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19.03.2017 - Fritz Vollenweider

Kostbares kulturelles Raubgut

Das Musée d’art et d’histoire in Genf zeigt sichergestellte archäologische Raubgüter 

Mit Kulturgütern lässt sich alles Mögliche finanzieren. Unter anderem auch Terror. Doch schon in früheren Zeiten kam es vor, dass Teile des kulturellen Erbes eines fernen Volkes heimlich geraubt und zu Sammelzwecken heimgeschmuggelt wurden. In der Schweiz bestehen im Kontext mit der UNESCO Gesetze, die es erlauben, diesem Treiben erfolgreich zu begegnen und festgestelltes Diebes- und Schmuggelgut den Herkunftsländern wieder zurückzugeben.

Findige Zollbeamte und Experten der Eidgenössischen Zollverwaltung und des Eidgenössischen Amtes für Kultur haben 2013 im Genfer Zollverwaltung Objekte aus Libyen, Syrien und Yemen entdeckt und als geschmuggelte archäologische Funde identifiziert. Daraufhin haben die Behörden von Republik und Kanton Genf die Güter konfisziert. Vor deren Rückgabe an die Herkunftsländer erhielt das Musée d’art et d’histoire in Genf die Objekte in Obhut, um sie zu warten und dem Publikum zugänglich zu machen.

Der Fall ist von mehrfacher Bedeutung

Juristische, politische und kulturelle Anliegen stehen am Beginn des Gedankens, diese geraubten Kulturgüter, das Erbe von verschiedenen Völkern aus dem Krisenraum des Nahen Ostens, sicherzustellen und vor deren Rückgabe an die Herkunftsländer öffentlich zeigen.

Für ein interessiertes Publikum zählt vor allem die Tatsache, dass authentische Funde aus dem kulturellen Erbgut von Völkern des nahen Ostens zur Betrachtung zugänglich sind. Die Gegenstände sind im Museum anschaulich präsentiert und mit erläuternden Informationstexten kommentiert. So klein der Raum mit den wenigen neun sichergestellten illegal eingeführten Plastiken wirkt, so gross ist das Staunen über diese vorwiegend rituellen Gegenstände, deren älteste rund 2400 Jahre alt sind, also noch älter als die um 600 n. Chr. gestiftete islamische Religion. Die Objekte sind gut unterhalten, die Gesichter und Schriften praktisch unversehrt.

Diese Grabstele, ein Hochrelief aus Kalkstein, mit roter Beschichtung, Augen in Marmor, entstanden im 4. bis 1. Jahrhundert v. Chr., stammt aus der Region Al-Dschauf in Jemen.

© MAH, Foto B. Jacot-Descombes

Ebenfalls aus Jemen, aus dem 3. Jh. vor Chr. bis 1. Jahrhundert nach Chr., stammt der Rundtisch aus Alabaster, mit drei Stierköpfen, Rauten und Blättern dekoriert, aus dem dieses Bild ein Detail der sorgfältigen kunsthandwerkliche Arbeit belegt. Welches Werkzeug da wohl von der geschickten Künstlerhand benutzt wurde?

Bild © MAH, B. Jacot-Descombes

Aus Syrien, Palmyra, stammen zwei Grab-Reliefs mit Porträt. Es sind Hochreliefs aus Kalk. Sie stammen aus der ersten Hälfte des 2. Jh. nach Chr. Auch sie gehören zu den schönsten aus dieser Region bekannten archäologischen Kulturgütern.

Bild © MAH, F. Bevilacqua

Das Bild zeigt eines der beiden Grabreliefs mit dem Portrait eines Mannes. Das andere zeigt das Antlitz einer Frau. Beide Hochreliefs zeigen unversehrte und – für die urgeschichtliche Zeit ihrer Entstehung – ausdrucksstarke Gesichtszüge.

Die Ausstellung dauert bis 30. September 2017.

Mehr über die Ausstellung

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