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03.03.2017 - Jürg Bachmann

In zweieinhalb Minuten überzeugen

Kreativität kennt keine Grenzen: Junge Startup-Firmen stellen am Mobile World Congress in Barcelona ihre Ideen vor.

In einem offenen, leeren Raum stehen nur kleine weisse Tische. Darum herum je drei Stühle. Zwölf Journalisten werden an je einen Tisch gebeten. Am Eingang warten Vertreter von zwanzig Startup-Firmen. Sie werden in der nächsten Stunde je drei Minuten Zeit haben, ihr Projekt vorzustellen. Die Glocke klingelt, das Schaulaufen beginnt.

Im Umfeld des weitgehend überlaufenen und überladenen Mobile World Congress in Barcelona sind in den letzten Jahren zahlreiche neue Veranstaltungen entstanden. So zum Beispiel die 4YFN. Die Buchstaben stehen für Four Years From Now; was hier gezeigt wird, will in vier Jahren Alltag sein. Schier unendlich viele Jungunternehmerinnen und -unternehmer stellen ihre Projekte Besuchern, Investoren und Medien vor.

In der kurzen Zeit, die ihnen diesen Nachmittag zur Verfügung steht, zeigen die Startup-Vertreter ihre Ideen, auf die die Welt zwar nicht gewartet hat, die das Leben aber angenehmer, praktischer oder einfach lustiger machen können.

Schule und Familie in Einklang finden

So zum Beispiel der Vater Cristian Cisa, der mit einer App versucht, Schule und Familie in Einklang zu bringen. Er verbindet über eine App Lehrer und Eltern, die ohne viele Mails strukturiert miteinander kommunizieren können (www.dinantia.com). Albert Argilès, auch er hat Familie, findet „cook less, share more, eat better“. Wer schon kochen muss, soll das doch grad für mehrere tun. So bleibt allen mehr Zeit, beim Kochen gibt man sich mehr Mühe und gemütlicher ist es auch (www.cococking.es). Food sei nämlich der nächste Markt, der disrumpiert werde. Merchandisingartikel, also Geschenke, die Firmen verschenken, sind, man weiss es, meist ähnlich und langweilig. www.mistertechnologia.com tritt gekonnt mir Fliege auf und liefert unverbrauchte Ideen.

Glocke. Mitten in ihren Reden läuft die Mitarbeiterin durch den Raum und klingelt energisch. Tischwechsel. Wer noch am Reden ist, beendet rasch den Satz und hechtet zum nächsten Tisch. Der Journalist hat kaum Zeit, zwei, drei Stichworte auf die abgegebene Visitenkarte zu kritzeln und schon setzt der nächste Gast zur kompakten Präsentation an.

Jesus Perez kommt aus einem lateinamerikanischen Land und kennt viele Lands- und andere Leute, die jeden Monat von einem europäischen Land aus Geld in die Heimat senden. Das ist teuer. Dank seiner Software (www.transferzero.com) sinken die Kosten auf 20% des Betrages. Das schenkt ein. Mit seinem Heimatland beschäftigt sich auch Umer Aziz. Der Pakistaner will die 140 Millionen jungen Menschen unter 30 in seinem Land ansprechen: diese haben zwar ein mobiles Gerät, für die Nutzung fehlt das Geld. Seine Ideen helfen weiter (www.alphabetatechnologies.com).

Virtuelle Gemeinschaft bilden

Communities für bestimmte Zwecke sind begehrt und entstehen oft aus eigener Erfahrung. Bruno Munoz ist leidenschaftlicher Renner. Immer allein ist langweilig. Mit www.runator.com bildet er eine virtuelle Gemeinschaft, bei der sich Renner aus der ganzen Welt verabreden und an verschiedenen Orten der Welt ihrer Leidenschaft frönen. „Kennen Sie jemanden, der eine Abo fürs Fitnessstudio besitzt, aber nie hingeht?“ Rhetorische Frage! Die App auf www.everywheregym.com verbindet Trainingswillige mit Trainern dann, wenn Zeit und Wunsch besteht. Die App gegen den inneren Schweinehund liefern sie allerdings nicht mit. Für Couch potatoes hingegen: wer wünscht sich nicht etwas Übersicht über die Filme, Musik und Veranstaltungen, die ihn interessieren. Daniel Rovira bringt mit www.itscher und seiner App Ordnung in den Katalog.

Virtual Reality (VR) ist heiss begehrt. Ob wegen des Inhalts, der bis jetzt nur mit Brille konsumiert werden kann – und bei dem es den meisten Menschen einfach schlecht wird –, oder wegen der guten Argumente der Industrie, die endlich wieder ein Gerät mit schöner Marge auf den Markt gebracht hat, sei dahingestellt. Ignasi Capellà Ballbè hat jedenfalls mit www.broomx.com eine Technologie erfunden, welche die Brille überflüssig und das Konsumieren von VR am normalen Bildschirm möglich macht.

Schliesslich gibt es die Kategorie jener, die entdeckt haben, dass sie etwas können, was anderen fehlt. Marcello Arnone hat erkannt, dass Marketing nur gut ist, wenn auch die Inhalte stimmen. Er liefert sie. www.mixtropy.com.

Ein Highlight zum Schluss: wer hat sich im Museum nicht schon gewünscht, beim Eingang alles Wissenswerte zur Ausstellung aufs Handy laden zu können und den Rundgang so zu begleiten? Rosa Sala hat’s mit www.nubart.eu erfunden und führt es ein. Vorerst zwar erst in Spanien, aber der Siegeszug durch die Häuser Europas sei geplant.

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