09.11.2017 - Dieter Schupp

Die offene Gesellschaft

Der Begriff „Die offene Gesellschaft“ wurde zuerst von Henri Bergson verwendet. Er war ein französischer Philosoph und galt als einer der bedeutendsten Vertreter der Lebensphilosophie.

Henri Bergson wurde 1859 in Paris geboren und starb dort im Jahr 1941. Im Jahr 1927 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. „Die offene Gesellschaft ist ein liberales Gesellschaftsmodell, das zum Ziel hat, die „Fähigkeiten des Menschen freizugeben". Sie steht zum einen der „Laissez-Faire-Gesellschaft“ gegenüber, andererseits der totalitären, geschlossenen Gesellschaft. Die Philosophie sorgt dafür, dass wir uns daran gewöhnen, die Gegenwart niemals von der Vergangenheit zu isolieren. Es müsse, so Bergson, dabei bleiben, dass der Mensch mit seiner schöpferischen Kraft sich positioniert zwischen den Materialisten, die alles Geistige rein aus dem Körperlichen erklären wollen, und den Idealisten, die alles Materielle rein aus dem Geistigen deuten und erklären.

Bergson setzte auf die schöpferische Freiheit des menschlichen Bewusstseins, das den Menschen aus den Quellen der Moral und der christlichen Religion zusteht. Der Mensch hat die Intuition und die Form, selbst das Leben zu erkennen, in sich zu gehen, über sich selbst nachzudenken und bestimmen zu können. Da in jedem Menschen ein „unsterblicher, göttlicher Funke“ sei, ist es für ihn – per Mystik – möglich, „die Tiefen des Lebens abzuhorchen und den Puls seines Geistes mit Hilfe einer Art von intellektueller Auskalkulation abzulesen.“ Die Lebensphilosophie, als Gegenbewegung gegen Aufklärung und Rationalismus, wollte jedoch nicht verstehen, dass das Leben mit den Mitteln des blossen Denkens ein lebendiges Leben und kein „starres sein kann, das nur in den Köpfen ist.“

„Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ - mit diesem Werk hat sich Karl R. Popper einen Namen gemacht. Popper wurde 1902 in Wien geboren. Er war ein britischer Philosoph österreichischer Herkunft und Wissenschaftslogiker mit Schriften der Sozial- und Geschichtswissenschaft. Er begründete den kritischen Rationalismus. Seinen ersten Band beschliesst er: „Wir können wieder zu Bestien werden. Aber wenn wir Menschen bleiben wollen, dann gibt es nur einen Weg, den Weg in die Offene Gesellschaft. Wir müssen ins Unbekannte, ins Ungewisse, ins Unsichere weiterschreiten und die Vernunft, die uns gegeben ist, verwenden, um – so gut wie wir es eben können – für beides planen: nicht nur für Sicherheit, sondern auch für Freiheit.“

Popper charakterisiert die geschlossene Gesellschaft als magisch bzw. dogmatisch. Sie bricht zusammen, sobald die übernatürliche Ehrfurcht den persönlichen Interessen weicht, oder wenn eine „Herrenklasse“ sich von Armut oder Niederlagen bedroht sieht. Er erinnert daran und zitiert aus dem „Elend Historismus“ die Utopisten, die falschen „Propheten, Ideologen, Platon, Hegel, Marx, Kant – und ihre Folgen“. Diese haben geschlossene Gedankensysteme mit „besten Heilsvorstellungen angeboten“ und entwickelten totalitäre Gesellschaften. Popper stellte dem geschlossenen gegenüber das Ideal der offenen Gesellschaft mit Demokratie, Gewaltenteilung, Rechtsstaatlichkeit und Meinungs- und Religionsfreiheit.

Popper beendete den 2. Band mit diesen Worten: „... wir müssen zu den Schöpfern unseres Geschickes werden. Wir müssen lernen, unsere Aufgaben zu erfüllen, so gut wir nur können, und wir müssen auch lernen, unsere Fehler aufzuspüren und einzusehen. Und wenn wir einmal abgekommen sind von der Idee, dass die Geschichte der Macht unser Richter sein wird, wenn wir nicht mehr von der Frage besessen sind, ob uns die Geschichte wohl rechtfertigen wird, dann wird uns vielleicht eines Tages gelingen, die Macht unter unsere Kontrolle zu bekommen. In solcher Weise könnten wir sogar die Geschichte rechtfertigen. Sie hat eine solche Rechtfertigung dringend nötig.“

Popper und seine Konsequenzen: „Der Versuch, den Himmel auf Erden einzurichten, produziert stets die Höllen / Einige Aufgaben müssen liegen bleiben / Man muss nicht alles begründen müssen / Helft euren Feinden, steht denen bei, die sich in Not befinden, auch wenn sie euch hassen. Aber liebt nur eure Freunde / Bewahre Menschen davor, eine Heldenrolle spielen zu müssen / Jeder Mensch darf selbst entscheiden

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