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31.12.2013 - Stadtspital Triemli

Hoher Blutdruck

 

Frage:
Neulich war ich (67) bei meinem Hausarzt, er mass mir den Blutdruck (es war abends). Kleiner Schock: 150 auf 75. Es sei besser, frühzeitig mit blutdrucksenkenden Medikamenten zu beginnen, meine der Arzt. Ich hatte bisher immer einen normalen Blutdruck. Zuhause angekommen, habe ich mit meinem Heim-Messgerät sofort nachgeprüft: 120 auf 70. Am nächsten Morgen: 110 auf 65. Am Mittag immer noch im normalen Bereich. Könnte es sein, das mein Gerät zu wenig anzeigt? Deshalb einen Tag später Messung im Gym, nach 65 Minuten Ausdauertraining. Resultat: 122/76. Der Arzt wies mich übrigens darauf hin, dass der höhere Blutdruck beim Arztbesuch „normal“ sei (Angst vor dem Weisskittel). Meine Fragen:
1. Wie interpretieren Sie die vollständig verschiedenen Ergebnisse in der Arztpraxis, zuhause und im Gym?
2. Könnte es auch sein, dass die Messgeräte in der Arztpraxis anders eingestellt sind als private Geräte (zuhause, im Gym)?
3. Auffallend ist, dass die kritischen Werte immer weiter gesenkt werden. Früher galt ein Blutdruck bis 150 noch als normal, jetzt ist die Grenze bei 135 (und sicher in einigen Jahren bei 120). Ist dies wirklich medizinisch indiziert (und wissenschaftlich gestützt) oder handelt es sich vor allem um Absatzförderung für die Pharmaindustrie?
4. Wenn es darum geht, den Blutdruck mit natürlichen Massnahmen/Mitteln zu senken bzw. im Griff zu behalten: Was ist am wirksamsten? Ernährung, Nichtrauchen, Bewegung? Für die Beantwortung dieser Fragen danke ich Ihnen im Voraus bestens

Antwort von Dr. med. Stefan Christen:
Zu Ihren einzelnen Fragen:
1. Wie interpretieren Sie die vollständig verschiedenen Ergebnisse in der Arztpraxis, zuhause und im Gym? Blutdruckwerte sind grundsätzlich nicht immer starr sondern variieren im Tagesablauf und unter verschiedenen Situationen stark. Grundsätzlich muss ein Blutdruckwert in sitzender Position nach 5min Ruhe mit einem geeichten Gerät ermittelt werden (WHO-Standard). Blutdruckwerte, die durch medizinisches Personal gemessen werden sind häufig zu hoch, ausgelöst durch die spezielle Situation. Man spricht da von einer Weisskittelhypertonie. Die selbstgemessenen Werte (sofern korrekt gemessen wie oben erwähnt) entsprechen da sicher dem wirklichen Blutdruck und nicht die in der Hausarztpraxis gemessenen Werte. Somit kann gesagt werden, dass die erwähnten Blutduckwerte in Selbstmessung absolut einem Normalbefund entsprechen und nicht therapiert werden müssen. Bei Unsicherheit über die wirkliche Höhe des Blutdruckes wird in Einzelfällen die Durchführung einer 24 Stunden Blutdruckmessung (ambulant) empfohlen, welches die genaueste Methode ist.
2. Könnte es auch sein, dass die Messgeräte in der Arztpraxis anders eingestellt sind als private Geräte (zuhause, im Gym)? Es kann sehr wohl sein, dass am einen oder anderen Ort die Blutdruckgeräte nicht mehr korrekt angeben, müssen diese doch periodisch gewartet und neu geeicht werden (in der Regel alle 2 Jahre).
3. Auffallend ist, dass die kritischen Werte immer weiter gesenkt werden. Früher galt ein Blutdruck bis 150 noch als normal, jetzt ist die Grenze bei 135 (und sicher in einigen Jahren bei 120). Ist dies wirklich medizinisch indiziert (und wissenschaftlich gestützt) oder handelt es sich vor allem um Absatzförderung für die Pharmaindustrie? Die Empfehlungen für einen Zielblutdruck sind in den letzten Jahren tatsächlich immer tiefer geworden, allerdings ist dazu auch der Beweis in Studien erbracht worden. Für nicht Diabetiker ist der Zielwert kleiner 140/90, für Diabetiker klerin 130/85. 4. Wenn es darum geht, den Blutdruck mit natürlichen Massnahmen/Mitteln zu senken bzw. im Griff zu behalten: Was ist am wirksamsten? Ernährung, Nichtrauchen, Bewegung? Vor einer medikamentösen Blutdrucksenkung sind immer allgemeine Massnahmen empfohlen wie Gewichtsreduktion, Reduktion des Salzkonsumes, Reduktion von Alkoholkonsum, regelmässiges körperliches Training und allenfalls Reduktion von übermässigem Kaffeekonsum empfohlen. Erst wenn damit die Zielwerte nicht erreicht werden können, wird eine Therapie mit Medikamenten empfohlen.

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