FrontKolumnenDie Jungen wie die Alten

Die Jungen wie die Alten

War zu erwarten, dass die Arena mit den Präsidentinnen und Präsidenten der Jungparteien anders verlaufen würde, als die ewigen Runden mit den Parteipräsidenten? An sich schon. Die jungen Präsidentinnen und Präsidenten sind doch noch nicht so routiniert, nicht so stark in den Parteipositionen verhaftet, nicht schon während Jahrzehnten mit den Polit-Dossiers vertraut und vor allem nicht so sehr aneinander gewöhnt, so dass jede oder jeder genau weiss, was die andere oder der andere zu dem oder jenem Thema jeweils zu sagen hat, sei es in der Klimapolitik, sei es bei der AHV, bei der Altersvorsorge.

Weit gefehlt. Ja, sie sahen jünger aus, waren jugendlicher gekleidet. Nur der EVP-Vertreter hatte sich eine Fliege umgeschnallt. Sie ähnelten nicht nur bei den Parteipositionen den Alten. Nein, sie wirkten auch so, wie ihre Vorbilder. Benjamin Fischer, der SVP-Jungpräsident, fuchtelte genauso wie Altpräsident Christoph Blocher mit den Händen, gar mit den Armen, wenn auch nicht so vorgebeugt wie sein Vorbild. Er riss immer wieder eloquent das Wort an sich, er war, wenn schon in Fahrt, kaum zu bremsen. Und Sando Brotz, der Moderator, liess ihn oft erstaunlicherweise gewähren, wie das schon seine Vorgänger bei Christoph Blocher immer wieder getan hatten. Andri Silberschmidt, der FDP-Jungpräsident, erinnerte, wenn auch ein Mann, mit seiner Beflissenheit an die jeweils sehr beflissene Petra Gössi, an seine Parteipräsidentin. Er argumentierte sehr routiniert, gab zu erkennen, dass er als Gemeinderat in der Stadt Zürich bereits über Parlamentserfahrung verfügt und nun bereits auf dem Sprung nach Bern ist. Ein politisches Talent, das sich sehr schnell in die Reihe der „Alten“ in Bundesbern einreihen wird. Nicht verwunderlich, dass er bereits das Präsidium bei den Jungfreisinnigen abgeben will.

Erfrischend war Sarah Bünter, bis jetzt noch kaum erschienen in der Öffentlichkeit. Sie wirkte als einzige so richtig jugendlich und argumentierte genauso erfrischend. Da wächst bei der CVP ein Talent heran; auf sie darf man gespannt sein.

Etwas hart, manchmal gar schnippisch, wirkte Ronja Jansen, die neue Juso-Chefin. Sie machte aus ihrem Herzen keine Mördergrube. Sie „verabscheut“ die „lauwarme Politik der Alten“. Sie will einen Systemwechsel, mehr Menschlichkeit in der Politik. Sie setzte als einzige einen Kontrapunkt zu den andern in der Vorsorgepolitik. Sie will, wie ihre „Alten in der SP“, eine starke AHV, sie will gar die 2. Säule zugunsten der AHV abschaffen. In dieser Frage weicht sie bewusst ab von ihrem Vorbild Christian Levrat, dem SP-Präsidenten, der aber ähnlich wie sie in der Sozialpolitik immer wieder Akzente zu setzen vermag.

Die Jung-Präsidenten der kleinen Parteien mussten sich im Hintergrund, brav nebeneinander sitzend, mit der Rolle der Zweitrangigen begnügen. Sie vermochten aus diesem Hintergrund aber auch keine Glanzpunkte zu setzen.

Also nichts Neues bei den Jungen. Wahrlich eine ernüchternde Erkenntnis. Es braucht aber neue Ansätze gerade in der Klima- und vor allem in der Altersvorsorge. Während beim bedrohlichen Klimawandel nur weltweit Einhalt geboten werden kann, ist die Altersvorsorge ein rein eidgenössisches Problem. Die Finanzierungsprobleme um die AHV, um die zweite, auch um die dritte Säule können wir in der Schweiz ganz alleine lösen. Auch die Kostenentwicklung in der Gesundheitspolitik können wir selbst in den Griff bekommen, ohne Ausland.

Immer wieder tauchen neue Vorschläge auf. Für Michael Hermann gibt es beispielsweise, wie er in seiner Kolumne im Tagesanzeiger schrieb, „einen Ausweg aus dem Dilemma zwischen Klimasorge und der Prämienlast: die vollständige Rückvergütung aller CO2-Abgaben via vergünstigter Krankenkassenprämien an die Bevölkerung“. Und weil Bessergestellte im Durchschnitt weiter pendeln, grössere Autos fahren und öfters fliegen, hätte dies nach Hermann sogar einen sozial ausgleichenden Effekt.

Solche und ähnliche Vorschläge bleiben aber meistens auf der Strecke. Die Politik greift sie, wenn schon, nur zaghaft auf. Und auch die Jungen liessen in der Arena nicht mit innovativen Vorschlägen aufhorchen. Im Gegenteil. Sie blieben ihren Parteien und Vorbildern treu.

Es braucht neue Ansätze, neue Impulse aus der Zivilgesellschaft, vorgetragen durch die Organisation „Operation Libero“, durch neue politische Bewegungen, wie das sozialliberale Forum SLF beispielsweise, die mehr wollen als Stillstand.

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