10.08.2017 - Bernadette Reichlin

Aqua-Fit – viel mehr als Wassertreten

Unter Aqua-Fit stellt man sich ältere, gutgelaunte Damen vor, die im Wasser plantschen und dabei nicht untergehen. Wer selber eine Aqua-Fit-Lektion besucht, kommt aber schnell ins Schwitzen.

Mit "bädele" und etwas im Wasser "strämpele" hat Aqua-Fit etwa so viel zu tun, wie ein Sonntagsspaziergang mit einem Langstreckenlauf. Eine Lektion Aqua-Fit geht ziemlich an die Substanz, werden doch die Gelenke intensiv bewegt, der Kreislauf durch den Wasserdruck gefordert und Kondition, Kraft und Balance trainiert. Trotz der Auftriebshilfe, ob nun Poolnudel oder Neoprenweste, ist voller Körpereinsatz gefragt, denn Aqua-Fit findet im schwimmtiefen Wasser, also ohne Bodenkontakt, statt.

Susanne Bondt unterrichtet vom Bassinrand aus. So hat sie alle Kursteilnehmer im Blick und kann wenn nötig Haltung und Bewegungen korrigieren. (B.R.)

"Gehen" bekommt so eine ganz neue Bedeutung – leichter allerdings wird es nicht. Der Wasserwiderstand zwingt zu genauen Bewegungen, schult die koordinativen Fähigkeiten und durch den Wasserdruck wird die Herztätigkeit intensiviert, der Herzschlag dagegen verlangsamt und die Muskulatur umfassend trainiert.

Ein Sport für fast alle

"Aber Muskelkater kennen wir nicht. Die Muskeln werden im Wasser zwar ebenso intensiv beansprucht, wie an Land, aber der Wasserdruck wirkt wie eine permanente Massage", lacht Susanne Bondt, Aqua-Fit-Leiterin (nach Ryffel Running) und Aqua-Fitness-Instruktorin im Schweizer Schwimmverband. Susanne – in den Aqua-Fit-Kursen duzen sich alle – unterrichtet seit 1999 Erwachsene in dieser Wassersportart. Mitmachen in den gemischten Gruppen können dabei fast alle, ob Sportler oder Ungeübte. Auch für Nichtschwimmer, Schwangere, Personen mit Behinderungen, oder körperlichen Einschränkungen nach Krankheiten oder Operationen sind die Bewegungen im Wasser kein Problem.

Spass gehört dazu

Die Ausrüstung für diese Art von Wassersport ist denkbar einfach: Badehose genügt. Die Auftriebshilfen werden zur Verfügung gestellt. Wer aber denkt, der gute alte Schwimmring tue es doch auch, liegt falsch. Die Trainingswesten richten den Körper auf, man "steht" im Wasser, wenn auch ohne Bodenkontakt. Das allein ist für Anfänger etwas ungewohnt, aber der Gymnastikteil zu Beginn einer Lektion schafft schnell Vertrauen in diese "Nicht-schwimm-Haltung" und macht von Beginn weg richtig Spass. So soll es auch sein, betont Susanne Bondt, ein stures Ganzkörpertraining passe doch nicht zum Element Wasser.

Sechs verschiedene Laufschritte, dazu die Armbewegungen, der Wasserdruck und -widerstand – Aquafit fordert den ganzen Körper.

Und trotzdem: Aqua-Fit ist ein intensives und forderndes Bewegungsprogramm. Unterstützt von anfeuernder Musik, die bei keiner Lektion fehlt, kann rhythmisch, effizient und trotzdem schonend trainiert werden. Susanne achtet, vom Bassinrand aus, genau auf die richtigen Bewegungsabläufe. Das Zusammenspiel von Druck und Gegendruck im Wasser, die richtigen Fussbewegungen im Laufteil – es gibt sechs verschiedene Laufschritte! – und der gezielte Einsatz der Arme tragen dazu bei, dass Gelenke so entlastet werden, dass sich zum Beispiel auch Arthrosepatienten schmerzfrei bewegen können.

Breites Trainingsspektrum

Der ehemalige Schweizer Langstreckenläufer Markus Ryffel lernte das "Deep-Water-Running" an den Olympischen Spielen 1984 kennen und brachte das Ganzkörpertraining in die Schweiz. Der Markenname Aqua-Fit ist geschützt, die Firma Ryffel Running bildet die Aqua-Fit-Leiter aus und organisiert auch regelmässige Weiterbildungen.

Für Susanne Bondt ist Wasser von klein auf ihr Element. Die Rettungsschwimmerin, ehemaliges Kadermitglied im Kompetenzzentrum für Schwimmsport und Wasserfitness Swimsports.ch und Aquafitnessinstruktorin, dazu noch Gesundheitsmasseur mit vertieften Kenntnissen in Anatomie und Erfahrungen im Reha-Bereich, ist Aqua-Fit-Leiterin nach Ryffel Running mit Qualitop-Anerkennung. Das heisst, die meisten Krankenkassen übernehmen im Rahmen der Zusatzversicherung einen Teil der Kurskosten.

Auch Rugbyspieler sind gefordert

Auch Sportler profitieren vom ganzheitlichen Trainingseffekt ohne harte Schläge und ohne Verspannungen. Denn im Wasser werden nicht wie im Fitnessstudio einzelne Muskelgruppen gezielt trainiert, Wassertraining ist immer gleichzeitig statisch und dynamisch. Das heisst, die für eine Übung scheinbar nicht genutzten Muskelpartien müssen zur Stabillisierung des Körpers eingesetzt werden. Deshalb ist das "Deep-Water-Running" nach Markus Ryffel für viele Spitzensportler ein regelmässig genutztes Konditionstraining. Susanne Bondt hat auch schon eine ganze Rugbymannschaft trainiert ­– und die waren am Ende des Trainings ganz schön geschafft.

Susanne Bondt unterrichtet zur Zeit in Uznach, Rapperswil-Jona und Horgen. Für Schnupperlektionen und weitere Auskünfte ist sie unter 079/474 79 71 oder e-mail: susanne.bondt@hotmail.com erreichbar.

Tags: 
Abonnieren Sie den neuen Newsletter von Seniorweb: 

 Teilen
Nach Oben