04.05.2017 - Redaktion Seniorweb

Eine wegweisende Studie

COPD: Telemedizin steigert Lebensqualität und senkt Kosten – Weitere Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer gesucht

In der Schweiz leiden rund 400'000 Menschen an der chronischen Lungenkrankheit COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease). Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass im Jahr 2020 COPD weltweit die dritthäufigste Todesursache sein wird. COPD engt die Atemwege langsam ein und kann zu starker Atemnot und schlechter Lebensqualität führen. Symptome können mit Medikamenten gelindert werden, jedoch kann die Erkrankung nicht geheilt werden. Die Forschung ist daher gefordert, auch die nicht medikamentösen Betreuungs- und Behandlungsoptionen der COPD-Patienten und damit deren Lebensqualität zu verbessern.

Digitalisierung ermöglicht innovativen Ansatz

Die Klinik für Pneumologie und Schlafmedizin des Kantonsspitals St. Gallen geht dabei in einer gross angelegten Studie innovative Wege. Zusammen mit fünf anderen Spitälern setzt die Klinik ein elektronisches Gesundheitsdossier für das Monitoring des Zustandes von COPD-Patienten ein. Technologiepartner für diese Telemedizin-Studie ist Swisscom Health, die ihr Gesundheitsdossier Evita auf die spezifischen Anforderungen von COPD-Patienten angepasst hat.

Bis zu 250 Betroffene beantworten im Rahmen der Studie bei sich zu Hause übers Handy oder Tablet täglich Fragen zu Ihrem Gesundheitszustand im Gesundheitsdossier Evita. In den beteiligten Spitälern laufen alle Informationen in Echtzeit zusammen. Weist ein Patient besorgniserregende Werte auf, wird er umgehend vom Studienteam kontaktiert. Die Behandelnden stellen ihm weitere Fragen zu seiner Verfassung und beraten ihn telefonisch. Das Ziel: Die Betroffenen werden rasch und nach Möglichkeit bei sich zu Hause versorgt. Notfallmässige Spitalaufenthalte werden dadurch vermieden – mit positiven Auswirkungen auf die Lebensqualität der Patienten und die Kosten für die Gesellschaft.

Studie läuft noch bis Ende 2018

Derzeit nehmen rund 80 COPD-Patienten an der Studie teil. Noch bis Ende 2017 werden weitere Betroffene eingebunden, um im Idealfall 250 Teilnehmende zu erhalten. Jeder Patient nimmt genau ein Jahr an der Studie teil. Sechs Monate lang wird er mit den heute üblichen Betreuungsmethoden ohne telemedizinische Überwachung versorgt. In den anderen sechs Monaten kommt das elektronische Gesundheitsdossier Evita zum Einsatz. Ende 2018 werden die Erkenntnisse zu allen Teilnehmende ausgewertet. Ziel ist es, die Hypothese zu belegen, dass ein Telemedizin-Monitoring bei COPD-Patienten zu mehr Lebensqualität und weniger Spitalaufenthalten führt. Diese Vermutung legt eine 2016 vom Kantonsspital St. Gallen abgeschlossene Pilotstudie sehr nah.

Sechs Kliniken mit an Bord

Die Studie ist als so genannte Multi-Center-Studie angelegt. Insgesamt sechs Kliniken nehmen teil: Klinik für Pneumologie/Schlafmedizin am Kantonsspital St. Gallen (Studienleitung), Universitätsspital Basel. Universitätsspital Zürich, Kantonsspital Münsterlingen, Kantonsspital Glarus, Fachkliniken Wangen im Allgäu.

Teilnehmende gesucht

Noch bis Ende 2017 werden weitere COPD-Betroffene in die Studie eingebunden. Um möglichst aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten, wäre ein Teilnehmerfeld von 250 Personen ideal. Interessierte Personen können sich gerne an die Studienkoordinatorinnen der beteiligten Kliniken wenden. Informationen dazu finden Sie im Flyer zur Studie.

Stimmen von Beteiligten

Dr. med. Frank Rassouli, Oberarzt in der Pneumologie im Kantonsspital St. Gallen, Studienleiter:

«Ich bin überzeugt, dass wir mit unserem Einsatz des elektronischen Gesundheitsdossiers die Lebensqualität von COPD-Patienten erhöhen.»

«Jeder vermiedene Notfalleintritt spart dem Gesundheitswesen einige tausend Franken.»

«Unsere Patienten schätzen den einfachen und intensiven Kontakt zu uns über Evita. Sie stellen uns dort Fragen und berichten von ihren Hausarztbesuchen.»

«Die tägliche Auseinandersetzung mit ihrer Krankheit steigert bei den Patienten die eigene Kompetenz und das Wissen zu COPD. Das ist ein sehr wertvoller Nebeneffekt.»

«Wenn sich das Telemedizin-Monitoring für die Betroffenen bewährt und Hospitalisationen durch eine Früherkennung von akuten Verschlechterungen verringert werden können, ist eine Ausdehnung des Einsatzes von Evita für solche Zwecke geplant.»

Brigitte Schneider, Teilnehmende an der Studie:

«Ich musste nicht lange überlegen, ob ich an der Studie teilnehmen würde. Ich konnte ja nur gewinnen – für mich und auch für andere COPD-Patientinnen.»

«Das tägliche Ausfüllen des Online-Fragebogens in Evita ist in der Handhabung einfach und wird rasch zur Routine.»

«Der enge Austausch mit dem Ärzte-Team gibt mir Sicherheit und erhöht meine Lebensqualität.»

Pilotstudie hat Nutzen der Telemedizin gezeigt

Eine 2016 vom Kantonsspital St. Gallen abgeschlossene Pilotstudie mit rund 50 COPD-Patienten kommt zum Schluss, dass Telemedizin-Monitoring machbar ist und von den Patienten geschätzt wird. Weiterhin wurde die Zufriedenheit mit der Behandlung signifikant gesteigert. Es ergaben sich auch starke Hinweise, dass Spitalaufenthalte vermindert werden können. Die Akzeptanz des Gesundheitsdossiers Evita war sehr hoch, ebenso die Verlässlichkeit der Patienten bei der Beantwortung der Fragen. 95% aller akuten Zustandsverschlechterungen wurden dank dem Monitoring frühzeitig erkannt. Diese Patienten konnten betreut werden, ohne dass ein notfallmässiger Spitaleintritt nötig wurde.

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