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Rüeblistamm
22.04.2017 - Ruth Vuilleumier

Zwei Friedhöfe Liebenfels in Baden. Bericht von Ruth Vuilleumier

 

Das Thema Friedhof  hat wohl manche abgeschreckt, - doch schliesslich waren wir eine Gruppe von neun Teilnehmenden. Der Auftakt machte wie immer das gemeinsame Mittagessen. Diesmal in einer ganz besonderen Beiz „Da Giacomelli - Kreuzliberg“, die mit den schlichten Holzstühlen und karierten Tischtüchern seit bald 50 Jahren unverändert die einfache norditalienische Küche anbietet. Von der reichhaltigen Gemüsesuppe in der Suppenschüssel bis zur Pizza, alles zu günstigen Preisen. Die temperamentvolle Wirtin Franca Donelli, die alle mit „ciao Franca“ begrüssten, führte während 42 Jahren das Restaurant. Doch auch nach ihrem Tod 2011 ist alles noch so wie zu ihrer Zeit und wir freuten uns über das feine Essen. In 500m Entfernung befindet sich der Friedhof Liebenfels, wo auch Franca beerdigt ist.

                

Als der alte Friedhof im Zentrum von Baden zu klein wurde, erstellte die Stadt 1949 den Friedhof Liebenfels am Waldrand an der alten Strasse nach Zürich. Die Gräber sind umgeben von mächtigen Bäumen und Teichen. Es lässt sich hier wunderbar spazieren. Mit knapp sechs Hektaren Arealfläche ist es die grösste Grünanlage der Stadt Baden.

          

 

Herr Gerber empfängt uns am Brunnen vor dem Krematorium. Er gehört zu den drei Friedhof-Angestellten vom Bestattungsamt Baden. Heute machen Urnenbestattungen etwa 95% der jährlich 100 bis 120 Beerdigungen in Baden aus. Das Krematorium ist aber nicht nur für Baden, sondern für den ganzen Ostaargau zuständig und führt etwa 1700 Kremationen im Jahr durch. Wie froh waren wir, hier einfach nur Besucher zu sein und nicht unmittelbar Betroffene, wie die Trauernden, die gerade in der Abdankungshalle versammelt waren.

        

Als erstes führt uns Herr Gerber durch das Krematorium, das wir mit seiner computergesteuerten Technik (seit 1998) kennenlernen durften. Es verfügt über Kühlräume, auch einen Aufbahrungsraum, wo die Angehörigen von Verstorbenen Abschied nehmen können. Sie könnten auch bei der Kremation zuschauen, was aber nur selten gewünscht wird. Der Kremationsraum mit dem hohen Elektroofen mit Abgasfilter ist sauber und einfach technisch eingerichtet.

                                

Herr Gerber erklärt uns, dass die Anfangswärme für die Verbrennung von 800°C bis auf 1000°C erhöht werden muss. Am Ende des Prozesses wird die noch glühende Asche auf die Aschenplatte geschoben, eine Art Metallsieb, und in ein im Untergeschoss befindliches Becken gestossen. Allfällige Metallteile bleiben so auf der Aschenplatte zurück. Die Asche bleibt in diesem Becken, bis sie nach etwa dreieinhalb Stunden erkaltet ist und in die Urne eingefüllt werden kann. Eine Kremation dauert etwa 70 bis 90 Minuten, jeder Körper verglüht individuell auf seine Art. Es ist eindrücklich, was vom menschlichen Körper zurückbleibt, feinster Staub, der sich mit der Erde wieder verbinden kann.

   

Für die Urnenbestattung gibt es verschiedene Gräber. Am beliebtesten sind die einfachen Plattengräber. Auf den einheitlich grossen Granitplatten sind Name und Lebensdaten des Verstorbenen schwarz eingraviert. Dann gibt es auch die Gräber für ein bis zwei Urnen mit stehenden individuellen Grabsteinen oder die noch grösseren Familiengräber. Ein Grab bleibt während 20 Jahren bestehen, vor 2017 waren es 25 Jahre, Familiengräber 60 Jahre. Bei der Aufhebung eines Grabes ist in der Regel Asche und Urne, ebenso die Gebeine von Erdbestattungen fast vollständig zerfallen. So wird lediglich Erde aufgeschüttet für neue Gräber.

                           

Es gibt Projekte für ein erweitertes Angebot. In den nächsten Jahren soll ein Waldfriedhof entstehen, wo man sich noch zu Lebzeiten einen Baum aussuchen kann für seine Asche. In Planung ist auch ein separater Friedhofteil für Muslime, damit sie ihrem Ritus gemäss beerdigt werden können.

Wir spazieren durch den weitläufigen Friedhof, vorbei an den unterschiedlichsten Gräbern, vorbei an einer blühenden Magerwiese in bunten Farben. Sie wird zweimal jährlich gemäht und bleibt als offenes Gelände erhalten. Wir überqueren die Zürcherstrasse und gelangen vor das Tor des jüdischen Friedhofs, das uns Herr Geber aufschliesst. Hier finden wir eine andere Grabkultur mit teileweise sehr alten verwitterten Grabsteinen, die mit hebräischen und deutschen Schriftzeichen versehen sind. Jüdische Gräber werden nicht aufgehoben. Statt Blumen legt der Besucher einen Stein auf den Grabstein und gedenkt so des Verstorbenen. Am 14. Januar 1866 gewährte das Schweizer Volk an der Urne den Juden die Niederlassungsfreiheit. Dreizehn Jahre später, 1879, entstand der jüdische Friedhof in Baden, der von der Israelitischen Kultusgemeinde unterhalten wird.

        

Zum Abschluss besuchen wir die Abdankungshalle, die schlicht ohne religiöse Symbole ausgestattet ist. So können Hinterbliebene jedweder Glaubensrichtung Abschied von einem lieben Menschen nehmen. Auf unsere allerletzte Frage an Herrn Gerber, wie man seinen Beruf erlernen kann, erklärt er uns, in erster Linie learning by doing und dann die drei MMM: man Muss Menschen Mögen!

     

Bericht: Ruth Vuilleumier

Fotos: Jakob Zimmermann   

Kommentare

Liebe Ruth

Ganz herzlichen Dank fürs Organisieren dieses sehr speziellen Anlasses. Ich muss gestehen, auch ich war anfangs nicht gerade begeistert vom Thema "Friedhöfe". Zum Glück habe ich es mir dann doch anders überlegt und bin wirklich sehr zufrieden von diesem Nachmittag und den daraus neu gewonnenen Erkenntnissen nach Hause zurückgekehrt. Natürlich hat auch das feine Essen im "Kreuzliberg" nicht unwesentlich dazu beigetragen...  Herzlichen Dank ebenfalls an Köbi für seine guten Fotos.

 

Mit lieben Grüssen

 

Liselotte.

Liebe Liselotte, danke für Dein feedback und dass Du doch mitgekommen bist und Dir der Besuch etwas gebracht hat. Liebe Grüsse, Ruth

 

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