01.12.2017 - Bernadette Reichlin

Der autonome Kachelofen

Falsche Worte ergeben falsche Bilder. Stilblüten nennt sich das, was da in der Zeitung manchmal "gezeichnet" wird. Ganz ohne Rotstift aus dem Korrekturbüro.

"In der Stube verrichtet ein Kachelofen seinen Dienst". Das heisst, er holt Holz im Schuppen, feuert sich ein, legt bei Bedarf ein Scheit nach und entsorgt schliesslich auch die Asche. Muss wohl ein Kachelofen-Roboter sein. Ein normaler Ofen, der steht einfach da, passiv. Damit es warm wird, muss ein anderer den Dienst verrichten.

Die bezaubernden Venusaugen

"Ihre grossen, braunen Rehaugen funkeln wie der Abendstern." Das ist ein ganz neuer Ansatz, Astronomie zu erklären. Der Abendstern funkelt also gross und braun? Wahrscheinlich herrschte da extremer Smog. Oder dem Journalisten verdrehten die Rehaugen ganz gehörig den Kopf.

Auch Mode generiert immer wieder schöne Bilder: "Die Schottenfans waren alle in traditionelle Kleider gehüllt." Nun hülle sich mal einer in einen Kilt. Wäre vielleicht gar keine so schlechte Idee. Dann könnte man unter dieser Hülle das Geheimnis des "darunter" lösen.

Zuchtstier oder Sonntagsbraten

Um beim Thema zu bleiben: "Nicht alle Stiere kommen in den fleischlichen Genuss." Das ist nicht zwei- sondern doppeldeutig – und falsch. Denn genau genommen kommen alle Stiere in den fleischlichen Genuss: Die einen, weil sie zur Zucht eingesetzt werden – so war der zitierte Satz auch gemeint – die andern, weil sie selber fleischlicher Genuss werden. Auf dem Grill oder in der Bratpfanne.

Nur damit es wieder mal gesagt sei: Der "tödliche Wohnhausbrand" ist missverständlich und falsch. Wer ist denn gestorben? Das Wohnhaus oder sogar der Brand? Tote bei Wohnhausbrand wäre korrekt. Nur ist dieses Übel wohl nicht mehr auzurotten. Tödliche Lawinenniedergänge gibt es ebenso wie tödliche Autokollisionen oder Eisenbahnunglücke.

Achtung Kontrolle

Ein schönes Bild ist aber dieser Satz: "Der Schwarzfahrer kam einer Zugbegleiterin unter die Finger". Das möchte man doch nur zu gerne dabei gewesen sein. Andere Pechvögel kommen unter ein Auto oder einen Zug – das sind dann die tödlichen Auto-, respektive Zugunfälle. Aber unter die Finger einer Kontrolleurin! Hoffentlich hatte sich diese vorher die Hände gewaschen.

Zum Schluss noch ein sprachlicher Eintopf: "Die Pro-Kopf-Preise variieren, je nachdem, ob man einen Pouletsalat oder ein Boeuf Stroganoff oder einen aufwendigen Blumenschmuck wünscht." Also ich würde den Blumenschmuck nehmen, vielleicht mit etwas Rahm. Eine Aufzählung sollte Sinn machen und Speisepläne mit Tischdekorationen zu vermengen, geht gar nicht. Ebenso wenig wie das gute alte Beispiel vom Mann, der den Weg nach Hause und drei Fensterscheiben einschlägt.

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