22.09.2016 - Anton Schaller

Die AHV: Das beliebteste Sozialwerk der Schweiz

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Vor der Abstimmung am 25. September 2016 über die Initiative «AHVplus» der Gewerkschaften

 

Für meinen Vater war sie ein Geschenk Gottes: die AHV. 1896 geboren, bezog er sie erstmals im Jahre 1961. Er und sein Arbeitgeber hatten lediglich 12 Jahre einbezahlt: «Ich bekomme etwas, das ich nie finanziert habe», war immer wieder sein dankbarer Kommentar. Er erlebte 9 Revisionen, die immer mehr Geld brachten, finanziert von uns Aktiven in der Bevölkerung. Und wer erinnert sich unter uns Alten nicht an die Filmwochenschau-Bilder, in denen ein Pöstler über Stock und Stein in den hintersten Krachen der Schweiz die monatliche AHV-Rente an die damals pensionierten Menschen ausbezahlte, vor der Haustür auf die Hand abgezählt. Dankbar zeigten sich die Bezüger, mit entspannten, erfreuten Gesichtern.

Es hatte lange gedauert, bis dem Verfassungsartikel, dem 1925 zugestimmt worden war, endlich Nachachtung verschafft wurde: 23 Jahre. Der Grundsatz zur Einführung der AHV ist zwar schon damals in der Verfassung verankert worden, in Kraft trat sie aber erst nach weiteren Abstimmungen am 1. Januar 1948. Endlich konnten die ersten Renten ausbezahlt werden. Das bisher beliebteste Sozialwerk der Schweiz war geboren. Das deutsche Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» bezeichnete die AHV als eine sozialistische Errungenschaft, weil sie zwischen Klein- und Gutverdienenden eine starke soziale, ausgleichende Komponente aufweist. Wer heute über 84'000 CHF jährlich verdient, gehört zu den Nettozahlern, er bekommt später nie das zurück, was er einbezahlt hat.

Auch die zweite Säule, die obligatorische berufliche Vorsorge, hatte einen langen Weg hinter sich, als sie endlich 1985 in Kraft trat. Denn bereits 1972 hatte das Schweizer Stimmvolk der beruflichen Vorsorge zugestimmt. Gut Ding will Weile haben. Nun aber stockt seit zehn Jahren die weitere Entwicklung, wichtiger noch: die unbedingt notwendige Konsolidierung der Altersvorsorge kommt nicht vom Fleck. Am 25. September stimmen wir über die Initiative «AHVplus» der Gewerkschaften ab. Die AHV-Rente soll für alle um 10 Prozent erhöht werden. Die Initiative ist sehr umstritten. Sie stört auch das grosse Projekt von Bundesrat Alain Berset, der alle drei Säulen der Vorsorge gemeinsam konsolidieren will.

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