FrontKolumnenDer Corona Virus und die Selbstdiskriminierung der Alten

Der Corona Virus und die Selbstdiskriminierung der Alten

«Eigenverantwortlich», das Lieblingswort der Bürgerlichen schwebt im Moment wie ein Damoklesschwert über unseren Köpfen, den Köpfen der über 65-Jährigen. Mit schlechtem Gewissen gehen wir mittags einkaufen oder abends um sechs, mit schlechtem Gewissen fahren wir mit dem Zug nach Zürich, der immer voll ist, nicht nur in den Stosszeiten, die wir meiden sollen. Uns zuliebe hüten wir unsere Enkel nicht mehr, das wird uns dringend geraten. Und uns zuliebe gehen wir nicht mehr in Konzerte und in Theater oder singen uns zuliebe nicht mehr in einem Chor. Sitzungen meiden wir oder gehen mit schlechtem Gewissen hin und warten, dass man dort verlegen wegschaut, wenn wir Alten kommen. Den vielleicht überfüllten Spitälern, den überarbeiteten Ärzten und Ärztinnen zuliebe tun wir das auch. Damit sie nicht uns auch noch haben. Aber wir tun es natürlich vor allem uns zuliebe.

Wer von uns allein ist, vereinsamt vielleicht, wer zu zweit ist, ist immerhin nicht allein, aber vereinsamt vielleicht zu zweit. Ausgeschlossen sind wir. Nein, ausschliessen tun wir uns selbst aus dem kulturellen, dem politischen und gesellschaftlichen Leben. Alles was uns lebendig sein liess, lassen wir weg, uns zuliebe, eigenverantwortlich.

Der Staat schützt uns mit seinen Empfehlungen, die auf uns wie Vorschriften wirken, gleichzeitig schützt er sich auch vor uns, denn er will möglichst wenige Kranke, das kostet, und wir sind die Risikogruppe, die quantitativ einschenkt. Wir sind in einer Zwickmühle, was wir tun, wollen wir gar nicht, aber wir tun es, weil wir es wollen müssen, uns zuliebe, weil wir die Risikogruppe sind. Der Staat hilft uns. Seine Vorschriften, Empfehlungen leuchten uns auf dem schwierigen Weg. Wir leiden psychisch, aber wir leiden uns zuliebe. Wir diskriminieren uns selbst.


Liselotte Lüscher ist Vorstandsmitglied der Vereinigung aktiver Senioren- und Selbsthilfeorganisationen der Schweiz VASOS

36 Kommentare

  1. Sie schreiben mir aus dem Herzen! Trotzdem weiss ich nun nicht, ob ich mein kleines Enkelkind noch weiter hüten kann soll darf……

    • Denken Sie positiv, Angst frisst die Seele auf. Sie ganze Situation ist unschön, aber es wird vorbeigehen. Essen sie gesund, trinken Sie genügend Wasser, Tee ( mit Ingwer und Zitrone) unterstützen Sie ihr Immunsystem. Mit Vitamin C und D, Zink etc. Plus guter Hygiene. Es kommt wieder gut!!!

  2. Ihr Argument, dass die Gesellschaft uns zusogenannter Selbstdiskriminierung zwingt, um Kosten zu vermeiden, ist meines Erachtens eine sehr einseitige Betrachtungsweise. Ich gehöre zu dieser Altersgruppe und ich wünsche mir nichts mehr, als noch etwas älter zu werden und nicht an diesem Virus zu sterben. Insofern empfinde ich Ihre Worte mehr als Selbstmitleid und die Massnahmen sind für mich mehr Selbstschutz für mich und meine Angehörigen.

    • Genau das finde ich auch. Es nützt nichts, zu jammern und zu schimpfen. Das Virus ist nun mal da und wenn wir uns nicht an die Vorschriften halten, dann wird es bald noch viel schlimmer. Jetzt müssen wir halt mal einige Zeit auf gewisse Dinge verzichten. Irgendwann geht auch das vorbei. Unsere Generation sollte doch das eigentlich besser können. Als wir jung waren gab es vieles nicht, was heute selbstverständlich ist! Ich bin 77, kerngesund und will noch einige Jahre leben!

