03.07.2017 - SeniorIn

Wenn Wohneigentum zum Problem wird

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Soll man sich im Alter noch Wohneigentum leisten? Soll man das Einfamilienhaus auf dem Land gegen eine altersgerechte Eigentumswohnung in der Stadt tauschen? Kann man die Hypothek aufstocken, um unerwartete Pflegekosten zu finanzieren. seniorin hat SVP-Nationalrat Gregor Rutz, Präsident des Zürcher Hauseigentümer-Verbandes HEV sieben Fragen gestellt.


Bei älteren Kunden, insbesondere wenn sie pensioniert werden und das Einkommen sinkt, wird von vielen Banken die Zahlungsfähigkeit bezüglich Hypothekarzinsen überprüft. Was rät der Hauseigentümerverband seinen Mitgliedern?

Es empfiehlt sich grundsätzlich, nicht die ganze Hypothek zurückzuzahlen, sondern ein Optimum zwischen Hypothek und Barvermögen anzustreben. Wichtig ist dabei ein gesundes Verhältnis zwischen der Hypothek und dem aktuellen Landpreis der Immobilie. Wir empfehlen Hauseigentümern generell, sich schon in jungen Jahren Gedanken zu einer langfristigen Strategie im Zusammenhang mit der eigenen Immobilie und deren finanziellen Aspekten zu machen.

Die Bestimmungen der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma, dass für die Berechnung der finanziellen Tragbarkeit nach wie vor einem langfristig durchschnittlichen Hypothekarzinssatz von 5% ausgegangen wird, erschweren älteren Menschen, aber auch jungen Familien das Wohnen im Eigentum. Was unternimmt der Hauseigentümer-Verband, um Wohneigentum überhaupt noch möglich zu machen?
Wir engagieren uns dazu auf politischer Ebene gegen die zunehmenden Bestimmungen und Gesetze, die das Bauen und Renovieren immer schwieriger und damit teurer machen. Zudem bekämpfen wir steigende Gebühren, Abgaben und Steuern rund ums Wohneigentum, die das Eigentum ebenfalls zunehmend verteuern. Im konkreten Fall helfen unsere Fachleute mit entsprechenden Beratungsdienstleistungen.

Der Hauseigentümerverband vergibt selber Hypotheken. Wie verfährt er dabei? Und: hilft der Verband, wenn Banken bei älteren Hauseigentümern die Hypothek kündigen?
Die Vergabe von Hypotheken erfolgt in Zusammenarbeit mit dem VermögensZentrum VZ. Bei der Überprüfung und Erneuerung einer Hypothek sind in der Regel immer mehrere Faktoren ausschlaggebend, nicht nur das Alter der Hypothekarnehmer.

Immer mehr Seniorinnen und Senioren beabsichtigen, ihr Einfamilienhaus auf dem Land zu verkaufen. Mit dem Ertrag wollen sie sich eine Eigentumswohnung in der Stadt leisten. Oft reicht der Ertrag aber nicht ganz für die hohen Preise in den Städten an guten, vor allem altersgerechten Wohnlagen. Unterstützt Ihr Verband solche Absichten und wie?
Einerseits versuchen wir, Eigentümer zu sensibilisieren, dass sie sich schon früh Gedanken zur Zukunft und Wertentwicklung der eigenen Immobilie machen. So lässt sich der Gewinn aus dem Verkauf allenfalls optimieren. Andererseits unterstützen wir Eigentümer, die mit dem Gedanken an einen Verkauf spielen, durch konkrete Verkaufs- und Beratungsdienstleistungen, wie etwa bei der Optimierung der Steuern oder der Suche nach Wohnraum.

Viele Seniorinnen und Senioren haben ihre Liegenschaft im Verlauf der Jahre zumindest teilweise amortisiert oder die Liegenschaft ist markant im Wert gestiegen. Beispielsweise durch Pflegekosten kommen sie in finanzielle Engpässe. Was schlägt der Verband in solchen Fällen vor? Bietet sich die Erhöhung der Hypothek an? Unterstützt der HEV dieses Vorgehen und wie?
Auch hier ist eine frühzeitige Planung wichtig; im konkreten Fall können wir die betroffenen Personen beraten. Das Eigenheim im Extremfall zur Begleichung von Rechnungen verkaufen zu müssen, ist ein schwieriger Schritt. Um solche Fälle wo immer möglich zu vermeiden, ist es – wie erwähnt – wichtig, auf übertriebene Vorschriften zu verzichten.

Seit Jahren ist der Eigenmietwert umstritten. Ihr Verband will das ändern. Die politische Auseinandersetzung darum gleicht aber einem Gehen an Ort. Was unternimmt der Verband künftig?
Es ist leider eine Tatsache, dass die Besteuerung des Eigenmietwerts und die Möglichkeit der steuerlichen Abzüge ein fein ausbalanciertes System bilden. Jedes «Drehen eines Schräubchens» verändert diese Balance. Ideal wäre ein einmaliges Wahlrecht, wie es mein Fraktionskollege Hans Egloff, Präsident des HEV Schweiz, vor einiger Zeit vorgeschlagen hat. Leider vorderhand erfolglos. Deshalb erarbeiten wir jetzt ein neues Modell.

Warum soll ein Eigentümer dem HEV beitreten?
Mitglieder des HEV Zürich profitieren von konkreten Vorteilen wie etwa kostenlosen telefonischen Auskünften bei Rechts-, Verwaltungs- und Baufragen, Gratis-Abonnement der Mitgliederpublikation «Der Zürcher Hauseigentümer», Schlüsselfundmarke mit persönlicher Nummer, exklusivem Hauspannendienst rund um die Uhr. Aus politischer Sicht wiederum ist es wichtig, dass der HEV möglichst viele Mitglieder hat: Dies gibt uns mehr Gewicht in der politischen Debatte.

 

Gregor Rutz
*Gregor Rutz (44) ist SVP-Nationalrat und Präsident des Hauseigentümerverbandes Zürich (HEV), war von 2001 bis 2008 Generalsekretär und Geschäftsführer der SVP. Seit 2008 ist Rutz Inhaber einer Agentur für Kommunikationsberatung und Öffentlichkeitsarbeit. Er ist verheiratet und wohnt in Zollikon.

 

 

 

 

 

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