12.08.2016 - Josef Ritler

Rolf Brem – Werkschau

Noch zu Lebzeiten plante der Plastiker Rolf Brem eine Ausstellung in Luzern zu seinem 90. Geburtstag. Doch er starb vor zwei Jahren. Jetzt kann man die Werkschau doch noch sehen.
Die Werkschau in der von der Stadt Luzern zur Verfügung gestellten Kornschütte, zusammengestellt vom Sohn Louis Brem und Bruno Fischer, ist nicht nur dem Plastiker Rolf Brem gewidmet, sondern auch dem Zeichner, dem Porträtisten, dem Medailleur, dem Geschichtenerzähler und dem Tagebuchschreiber.

Mit diesen Portraitköpfen wurde Rolf Brem weltberühmt

Rolf Brem war Bildhauer mit Haut, Haar und Knochen. Schon als Kind begann er aus Lehm zu modellieren – «Manöggel», wie er seine Figuren verschmitzt und liebevoll bis zu seinem Tod nannte. Ein Leben lang hatte der Luzerner Skulpturen, Plastiken und Porträtköpfe aus Bronze kreiert. Günter Grass, Hans Küng, Hugo Loetscher oder auch Marc Rich liessen sich von ihm porträtieren.

Vor dem Eingang der Kornschütte in Luzern steht die Bronzefigur Helias Helye

Als Harald Szeemann, der Ausstellungsmacher von internationalem Rang, eines Tages bei ihm anklopfte und dann 136 Porträtköpfe an die Weltausstellung 1992 von Sevilla brachte, erklärte Rolf Brem vergnügt: «Nun bin ich 'weltberühmt' in Meggen.» Diese Aussage war charakteristisch für die Bescheidenheit des Künstlers, der in seinem Atelier tausende von Kunstwerken erschaffen hat.

Heute stehen seine Figuren an verschiedenen Orten: der Pösteler bei der Post (Uni) in Luzern und ein weiterer Guss beim Restaurantr Piu in Zürich. Der Hirt mit seinen Schafen vor dem Luzerner Theater.

Er lebte zeit seines Lebens nach dem Motto:“Ich will mit der Kunst den Menschen Freude machen.“
Sein Vater war Coiffeur und wollte, dass Rolf etwas Gescheites lernt und schickte ihn zum Berufsberater, nachdem er aus dem Gymnasium geflogen und aus der Kunstgewerbeschule weggelaufen war. In der Schule hatte er im Zeichnen sowieso nur eine Vier. Er wollte eigentlich Fotoreporter oder Bildhauer werden. Der Berufsberater sagte ihm, dass er für diese Berufe völlig ungeeignet sei. Er sah in ihm einen Elektriker. Vor einigen Jahren erzählte Brem diese Geschichte bei Aeschbacher in der gleichnamigen Sendung des Schweizer Fernsehens. Genüsslich verriet er:“Ich dachte, das ist ein dummer Siech.“

Die liegende Frau scheint den Ausblick auf die Reuss zu geniessen

Rolf Brem besuchte  in Luzern 1945-48 die Kunstgewerbeschule und arbeitete danach neun Jahre mit seinem wichtigsten Lehrer, Karl Geiser, in Zürich. Nach Studienaufenthalten in Paris (Académie Julien, Académie de la Grande Chaumière), London und Florenz wirkte er in Rom als Mitglied des Istituto Svizzero di Roma. Seit 1957 arbeitete er in eigenen Ateliers in Meggen, Luzern und im Tessin als konsequent figurativer Bildhauer, der seine Ideen und Modelle aus dem Alltag herausgreift und in ihrer Lebensnähe und Natürlichkeit darstellt. 1977 erhielt er den Kunstpreis der Stadt Luzern, 2011 wurde Rolf Brem das Ehrenbürgerrecht der Gemeinde Meggen verliehen.

    
Begegnungen                                Bruder Klaus                    Fridolin Gross

In den letzten Jahren vor seinem Tod sah man ihn oft im Atelier vor den Bronzeköpfen sitzen und mit Freunden plaudern.

Rolf Brem verstarb am 11. April 2014 im Alter von 88 Jahren.

In der Gedenkausstellung zum 90sten Geburtstag in der Kornschütte werden 147 Werke, Bilder, Zeichnungen und Radierungen gezeigt. Die Ausstellung dauert bis 28. August 2016.

Atelierführungen in Meggen können unter www.rolfbrem.ch gebucht werden. Sohn Louis Brem, hier mit seinem Vater vor einigen Jahren in einer Ausstellung, führt durch das Atelier.

Fotos: Josef Ritler 

Rolf Brem bei Aeschbacher

 

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