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21.02.2017 - Bernadette Reichlin

Fasnachtsreigen im Blumenbeet

Der Garten im Februar. Mal ist es draussen grau und neblig, dann wieder ist alles weiss überzuckert. Oder der Himmel funkelt im klarsten Frühlingsblau. Es ist Fasnachtszeit.

Jetzt ist wieder Saison für alle, die gerne mal eine rote Nase im Gesicht tragen, in Feengestalt durch die Strassen schweben oder ihre Mitmenschen mit einer schauerlichen Maske erschrecken. Fasnacht halt – ein Brauch, der in seiner währschaften Ursprünglichkeit den katholischen Kantonen vorbehalten ist, auch wenn die vor 500 Jahren von der Reformation "gezähmten" Kantone immer wieder versuchen, auch so wild und ungebärdig zu sein. Für ein paar Tage.

Monat in vielen Kostümen

Dass nun aber selbst Petrus da mitmischelt und dem Februar befohlen hat, alle paar Tage das Kostüm zu wechseln, ist doch erstaunlich. Erst war sein Kleid weiss, dann bekam es braune Flecken, dann wurde alles himmelblau. Dazwischen trug er graue Nebelfetzen oder hüllte sich in Regenwolken.

Primeln kommen dank immer neuer Züchtungen in immer wieder neuen Verkleidungen auf den Markt.

Aber auch bei den Frühblühern im Garten gibt es solche, die sich gerne verkleiden. Die Primel zum Beispiel. In den Gärtnereien und bei Grosssverteilern kommen sie aktuell als buntes Völkchen daher, mit Rüschensäumen und goldgelben Äuglein. Dabei kann die Primel auch ganz anders. Sei altersher gilt sie als Heilpflanze, wird bei Husten und Bronchitis eingesetzt. Dabei kommen sowohl die Blüten wie auch die getrockneten Wurzeln zum Einsatz.

Am Schluss sind alle gelb

Ihr lateinischer Name Primula bedeutet die Erste, was sich auf den Termin ihrer Blüte bezieht. Manchmal noch vor den Schneeglöckchen blühen in einem warmen Kiesweg oder zwischen der Sonne ausgesetzten Gehplatten die ersten Primeln auf. Leider nicht so schön bunt wie ihre gezüchteten Verwandten, die man nach dem Verblühen ebenfalls in den Garten verpflanzen kann. Wo sie zuverlässig im nächsten Jahr wieder knospen. Dann, ohne ihr Narrenkleid, blühen sie meist gelb, manchmal noch rosa.

Hornveilchen sind alles andere als sortentreu; sie mischen sich lustig untereinander, was immer wieder für Überraschungen sorgt.

Farblich etwas diskreter aber nicht minder vielfältig kommen die Hornveilchen daher. Sie gehören zur Familie der Viola, sind verwandt mit den Duftveilchen, Stiefmütterchen und etwa 500 weiteren Arten, die sich über alle Kontinente verbreitet haben. Aber Hornveilchen sind die Ersten, die im Frühling ihre kleinen Blütengesichter der Sonne entgegenstrecken.

Wilde Farbenspiele

Und sie sind immer wieder für Überraschungen gut, denn sie neigen zur "Bastardbildung". Das heisst, sie mischen sich gerne mit andersfarbigen Kollegen, woraus dann immer neue Farb- und Musterkombinationen entstehen. Will man deshalb eine bestimmte Pflanze sortenrein erhalten, sollte man sie mittels Ableger vermehren. Das geht ganz einfach, denn so bescheiden das Hornveilchen auch wirkt, unter dem Boden verbergen sich kräftige Rhizome.

Dazu kommt, dass Ameisen ganz wild auf die nahrhaften Hornveilchensamen sind und diese eifrig sammeln – und so im ganzen Garten verteilen. Nur mit nassen Böden können die kleinen Gesellen nichts anfangen, dann faulen ihre Rhizome. Wenn es also im Frühling lange nass und immer wieder kalt ist, dann verschwinden die frühen Gartengäste. Sie möchten Fasnacht lieber im Sonnenschein feiern.

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