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16.04.2017 - Anton Schaller

Ostern: Frieden auf Erden

Oder: Wenn wieder Bomben fallen..

Nur eines ist gewiss in dieser so ungewissen Zeit: die Experten streiten. Sie werweisen darüber, ob es richtig war, dass US-Präsident Donald Trump 59 Tomahawk-Raketen vom Mittelmeer auf den Luftwaffenstützpunkt Al-Schairat südlich von Holms abfeuern liess, um den syrischen Machthaber Assad in die Schranken zu weisen, ihn von weiteren Giftgas-Attacken in diesem schrecklichen Bürgerkrieg abzuhalten. Oder drehte Trump damit an einer Eskalationsschraube, die nicht mehr zu stoppen ist?

Der bislang stets unstete US-Präsident hatte noch zwei Tag vor dem Schlag gegen den syrischen Diktator von einer politischen Lösung mit Assad geredet, reden lassen. Als er aber die „wunderschönen Babys“ tot sah, vom Giftgas gezeichnet, war er vor den TV-Kameras betroffen, gar gerührt: „Das darf es nicht geben.“ Assad hatte wieder einmal eine rote Linie überschritten. Trump handelte. Lies einen der vielen, wohl von langer Hand geplanten Schläge überraschend ausführen. Und das sehr bewusst während des Staatsbesuches des chinesischen Staatspräsidenten in seiner überdimensionierten Residenz in Florida. Sein Gast sollte unmittelbar Zeuge davon sein, dass er, der bisher sich auf die USA zurückziehen wollte, auch anders kann.

Aber nicht nur dies. Der zweite Schlag folgte gleich danach. Weil er, wie die Süddeutsche Zeitung schreibt, „auf great und big steht“, liess er das moderne computergesteuerte Kriegsgerät Drohne beiseite und liess eine konventionelle, aber die dickste Bombe in seinem Waffenarsenal in Afghanistan über einem Heerlager des Islamischen Staates IS platzen. Eine Bombe, die durch ihre gigantische Wucht auch die Tunnel einstürzen liess, in denen sich die IS-Kämpfer verstecken. Ist auch das eine reine Machtdemonstration, um dem Diktator Kim in Nordkorea, der noch unter dem Schutz Chinas steht, den chinesischen Machthabern selbst, aber auch Putin zu zeigen, wo es lang geht? Oder reihen sich die Schläge ein in ein geopolitisch ausgerichtetes Konzept, mit dem Trump mit seiner eher unerfahrenen Mannschaft nun doch wieder die Rolle des Weltpolizisten einnehmen will?

Die Experten, die Medien rätseln darüber. Eins ist unverkennbar: die US-Streitkräfte, ihre Führungsstäbe, schlicht das Pentagon, aber auch die Geheimdienste sind nicht zu unterschätzen. Es ist die beste, vor allem die bestausgerüstete Armee der Welt. Die Führungsstäbe sind pausenlos im Einsatz. Schläge auf den syrischen Luftwaffenstützpunkt, der Einsatz der dicksten, der „Mutter“ aller Bomben in Afghanistan, das sind wohlvorbereitete Aktionen, die jederzeit in Varianten abgerufen werden können. Dem Nationalen Sicherheitsrat werden sie laufend vorgetragen. Der wiederum berät den Präsidenten, der letztlich entscheidet.

Trump hat bereits für die beiden Aktionen Beifall erhalten: die USA zeigen Stärke. Er, der Kraftprotz, scheint daran Gefallen zu finden. Nur, wo führt das hin? Ersetzt das Säbelrasseln künftig die Diplomatie? Ist eine Befriedung nur noch durch Waffengewalt, Zerstörungen und über Tote zu erreichen?  Töten als das legitime Mittel, um Frieden zu stiften? Nach dem verheerenden Zweiten Weltkrieg sollte die Weltgemeinschaft, insbesondere die bestimmenden Politiker, aus den gemachten Erfahrungen doch weit besonnener zu agieren in der Lage sein. Oder haben sie, aber auch wir, sowohl die Aufklärung, als auch die fundamentalen Menschenrechte schlicht vergessen und landen wir wieder in den Zeiten, in denen eines galt: „Aug um Aug, Zahn um Zahn“?

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Kommentare

Ob Diplomatie zur Minderung oder zum Stoppen von hirnwütigen Menschen wie Assad, Kim Jon-ung und auch Erdogan Wirkung haben, mag man an genügend vorhandenen Beispielen aus geschichtlichem Wissen erwägen.

Aber solange, wie das "vereinigte" uneinige politische Europa nur mit nichts sagenden Worten anklagt, wird wohl die Welt wieder einmal auf den "Retter" USA zählen und sich so der Verantwortung in der europäischen Nähe entziehen. Die Lieferugen von Waffen und Kriegsmaterial in diese Gegenden will man doch nicht einschränken.

Im Übrigen denke ich, dass die global denkenden Wirtschaftskapitäne sich nicht durch Kriege, wo auch immer, ihr florierendes Geschäft vermiesen lassen wollen. Und so mag es sein, dass auch Trump von ihnen die rote Karte gezeigt bekommt. Und die lokalen Dominatoren in der Türkei, Syrien und auch in Nordkorea, in Afrika und Südamerika morden ruhig weiter.

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