22.09.2016 - SeniorIn

Die Initiative «AHVplus» ist verantwortungslos

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Contra: Sieben Fragen an Andri Silberschmidt, Präsident der Jungfreisinngen der Schweiz

 

Sie sind gegen die Initiative AHVplus der Gewerkschaften. Das wichtigste Argument dagegen?
Die AHVplus-Initiative verstärkt die Schieflage, in der sich die AHV heute befindet. Wir rechnen in 20 Jahren mit einem jährlichen Finanzloch von über 10 Mia. CHF. Eine einseitige Erhöhung der laufenden Rente ist verantwortungslos.

Sie wollen die AHV auf solide Füsse stellen. Wie?
Die im 20. Jahrhundert konzipierte AHV ist nicht auf die Langlebigkeit sowie den technischen Fortschritt in der Medizin ausgerichtet. Wichtig ist, dass wir alle den Ernst der Lage realisieren und akzeptieren. Die Zahlen sprechen für sich. Man wird nicht darum herumkommen, das Rentenalter anzupassen, um der steigenden Lebenserwartung gerecht zu werden.

Sie plädieren für eine Schuldenbremse bei der AHV. Wie ist sie Ihrer Ansicht nach auszugestalten, wann soll sie eingesetzt werden?
Wenn das Umlageergebnis der AHV negativ ist, die AHV also mehr Geld ausgibt als sie einnimmt, soll ein Mechanismus greifen, um die 1. Säule zu stabilisieren. Dieser kann so aussehen, dass pro Jahr das Rentenalter um 1 bis 3 Monate erhöht wird.

Bundesrat Alain Berset will mit seinem Projekt «Vorsorge 2020» das 3-Säulen-Prinzip neu ausgestalten, eine Balance zwischen der 1. und der 2. Säule herstellen. Der Ständerat will zudem die Kürzung des Umwandlungssatzes in der 2. Säule mit einer Erhöhung der AHV für Neurentner von 70 CHF kompensieren. Warum sind sie dagegen?
Der Umwandlungssatz bestimmt, wie viel ein Pensionierter jährlich von seinem angesparten Kapital erhält. Heute liegt der Satz bei 6,8 %, man geht also von einer Lebenserwartung von knapp 15 Jahren nach Eintritt in die Pension aus. Der Umwandlungssatz ist somit viel zu hoch! Es konnte mir nie jemand stichhaltig erklären, wieso dieser Satz überhaupt von der Politik festgelegt werden soll. Es ist dasselbe, als wenn Bundesbern entscheiden würde, dass es keine Erdanziehung mehr gibt. Die Senkung und Entpolitisierung des Umwandlungssatzes ist überfällig, denn er müsste rein rechnerisch um die 5 % liegen. Die Senkung des Umwandlungssatzes bedeutet also eine Angleichung an die Realität und entspricht nicht einer Senkung von laufenden Renten. Deshalb ist eine Empörung darüber fehl am Platz. Dass der Ständerat damit eine Erhöhung der AHV-Rente rechtfertigen will, zeigt, wie ideologisiert er die Thematik angeht.

Sie legen dar, dass die aktive Bevölkerung die Rentner mit über 1000 CHF jährlich finanzieren würde. Können Sie einen Beweis dafür darlegen?
Wegen des zu hohen Umwandlungssatzes müssen die Versicherungen Jahr für Jahr die Erträge aus den Kapitalerträgen den laufenden Renten gutschreiben, um das politisch formulierte Versprechen zu erfüllen. Beispielsweise hat alleine die AXA Winterthur im Jahr 2015 827 Millionen CHF von Jung zu Alt umverteilt. Das ist enorm viel Geld. Die heutige Politik forciert den Rentenklau bei der arbeitenden Bevölkerung.

Sie priorisieren in der Altersvorsorge das Kapitaldeckungsverfahren, wie es in der 2. Säule angewendet wird. Sie übernehmen dadurch die Position der bürgerlichen Parteien SVP und FDP sowie die der Finanzbranche. Warum?
Vorsorgen tut man primär für sich selber und nicht für andere. Diesem Prinzip unterliegt das Kapitaldeckungsverfahren in der Pensionskasse. Die AHV wurde eingeführt, um sozial Schwächeren eine anständige Rente zu garantieren. Das ist wichtig und richtig. Die 2. Säule, wo die Sozialpartner Arbeitnehmer und Arbeitgeber einzahlen, ist typisch schweizerisch und basiert auf Eigenverantwortung. Ohne gesunde Pensionskassen zerbricht unser 3-Säulen-System. Diese Errungenschaft müssen wir stärken, weshalb Bundesbern die schädlichen Regulierungen im Bereich des Umwandlungssatzes, der Mindestverzinsung oder der Anlagevorschriften zu beseitigen hat.

Welche Erwartungen haben Sie an Ihre eigene Vorsorge? Rechnen Sie mit einer Rente, die dannzumal Ihre Existenz sichert und den bisherigen Lebensstandard weiterhin garantieren wird oder nicht?
Ich will nicht die Verantwortung über meine Rente in den Händen der Politiker in Bundesbern sehen. Denn diese handeln meistens nach kurzfristigen Partikularinteressen und ignorieren mathematische Grundsätze. Um in 50 Jahren eine anständige Rente zu haben, bleibt uns Jungen nichts anderes übrig, als selber und eigenverantwortlich Geld auf die Seite zu legen.

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