Rüeblistamm
29.08.2017 - Köbi Zimmermann

FiBL Schweiz - Forschung für die biologische Landwirtschaft. Der Bericht von Köbi Zimmermann

 

Wie beim Rüeblistamm üblich, begann der Besuch im FiBL Frick mit einem (freiwilligen) Mittagessen und zwar direkt im eigenen Bio-Restaurant. Wir konnten an der Selbstbedienungstheke ein Getränk (z.B. Bio-Süssmost), Suppe, ein Menue mit oder ohne Fleisch sowie den Dessert zu einem günstigen Preis abholen.

Nach dem Mittagessen waren auch die letzten Teilnehmer eingetroffen und um 14 Uhr begrüsste und Robert Obrist, Dipl.-Ing. agr ETH zu einer interessanten Präsentation über das Forschungsinstitut für biologischen Landbau. Robert Obrist arbeitet seit 17 Jahren hier als Departementsleiter Ausbildungsangebote und Internationale Zusammenarbeit. Als Hobby pflegt er in seiner Freizeit einen Rebberg mit diversen Sorten. 

Das FiBL wurde 1973 in Oberwil/BL als private Stiftung gegründet. 1973 kam der Umzug nach Frick. Dort betrieb der Kanton Aargau eine von 3 Landwirtschaftlichen Schulen. Diese wurden damals auf eine Schule (Liebegg, Gränichen) reduziert. Daher konnte der Betrieb in Frick vom FiBL übernommen werden. Das Forschungsinstitut beschäftigt heute ca. 190 Mitarbeitende, 70 Praktikanten, Diplomanden und Doktoriende. Das Jahresbudget beträgt ca. 23 Mio. Der Ertrag setzt sich zusammen aus Einnahmen durch Forschung, ca. 8 Mio, Leistungsbeitrag des Bundes ca. 6,5 Mio, Beratung, Bildung und Kommunikation ca. 2 Mio, Internationale Zusammenarbeit ca. 5 Mio. Weitere Erträge werden generiert durch Landwirtschaftliche Versuchsbetriebe, Restaurant, innere Dienste und Spenden.

Seit 2001 gibt es das Schwesterinstitut in Deutschland und seit 2004 in Oesterreich. Die Institute sind Mitglied der Internationalen Vereinigung der ökologischen Landbaubewegung. Es bestehen weitere internationale Kontakte weltweit.

Das FiBL in Frick gliedert sich in 6 Departemente: Boden,- Nutzpflanzen- und Nutztierwissenschaften, sowie Sozioökonomie, Beratung, Bildung & Kommunikation und internationale Zusammenarbeit.

Ein Projekt sind die Bodenwissenschaften unter der Bezeichnung DOK: Dynamisch, Organisch, Konventionell. In der Bodenwissenschaft geht es um Langzeitversuche (Bodenverdichtung ist auch im Biolandbau ein Thema), Bodenqualität und Funktionen, Klima und Umwelt. Mit diesen Untersuchungen wurden zahlreiche Belege für die ökologischen Vorteile des Biolandbaus im Vergleich zum Konvenrionellen Anbau erbracht. 

Die Tierzucht von Hochleistungskühen mit mehrheitlich ausländischem Kraftfutter ist nicht zielführend. Im Biolandbau wird auch bei den Milchkühen auf natürliche Fütterung geachtet. In der Zucht geht es um Tierwohl- und Erhaltung, Ernährung und Tiergesundheit. Artgerechte Haltung und Oekonomie ist das Ziel. Eine Kuhherde mit Hörnern braucht grössere Stallungen, damit sich die Tiere ausweichen können. Schweinen z.B., die die ganze Futterration im Futtertrog erhalten, fressen dies in Kürze und sind dann unterbeschäftigt, weil sie das Futter nicht suchen müssen und beissen sich dann aus Langeweile in die Schwänze.

In der Sozioökonomie geht es um die Logistik der Bio-Produkte. In den Läden sind die meisten Bioprodukte abgepackt. Dies ist eigentlich nicht wünschenswert, da von der Verpackung der Inhalt beeinflusst wird. Auf der andern Seite erleichtert dies aber die Warenfluss- und Terminkontrolle des Produktes. Es ist äusserst wichtig, dass der Warenfluss genau überwacht werden kann. Der Preis für Bio-Getreide ist etwa doppelt so hoch wie für das konventionell produzierte. Da liegt es auf der Hand, dass da dubiose Geschäftsleute nicht weit sind. 

Die Bio Anbaufläche in der Schweiz ist seit 1995/96 stark angestiegen. Diese beträgt heute ca. 14 %. 75 % der Bioprodukte werden über die beiden Grossverteiler Migros und Coop verkauft. Jedes 4. Ei ist Bio und im pro Kopf-Konsum von Bioprodukten ist die Schweiz Spitze.

Da der Boden um Frick sehr Lehmhaltig ist (Tongrube in Frick mit Saurier-Funden) liegt der Focus auf Obst- und Weinbau. Hier hat Frick auch gute Erfolge vorzuweisen. Ackerbauversuche werden andernorts mit entsprechenden Böden gemacht.

Nach diesen spannenden Erklärungen mit vielen Fragen von den Teilnehmenden begaben wir uns ins Labor. Im Gang sind viele Plakate aufgehängt mit Test- und Untersuchungsergebnissen, jedoch alle in Englisch, was auf die Internationalität des FiBL hinweist. Es sind auch Klimakammern zu sehen, in denen Pflanzenversuche in gesteuertem Klima vorgenommen werden. Es ist jedoch nicht garantiert, dass das was in der Klimakammer funktioniert, auch in der Natur ein Erfolg wird. Am Schluss waren wir noch im freien Feld bei der Kirschenanlage. Hier werden die Kirschbäume während der Reifezeit der Kirschen komplett von Regen geschützt. Auch feinmaschige Netze kommen wegen der Kirschessigfliege zum Einsatz.

Wir danken Robert Obrist für die fachmännischen und gut verständlichen Erklärungen und gingen nach einer Erfrischung unter schattenspenden Bäumen mit vielen neuen Eindrücken nach Hause.

Hier noch weitere Bilder

Organisation und Bericht: Köbi Zimmermann

Fotos: Emil Hartmann

 

 

Kommentare

Danke, lieber Köbi, für den ausführlichen und interessanten Bericht. Ich konnte ja leider nicht dabei sein, aber so habe ich trotzdem einen guten Einblick in das, was ihr gesehen und gehört habt. Ruth Vuilleumier

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