07.05.2017 - Bernadette Reichlin

Gute Planung ist die halbe Arbeit

Der Garten im Mai. Jetzt ist sie wieder da, die Zeit der rauen Gärtnerhände, des schmerzenden Rückens, der knappen Freizeit. Da helfen Gartenhandschuhe, Training und etwas Planung.

So wie wir Wert legen auf gute Nachbarschaft, so fühlen sich auch Pflanzen wohl, wenn ihr Umfeld für sie stimmt. Das heisst erst mal, dass der Standort stimmen muss – Sonnenanbeter werden sich in einer schattigen Ecke nie voll entfalten können und Schattenlieschen werden im Sonnenlicht sichtlich leiden. Dann spielen auch Windverhältnisse, Feuchtigkeit, Nährstoffgehalt des Bodens eine Rolle.

Duftende Schädlingsabwehr

Freundlich gesinnt Nachbarn sind auch im Garten das A und O. So sollte keine Pflanze der anderen vor dem Licht stehen oder ihr den Platz streitig machen. Im Ziergarten aber sind kleine Büsche von Salbei, Lavendel oder dem heute oft verpönten Buchs willkommen, bieten sie doch Rittersporn, Gladiolen oder Lilien ersten Schutz und Halt.

Lavendel bringt nicht nur etwas Provenceduft ins Gartenbeet, er vertreibt auch viele kleine Schädlinge.

Salbei und Lavendel machen sich auch im Rosenbeet gut. Nicht als Stütze, aber als olfaktorische Schädlingsabwehr. Weil sie so stark duften, finden Blattläuse und Blattrollwespen die Rosenstöcke nicht so schnell. Ganz abgesehen davon, dass sie den Boden beschatten und mit ihren eher dezenten Blüten den Rosen eine schöne Kulisse bieten. Rosmarin, ein anderes Gewürzkraut eignet sich hingegen nicht für eine solche Nachbarschaft. Wie auch der Wermut sondert er über seine Wurzeln keimhemmende Stoffe ab.

Nach demselben Prinzip kann auch der Gemüsegarten angelegt werden. Wer sich immer wieder über Karotten voller Maden und kümmernde Kohlpflanzen ärgert, sollte es mal mit guten Nachbarschaften versuchen. Karotten bekommen als Nachbarn Radieschen, Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch oder Mangold und die Möhrenfliege und die Möhrengallmücke meiden verwirrt das Beet mit den vielen verschiedenen Gerüchen.

Lockvogelblüten

Wer konsequent auf gute Nachbarschaften setzt, dessen Gemüsegarten wird bald zu einem lebendigen Biotop. Und zu einem farbigen dazu. Ringelblumen leuchten aus dem Grün heraus wie kleine Sonnen und locken nicht nur Bienen und Hummeln, sondern auch Schwebfliegen an, deren Larven mit Blattläusen an den Nutzpflanzen schnell aufräumen. Tagetes sondern über ihre Wurzeln Stoffe ab, die schädliche Nematoden vertreiben.

Ringelblumen im Gemüsebeet sind nicht nur Farbtupfer; sie wirken auch der Bodenmüdigkeit entgegen und lassen die Nutzpflanzen besser wachsen.

Deshalb wären Tagetes auch im Rosenbeet hochwillkommen, wirken sie doch der Bodenmüdigkeit in den meist für viele Jahre angelegt Rosenbeeten entgegen. Nur für unser ästhetisches Empfinden sind Rosen und Tagetes keine optimale Partnerschaft – ausser man zieht Rosen, die mit dem starken Gelb und Orange der Tagetes mithalten können.

Kultivieren im alten Stil

Sehr schön rahmt dagegen ein Kranz von Hornveilchen ein Beet mit Broccoli oder anderen Kohlpflanzen ein, zwischen die zusätzlich noch einige Kamillenstöcke oder Dillstauden gepflanzt werden. Wer Duftwicken im Garten möchte, gibt ihnen als unmittelbare Nachbarn einige Zwiebeln oder Knoblauchzehen mit – und wird sich an beidem freuen. Halbe Arbeit für doppelten Nutzen.

Dieses Miteinander ist im Übrigen ein guter Tipp für kleine Gärten. Gewürzsträucher zwischen den Blütenstauden, hie und da ein hellgrüner Kopfsalat oder das fedrige Laub eines Fenchels machen sich auch in einer Blumenrabatte gut. Das ist keine Erkenntnis aus neuerer Zeit. Bereits in den alten Klostergärten wuchsen Rucola und Akelei, Kürbisse und Salbei, Rettiche und Rosen, Sellerie und Iris in trauter Zweisamkeit.

Kohl an Mintsauce

Die Inkas bauten Mais in Kombination mit Kürbissen und Stangenbohnen an, was mit den heutigen Stangenbohnensorten allerdings nicht recht gelingen will. Sie sind zu wüchsig und erwürgen den Mais förmlich. Aber Kürbisse auf dem Maisbeet beschatten den Boden und ersparen so das Giessen. Wer keine Kürbisse will, kann auch Kartoffeln pflanzen, die im übrigen jedem Gärtner mit wenig Zeit zu empfehlen sind. Im späten Frühjahr steckt man die Knollen in den Boden, im Herbst wird geerntet. Fertig. Kartoffeln sind herrlich anspruchslos – und schmecken frisch aus dem Boden wunderbar.

Hornveilchen mit ihren fröhlichen Gesichtchen sind auch kleine Wächter. Sie schützen Kohl und Broccoli vor schädlichem Flattergetier.

Die grüne Minze, ein Vorläufer unserer Pfefferminze, wuchs früher in England zwischen den Kohlpflanzen, beschattete den Boden, vertrieb die Kohlweisslinge – und das Gespann machte sich zum Schluss auch auf dem Teller gut. Die Minze muss allerdings nach der Ernte sorgfältig ausgegraben werden, sie neigt dazu, jede Fläche zu überwachsen. Was zwar zeitsparend wäre, aber nicht ganz der Sinn der Sache.

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