20.07.2017 - Redaktion Seniorweb

Todesfälle verhindern

Die Krebsliga Schweiz empfiehlt und unterstützt Brustkrebs-Früherkennungsprogramme, die gemäss den europäischen Qualitätsleitlinien durchgeführt werden.

Jährlich erhalten 5900 Frauen in der Schweiz die Diagnose Brustkrebs und 1400 sterben daran. Je früher Brustkrebs entdeckt wird, desto besser sind im Allgemeinen die Überlebenschancen der betroffenen Frauen. Eine frühe Erkennung ermöglicht zudem eine schonendere und weniger belastende Behandlung.

Aufklärung und persönliche Information

Bei den allermeisten untersuchten Frauen zeigt die Mammografie normales Brustgewebe. Für diese Frauen kann es beruhigend sein zu wissen, dass bei ihnen mit grosser Wahrscheinlichkeit kein Brustkrebs vorliegt. Für die Krebsliga und den Verband der Krebsfrüherkennungsprogramme Swiss Cancer Screening ist es wichtig, dass alle Frauen regelmässig und persönlich eine ausgewogene Information über die Vor- und Nachteile zur Früherkennung im Rahmen eines Programmes erhalten, so dass die Frauen selber entscheiden können, ob sie teilnehmen.

Zugang für alle

In Screening-Programmen hat jede Frau zwischen 50 und 69 resp. 74 Jahren die Möglichkeit, regelmässig eine Screening-Mammografie durchführen zu lassen, unabhängig ihrer finanziellen Möglichkeiten oder sozialen Herkunft. Die Kosten für eine Mammografie werden von der Grundversicherung übernommen und sind franchisebefreit. Für das Gesundheitswesen sind die Untersuchungen im Rahmen eines Programmes wesentlich günstiger als im opportunistischen Screening.

Gesicherte Qualität

Die Wirksamkeit der Brustkrebs-Früherkennung und die Exaktheit der Resultate hängen stark von der Qualität der Geräte, der Untersuchungen und deren Auswertung ab. Um die Qualität der Befundung zu erhöhen und den Anteil falscher Untersuchungsresultate möglichst gering zu halten wird im Früherkennungsprogramm jede Mammografie nach dem Vier-Augen-Prinzip von mindestens zwei Fachleuten beurteilt. Zudem gibt es in den Programmen Anforderungen bezüglich Ausbildung der Personen, welche die Mammografie durchführen und beurteilen.

In zwölf Kantonen laufen Screening-Programme

Die Krebsliga Schweiz und die Expertengruppe «Brustkrebsprävention» sind nach Evaluation der verfügbaren Literatur zum Schluss gekommen, dass die Vorteile der flächendeckenden Screening-Programme die Nachteile überwiegen.

Zurzeit gibt es in zwölf Kantonen laufende Screening-Programme: Basel-Stadt, St. Gallen, Bern, Graubünden, Freiburg, Genf, Jura, Neuenburg, Tessin, Thurgau, Waadt und Wallis. Die Krebsliga Schweiz fordert die Kantone dazu auf, bestehende Programme beizubehalten und Neue aufzubauen.

Das Swiss Medical Board, ein Schweizer Gremium, das medizinische Leistungen beurteilt, ist in einem im Februar 2014 veröffentlichten Bericht zum Schluss gekommen, dass bestehende Mammografie-Programme befristet und keine neuen Programme eingeführt werden sollen. Um eine aussagekräftige Evaluation zur Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit eines Programmes machen zu können, ist jedoch eine garantierte Realisierungsdauer von mindestens acht Jahren erforderlich. Das besagt auch eine dementsprechende Verordnung des Bundesrates (1).

Haltung der Krebsliga zu Brustkrebs-Früherkennungsprogrammen

Die Krebsliga Schweiz empfiehlt und unterstützt Mammografie-Screening-Programme, die gemäss den europäischen Qualitätsrichtlinien durchgeführt werden. Die Haltung stützt sich auf eine von einer unabhängigen englischen Expertengruppe durchgeführte umfassende Analyse, in der bestätigt wurde, dass durch solche Programme Todesfälle bei Brustkrebs verhindert werden können. Weitere Erfahrungen aus dem europäischen Ausland bekräftigen diese Aussage. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Bundesamt für Gesundheit (BAG) vertreten dieselbe Haltung. 

Die Krebsliga Schweiz ist der Ansicht, dass aus heutiger Sicht die Vorteile der Screening-Programme die Nachteile überwiegen und fordert die Kantone dazu auf, qualitätsgesicherte Programme aufzubauen. Die Krebsliga Schweiz ist der Ansicht, dass Screening-Programme auch unter dem gesellschaftlichen Aspekt der Chancengleichheit wichtig sind. Die zur Mammografie eingeladenen Frauen benötigen allerdings eine ausgewogene, transparente und leicht verständliche Information über den Ablauf und mögliche erwünschte und unerwünschte Folgen der Untersuchung.

Da der Bericht des Swiss Medical Board vom Februar 2014 keine neuen Daten enthält und neue Diagnosetechniken im Bereich der Früherkennung nicht berücksichtigt, sieht die Krebsliga Schweiz keinen Grund, ihre Haltung zum Mammografie-Screening zu ändern

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