04.07.2017 - Bernadette Reichlin

Wenn nur die Hüfte nicht wäre!

Aktiv im Alter ist für viele eine Illusion. Wenn Verschleisserscheinungen an den Gelenken jeden Schritt mühsam machen, neigt man gerne zu Schonhaltungen. Falsch. 

Ja, ja, das Alter! Alles wird etwas langsamer, beschwerlicher. Der Rücken macht nicht mehr so mit und am Morgen nach dem Aufstehen zwackt es hier und dort. Wer älter wird, hat zwangsläufig mit Abnutzungserscheinungen zu kämpfen, besonders in einigen der 143 Gelenke des menschlichen Körpers. Gelenkverschleiss heisst das oder Arthrose. Dabei sind die schützenden Knorpel in den Gelenken so weit abgebaut, dass mehr oder weniger Knochen auf Knochen reiben. Und das schmerzt. Häufig im zweitgrössten Gelenk des Körpers, dem Hüftgelenk. (Das grösste Gelenk übrigens ist das Kniegelenk.)

Auch Kunstgelenke altern

Sich deshalb in den Lehnstuhl zurückzuziehen, wäre indes fatal. Bewegung heisst das Gegenmittel. Und wenn gar nichts mehr geht, kann eine Operation helfen.

Die Schweiz ist zwar Spitzenreiterin beim Einsatz von Hüftgelenksprothesen und das Operationsverfahren gehört zu den erfolgreichsten Eingriffen der modernen Medizin. Und doch: Allzu schnell sollte sich Personen mit Schmerzen in der Hüfte nicht unters Messer legen. Zum einen, weil jede Operation Risiken birgt, zum andern, weil auch künstliche Hüftgelenkle altern. Ob sie nach 20 Jahren ausgetauscht werden müsssen oder bereits nach 10 Jahren, darüber ist sich die Fachwelt uneinig.

Titelblatt der neuen Broschüre der Rheumaliga Schweiz zum Thema Hüftprobleme.

Sicher ist: Eine Hüftgelenksprothese ist die Ultima Ratio, die erst zum Einsatz kommt, wenn alle andern Therapien nicht mehr helfen. Die Rheumaliga Schweiz hat mit "Die Hüfte bewegt. Schmerzen verstehen und behandeln" eine Gratisbroschüre herausgegeben, die Hüftprobleme umfassend und informativ thematisiert. Und auch aufzeigt, welche Hilfsmittel es für "Hüftsteife" gibt und mit welch einfachen Übungen man das Gelenk kräftigen, ja vielleicht Schmerzen sogar etwas "wegturnen" kann.

Hüftschmerzen zuerst konservativ behandeln

Probleme mit den Hüften haben auch schon junge Menschen. Das hat dann oft mit Fehlstellungen zu tun, aber auch mit früheren Verletzungen, Überbelastung durch exzessiven Leistungssport oder Übergewicht. Aber auch Bewegungsmangel kann zu einer Arthrose führen. Schonung ist also kein Heilmittel.

Im Gegenteil. Ärzte und Therapeuten raten auch bei bereits vorhandenen Beschwerden vielmehr zu regelmässiger Bewegung, gelenkschonend natürlich. Das kann ein täglicher Spaziergang auf weichem Boden sein, zum Beispiel im Wald. Oder Fahrrad fahren, ob auf dem Hometrainer oder im Freien. Sinnvoll und sehr schonend und trotzdem effektiv sind Therapien im Wasser, zum Beispiel Aquafit.

Pillen, Tropfen, Spritzen

Dazu gibt es eine ganze Reihe medikamentöser Behandlungen. Das reicht von schmerz- und entzündungshemmenden Pillen, die allerdings dosiert und nicht über einen längeren Zeitraum eingesetzt werden sollten, über Cortisonspritzen, Vitamin E und D bis zum Einsatz von Hyaluronsäure. Das ist ein körpereigener Stoff und Bestandteil des Gelenkknorpels und des Bindegewebes und wirkt in den Gelenken als Schmiermittel. Allerdings, so schreibt die Rheumaliga, wird diese Behandlung von den Kassen nicht bezahlt.

Das eigentliche Hüftgelenk sitzt tief im Becken, kann aber ganz schön Beschwerden machen.

Wichtig ist wie immer eine klare Diagnose. Der Arzt sollte also den Schmerz und die Beschwerden genau erfragen, sich auch den Gang des Patienten und seine Körperhaltung anschauen. Natürlich zeigt ein Röntgenbild schnell, wo es harzt. Aber die Bewegungseinschränkungen sind sehr individuell. "Ich operiere keine Röntgenbilder", sagte einmal ein Chirurg und meinte damit, dass es vom Patienten oder besser von dessen Leidensdruck abhängt, welche Therapien angewendet werden sollten. Vielleicht hilft ja eine Hüftarthroskopie, eine minimalinvasive Methode, bei der Entzündungen der Gelenkschleimhaut und Knorpelschäden therapiert werden können. Oder eine gute Schmerz- oder Physiotherapie.

Hüftprothese – und alles ist wieder gut?

Wenn gar nichts mehr hilft, fällt der Entscheid für eine ein künstliches Hüftgelenk meist schnell. Die Erfolgsquote ist für diese Operation sehr hoch, ein Routineeingriff ist es aber trotzdem nicht. Je nach Allgemeinzustand vor der Operation ist mit einer kürzeren oder längeren Genesungszeit zu rechnen. Zwei bis drei Monate ist man sicher eingeschränkt und bis Beweglichkeit und Ausdauer wieder hergestellt sind, dauert es rund ein Jahr.

"Die Hüfte bewegt. Schmerzen verstehen und behandeln." Broschüre erhältlich bei Rheumaliga Schweit, Josefstrasse 92, 8005 Zürich.

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