gefeiert, dass die „Oberen“ strafversetzt wurden.

Die markanten Türme wurden erst Ende des 19. Jahrhunderts vollendet.

 

Der Jesuitenorden war im Laufe der Geschichte sehr erfolgreich und umstritten zugleich. Auf Druck der Fürsten und Könige in Frankreich, Spanien und Portugal  wurde er 1773 von Papst Clemens XIV. sogar aufgehoben, denn die auf der ganzen Welt tätigen Jesuiten waren den katholischen absolutistischen Herrschern sowohl auf dem europäischen Kontinent als auch in den Kolonien in Lateinamerika in die Quere gekommen. 1814 wurde der Orden von Papst Pius VII. wieder hergestellt.

In den katholischen Kantonen der Schweiz haben die Jesuiten fast das gesamte mittlere und höhere Bildungswesen aufgebaut und geprägt. Aus dem 1577 entstandenen Kollegium in Luzern ging später die Theologische Fakultät hervor.

 

Was  die Jesuiten in unserer Gegend zu Gegnern der Radikalen und des sich langsam heranbildenden Bundesstaates (1848) machten, kann in den Geschichtsbüchern unter dem Stichwort  „Sonderbundskrieg“ nachgelesen werden.

Die Berufung von 7 Jesuiten nach Luzern wurde von den Radikalen 1841 als Provokation aufgefasst und mit Freischarenzügen beantwortet. 1847 wurden sie von einer Mehrheit der Tagsatzung des Landes verwiesen. 1848 wurde das Jesuitenverbot in der neuen Bundesverfassung verankert und blieb bis zur Volksabstimmung 1973 in Kraft.

Es ist vor allem einer Motion von Ständerat (dem späteren Bundesrat) Von Moos zu verdanken, dass das Jesuitenverbot, das zusammen mit weiteren konfessionellen Ausnahmeartikeln den religiösen Frieden immer wieder erheblich störte, 1973 zur Volksabstimmung kam und schliesslich mit 55% Ja- zu 47% Nein-Stimmen aus der Verfassung gestrichen wurde.

 

Pia und Werner Spohr, den Organisatoren dieses Anlasses, der mit einem geselligen Mittagessen ausklang, ein herzliches Dankeschön!

 

Bericht: Johanna Birrer

Bildbearbeitung: Dorit Bürle

Link zur Bildergalerie

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