24.08.2017 - Bernadette Reichlin

Feuerwerk für die Sinne

Nicht alle freuten sich an der Feuerwerksinfonie zum ersten August. Und doch ist ein Feuerwerk etwas Grossartiges und gehört für viele zum Nationalfeiertag.

Wenn alle Raketen verschossen, das letzte bengalische Licht erloschen ist, geht das Feuerwerk im Garten weiter mit Farben, Düften, Tönen, Aromen. Auch das Fühlen kommt nicht zu kurz. Beim Ernten der Brombeeren, beim Pflücken der ersten Äpfel, beim Herausklauben der Kartoffeln aus der Erde, beim Schneiden der opulenten Sommersträusse frühmorgens, wenn der Tau noch an den Blüten hängt, wird deutlich, was es heisst, durch seiner Hände Arbeit glücklich zu werden.

Der Duft nach Sommer

Wie riecht der Sommer? Die Antwort ist individuell. Im Garten ist es der Duft des frischgemähten Rasens, der warmen Erde, die für die Herbstsaussaaten vorbereitet wird. Es riecht nach Apfelmus aus den ersten, meist wurmstichigen Falläpfeln. Die Rosen, die ihre Blütenblätter zu weiten Biedermeierröcken auffalten, duften ebenso intensiv wie die Zitronengeranie im Topf, die am Abend die Mücken fernhalten soll.

Rosen entfalten ihre Blütenblätter wie weite Biedermeierröcke.

Und die Kräuter erst. Wer jetzt kein Pesto mischt, aus viel Basilikum und einer rechten Handvoll Petersilie, wer keine Penne mit in viel Olivenöl ausgebackenen Salbeiblättern geniesst, keinen Gurkensalat mit Dill anrührt, der weiss doch gar nicht, wie Sommer schmeckt. Mit Kräutern wird jedes einfache, schnelle Sommeressen zu einem Feinschmeckermenü. Und wer am Küchenfenster Sträusschen aus Rosmarin, Salbei, Bohnenkraut und Thymian aufhängt, der konserviert den Duft des Sommers bis in den Herbst hinein.

Hören mit den Beinen

Wer im Garten sitzt und bei einem Glas Wein oder einem aus Gartenkräutern aufgebrühten Eistee in Sommerseligkeit schwelgt, der kann den Sommer auch hören. Bis in die langen Abenden hinein geben jetzt die Grillen ein Konzert. Es sind unscheinbare Tiere, bei denen nur die Männchen zirpen – und die Weibchen mit den Vorderbeinen hören. Ist doch auch eine Art Romantik. Da schrammelt das Männchen mit seiner Schrillleiste über seine Schrillkante und das Weibchen spitzt freudig seine hoffentlich langen, schlanken Beine.

Dahlien sind wie kleine Sonnenräder.

Fehlt noch das optische Feuerwerk mit den wirbelnden Sonnenräder der Dahlien und der Sonnenblumen. Die Königskerzen zeichnen goldenen Garben in den Himmel und Astern, Ringelblumen, Rosen, Tagetes, Blaudisteln und Kornblumen liefern die Untermalung zu dieser letzten, und leider allzu schnell vergänglichen Sommersinnlichkeit.

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