03.07.2017 - SeniorIn

Zu Lebzeiten regeln, was nach dem Tod passiert

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Die Nachlassplanung schieben viele vor sich her. Ein Fehler. Denn: Nur wer sich frühzeitig damit befasst, kann den gesetzlichen Spielraum nutzen – und Streit wie auch steuerliche Nachteile für die Erben vermeiden.
 
Jede Minute werden in der Schweiz 95’130 Franken vererbt. Trotz der volkswirtschaftlichen Bedeutung fristet die Erbfrage oft ein Schattendasein. Allerdings sollte die Nachlassplanung nicht auf die lange Bank geschoben werden. Denn ohne Regelung bestimmt automatisch das Gesetz, wer im Todesfall erbberechtigt ist. Aus diesem Grund lohnt es sich, die Erbschaft umsichtig und frühzeitig zu planen.

Nichts dem Zufall überlassen
Ein Punkt, der insbesondere Paaren am Herzen liegt, ist die Absicherung des Partners. Dieser soll auch nach dem Tod den gewohnten Lebensstandard weiterführen können und nicht in finanzielle Bedrängnis geraten. Während sich die Realität in den letzten Jahren geändert hat, orientiert sich die gesetzliche Erbfolge nach wie vor an klassischen Familienverhältnissen. Daher ist gerade hier die Planung des Nachlasses entscheidend. So gehört der Konkubinatspartner beispielsweise nicht zum Kreis der gesetzlichen Erben. Damit der überlebende Partner im Todesfall nicht leer ausgeht, muss dieser in einem Testament begünstigt werden.

Vorsicht bei Patchwork-Familien
Eine gute Nachlassplanung ist insbesondere in Patchwork-Familien mit verheirateten Partnern wichtig. Falls nämlich ein Ehegatte stirbt, erben zunächst seine leiblichen Kinder und der überlebende Ehegatte, nicht aber Kinder des überlebenden Ehegatten. Scheidet auch der verbleibende Ehepartner aus dem Leben, geht der Nachlass wiederum nur an seine Nachkommen. Die Kinder des vorverstorbenen Partners gehen leer aus. Der Zufall entscheidet also, wer wie viel erbt. Mit einem Erbvertrag, an dem alle Parteien mitwirken, kann hingegen eine für alle gerechte Lösung erreicht werden.

Konflikten vorbeugen
Oft wollen die Eltern zu Lebzeiten bereits einen Teil ihres Vermögens an die Kinder weitergeben, da
diese beispielsweise für den Immobilienkauf auf finanzielle Unterstützung angewiesen sind. Mit Schenkungen, Erbvorbezügen oder Darlehen stehen ihnen dazu verschiedene Möglichkeiten offen. Diese Vermögensübergabe sollte sorgfältig und transparent geregelt werden. Denn die Gefahr ist gross, dass Jahrzehnte später niemand mehr weiss, wer wie viel erhalten hat – oder aber die gesetzlichen Ausgleichungsregeln zu unerwünschten Resultaten führen. Beispielsweise dann, wenn der Sohn ein Grundstück und die Tochter dessen Wert in bar als Erbvorbezug erhalten hat. Kommt es Jahre später zur Erbteilung, wird der Barbetrag zum Nominalwert angerechnet, die Immobilie
hingegen zum Verkehrswert zum Zeitpunkt des Erbfalls. Falls das Grundstück also an Wert gewonnen hat, muss der Sohn den Mehrwert gegenüber der Tochter ausgleichen. Um einen möglichen Konflikt zu vermeiden, lohnt es sich daher, Vermögensübertragungen zu Lebzeiten innerhalb der Familie offen zu besprechen und deren Berücksichtigung in der Erbteilung klar zu
regeln. Wer noch zu Lebzeiten regelt, was nach dem Tod passiert, minimiert die finanziellen und emotionalen Risiken.

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