FrontGesellschaftEs werde Licht!

Es werde Licht!

Der Garten im Dezember. Weihnachten ist das Fest der Freude und des Lichts. So soll es auch sein. Wie sonst ist Dunkles, Schweres zu ertragen?

Weshalb ist das Kreuz, die Kreuzigung, das Symbol des Christentums? Weshalb nicht der leuchtende Stern, die Freude, das Licht? Das fragt sich mein Redaktionskollege Fritz Vollenweider ins seinem Weihnachtsbeitrag. Wer in diesen Tagen durch die Strassen geht, in die Vorgärten blickt, sich an den geschmückten Haustüren freut, stellt fest, dass viele Menschen ähnlich empfinden. Sie sehnen sich nach Licht und Weihnachtsglanz. Gegen die Dunkelheit draussen und die Ängste im Innern.

Weihnachten heisst auch Toleranz

Ja, es gibt auch die Andern. Die gegen die Stromverschwendung, die Lichtverschmutzung, gegen Kitsch und gegen die Freude ganz allgemein wettern. Und die vergessen, dass Grosszügigkeit und Toleranz auch zu unserer Kultur gehören. Die sich aufregen, wenn, wie in unserer Gemeinde geschehen, ein Pfarrer in der Adventszeit den Turm der Kirche beleuchten lässt, mal rosa, mal hellblau – als Ausdruck der Freude auf das Weihnachtsfest, aber auch als zart schimmerndes Fanal gegen die Dunkelheit.

Festfreude mal farbig und verspielt …

… mal zauberhaft romantisch. (B.R.)

Wer sich aber an den geschmückten Sträuchern und Bäumen in Vorgärten, an hell leuchtendem Fensterschmuck erfreut, trägt ein Stück Weihnachten in den Alltag. Natürlich sind die Geschmäcker verschieden, lassen allzu viele Rehlein und Hirschlein und Häslein, farbig und aufgeregt blinkende Weihnachtsdekorationen oder eher unbeholfen in Licht gewickelte Büsche einen schmunzeln. Aber trotzdem: Hier bereiten sich Menschen auf Weihnachten vor, erhellen die dunkle Zeit. Wer kein Herz hat wie ein zu lange gebackenes Chräbeli muss sich doch einfach darüber freuen.

Christrosen und Mistelzweige

Dabei müssen es gar keine LED-Lämpchen sein. Tannenzweige und Weihnachtskugeln unter dem Vordach, ein reich geschmückter Kranz oder ein Windlicht an der Türe oder Christrosen vor dem Fenster sind ebenso stimmungsvoll.

Der Brauch, Mistelzweige über die Haustüre zu hängen, ist zwar heidnischen Ursprungs, aber gehört bei uns auch zur Weihnachtszeit. Die Mistel gilt seit alters her als magische Pflanze. Man lese nur «Asterix»: Mit einer goldenen Sichel schneidet der weissgewandete gallische Druide jeweils die Misteln von den Bäumen und setzt mit ihnen den Zaubertrank an, der übermenschliche Kräfte verleiht – und der Obelix immer verwehrt bleibt, weil er als Kind in den grossen Zaubertrankkessel gefallen und so für immer «imprägniert» ist.

Halbschmarotzer mit ewigem Leben

Die Mistel wird schon in der nordischen Mythologie des 13. Jahrhunderts Edda beschrieben: Frigg (Freya), die nordische Göttin der Liebe und der Fruchtbarkeit und Mutter von Baldur sieht im Traum ihren Sohn in Gefahr. Deshalb nimmt sie allen Naturwesen und Elementen das Versprechen ab, ihrem Sohn kein Leid anzutun. Die Mistel aber, die sich im Laubwerk der Bäume verbirgt, geht bei dieser Solidaritätsaktion vergessen. Der neidische Asengott Loki nützt diesen Umstand und Balder wird durch eine «Lanze» aus dem Stengel einer Mistel getötet.

Misteln tragen das Geheimnis ewigen Lebens in sich und sind ein schönes Weihnachtssymbol.

Die Mistel mit ihren weissen Beeren wird bis heute in der Pflanzenmedizin eingesetzt, in kleinen Dosen allerdings, denn der Halbschmarotzer, der sich vom Saft seiner Wirtsbäume ernährt, ist giftig. Aber er trägt das Geheimnis ewigen Lebens in sich, eine botanische Rarität. Denn Misteln bleiben ewig jung, ihre Blätter, Stengel und sogar die Wurzeln immer grün. Auch bei grossen, also alten Mistelbüschen findet sich keine Zeichen der Alterung, da verholzt oder verkorkt kein Stengel und zwischen den Keimblättern und dem späteren Laub besteht kein morphologischer Unterschied. Das heisst, es entstehen immer neue, kleine «Babyblättchen» und die bleiben so, bis sie abfallen.

Jeder Kuss eine Beere

Kein Wunder, dass da der Glaube aufkam, ein Kuss unter einem Mistelzweig besiegle ewige Liebe. In England nimmt man es ganz genau: Nach jedem Kuss wird eine der weissen Beeren geerntet. Ist die Mistel leergepflückt, ist auch Schluss mit Küssen. Deshalb sollte auf voll behangene Mistelzweige geachtet und diese so aufgehängt werden, dass keine Vögel sich bedienen können. Damit möglichst lange geküsst werden kann. Vielleicht nicht grad im Lift im Bundeshaus. Aber das ist eine andere, nicht sehr weihnächtliche Geschichte.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

spot_img

Beliebte Artikel