03.07.2017 - LINUS BAUR

Ein Sommer der Grossausstellungen im Weltformat

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Mit der Kunst-Biennale in Venedig, der documenta in Athen und Kassel sowie der Skulptur Projekte 2017 in Münster in Westfalen finden diesen Sommer gleich drei der grössten Kunst-Events der Welt statt. Für Kunstfans ein Muss.

«Viva Arte Viva» lautet das Motto der im Mai eröffneten 57. Kunstbiennale von Venedig, der nächsten Etappe in diesem langen Sommer der Grossausstellungen, der im April mit der Eröffnung der documenta 14 in Athen eingeläutet wurde und sich seit Anfang Juni mit der documenta in Kassel und den Skulptur Projekten 2017 in Münster fortsetzt.

57. Kunst-Biennale in Venedig
Es lebe die Kunst: Was heisst das? Welche Kunst?
Diesmal wurde die Hauptausstellung in der Lagunenstadt Venedig von Christine Macel kuratiert, deren erklärtes Ziel es war, die Künstler selbst und ihre Utopien und Obsessionen in den Mittelpunkt zu rücken. Dazu hat die Kuratorin ihre Rückbesinnung auf den Künstler in eine Folge von Kapiteln wie Farben, Unendlichkeit, Traditionen eingeteilt. Geboten wird eine
kunterbunte Ausstellung von 120 internationalen Künstlern, die nicht überall auf Zustimmung stösst. Für die einen wird zu viel gebastelt, andere finden das genau gut. Werkstattatmosphäre – so wollte es die Kuratorin.
Neben der Hauptausstellung präsentieren in den Giardini und dem Arsenale 85 Nationen heimisches Kunstschaffen. Zahlreiche Parallelausstellungen, die «Collaterali», erweitern die Weltkunstschau, und «Fondazioni» und Museen warten mit monumentalen Ausstellungen etwa von Damien Hirst, Shirin Neshat, David Hockney oder Hieronymus Bosch auf.
Das Prinzip der Biennale ist ja: entdecken, erleben, lästern, bewundern, so weit die Füsse tragen und so lang das Hirn noch aufnimmt. Es ist nicht einfach, in diesem Kunstgetümmel sich Klarheit und Übersicht zu verschaffen. Doch der Aufwand lohnt sich.

Die Kunst-Biennale Venedig läuft bis 26. November 2017

documenta 14 in Athen und Kassel
Seit 1955 findet die documenta in Kassel statt. Alle fünf Jahre dokumentiert dieses «Museum für 100 Tage», was in der zeitgenössischen Kunst gilt. Denn auf dieser Ausstellung werden einerseits Trends sichtbar, andererseits wird die gesellschaftliche Rolle der Kunst immer wieder neu gedacht. Im Fokus steht diesmal die Wirtschafts- und Flüchtlingskrise.
Zum ersten Mal hat die traditionsreiche Kunstausstellung documenta in diesem Jahr zwei Standorte. Der Entscheid des Kurators Adam Szymczyk, die documenta 14 zuerst in Athen, dann in Kassel abzuhalten, wurde im Vorfeld kontrovers diskutiert. Die Schau beweist allen voreiligen Kritiken zum Trotz, dass Szymczyks Konzept funktioniert.
Über 150 Künstler hat der künstlerische Leiter eingeladen, für Athen und Kassel neue Werke zu schaffen. Die Stars der Kunstwelt sucht man vergebens – die documenta hat den Anspruch, Neues zu entdecken. Viele Künstler stammen aus Ländern, die nicht im Fokus der Kunstwelt stehen. Die documenta 14 präsentiert neben der bildenden Kunst auch Tanz, Musik, Filme und Debatten – dazu Performances und Aktionen aller Art.

Die documena 14 in Athen läuft bis 16. Juli 2017
Die documenta 14 in Kassel läuft bis 17. September 2017

Skulptur Projekte 2017 in Münster
Seit 1977 lädt die internationale Grossausstellung Skulptur Projekte in zehnjährigem Rhythmus Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt ein, ihre Werke in der Stadt Münster in Westfalen entstehen zu lassen. Diesen Sommer ist die Stadt zum fünften Mal Austragungsort für die Skulptur Projekte. Diese lässt sich als Ausstellungsreihe heute fraglos mit der in Kassel stattfindenden documenta vergleichen.
Für 2017 entwickelten über 30 Künstlerinnen und Küstler nach Besuchen vor Ort und in engem Austausch mit dem künstlerischen Leiter Kasper König jeweils neue Projekte für Münster – und darüber hinaus. Im Fokus der Ausstellung steht das Verhältnis von öffentlichem und privatem Raum in Zeiten zunehmender Digitalisierung. Ein weiterer konzeptioneller Strang der Schau gilt dem Verhältnis von Skulptur und Zeit.
Neben Installationen wie Justin Matherlys monumentaler Skulptur zum sogenannten Nietzsche Felsenerarbeitete Alexandra Pirici eine Performance zum Thema «Nationales Gedächtnis» für den Friedenssaal im historischen Rathaus, Michael Smith bietet einen Tattooservice für Menschen ab 65 an und Emeka Ogboh komponierte, mit Bezugnahme auf den in Münster beerdigten Musiker Moondog, eine ortsbezogene Soundarbeit.

Die Skulptur Projekte 2017 Münster läuft bis 1. Oktober 2017

Gastauthor: 
LINUS BAUR

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