    • Es geht sicher nicht um Sebstdiskriminierung. Überhaupt – warum soll ich mich diskriminiert fühlen, weil ich zur Risikogruppe gehöre? Für mich ist es ein Akt der Solidarität der Gesellschaft gegenüber, mich optimal zu schützen, damit ich nicht unnötig ein Spitalbett besetze. Das hat mit sparen gar nichts zu tun. Ein bisschen aufmerksam Artikel und Sendungen verfolgen, dann weiss man, warum ALLE sich und die anderen schützen sollen. Und dankbar sein, dass so viele Menschen sich einsetzen, um die Krise abzuschwächen – was bis jetzt noch nicht der Fall ist – wegen so vieler so uneinsichtigen Menschen!

      • Was Sie schreiben Frau Lubicz empfinde ich genau so. Die Massnahmen empfinde ich als Schutz für uns und für das Pflegepersonal. Der Kostenfaktor finde ich ehrlich gesagt deplatziert!

      • Auch ich stimme Frau Lubicz voll zu!
        Mich ärgern vor allem die Beiträge im TV in denen Senioren sich auch noch damit wichtig machen, wie sie keine Angst vor Ansteckung hätten und sich deshalb nicht einsperren liessen.
        Wer so sorg – und Gedankenlos daher redet, der müsste auch (schriftlich!) auf eine Spitaleinweisung verzichten. Denn jeder Senior/in, der/die sich jetzt immer noch stur und egoistisch dieser dringenden Vorschrift entzieht, raubt anderen (kranken, verunfallten Kindern, Mütter und Vätern ) das Leben indem er, das für diese Notfälle dringend notwendige Bett auf der intensiv Station belegt.
        Wir Senioren müssen nicht vorwiegend zu unserem Schutz zu hause bleiben, wir tun es um die Weiterverbreitung de Virus zu verlangsamen! damit die Bettenkapazität und VOR ALLEM die Kräfte der Pflegenden und Ärzte nicht kollabieren!

        Ich habe übrigens ganz freiwillig und ohne Anweisung von oben, schon seit anfang Febr. das Haus nicht mehr verlassen. Einkaufen kann man heute online und ich bin in der glücklichen Lage, dass mir meine Kinder das kurzfristig Notwendige vor die Türe bringen.
        Und: nein, nicht mir zu liebe halte ich mich von meinen Enkelkinder fern, sondern IHNEN ZULIEBE, denn ich möchte ihnen noch möglichst lange das geben was mit nichts zu ersetzen ist. Grosseltern sind nicht nur für das Hüten wichtig.
        Langweilig wurde es mir in diesen isolations Wochen nie, obwohl ich abgelegen wohne. Ich bin kreativ genug um mich selber zu beschäftigen, dazu brauchte ich auch vorher weder das caffeehaus, Kino, konzerte usw. Nicht nur weil all dies finanziel sowieso nicht drin liegen würde. Das Werken im Garten bringt mir viel mehr Freude als das «Vergnügen» in Menschen Ansammlungen 🙂

        • Ich bin 81 ,gesund und fit. Das Einkaufen lasse ich mir nicht nehmen. Habe mehr Bedenken für die Zukunft der Jungen. Mit 20 haben sie die ganze Welt gesehn und ihr Flug nach Barcelona war billiger als das Parking in Kloten.
          Und als Antwort des Baching der Jungen gegen die Alten gilt folgendes:
          Merke dir ergrauter Vater, sag es auch dem Mütterlein, soll der späte Lebensabend ohne Nahrungssorgen sein, gib die erworbenen Güter nie zu früh den Kindern ab, sonst wirst du zu ihren Sklaven und sie wünschen dich ins Grab. Wer besitzt den wird man achten, Kinderdank ist Seltenheit, Brot zu betteln heisst verschmachten, Brot zu geben Seligkeit.

  3. Danke, Liselotte Lüscher, für deine Kolumne, die das Verständnis in Bezug auf die getroffenen Massnahmen etwas fördern und uns Ältere gleichzeitig sicher auch eine notwendige Portion Gelassenheit abverlangen, die Welt geht ja (noch) nicht unter!

  4. Sorry, diese Klage finde ich voll daneben! Es geht nicht um Kosten, sondern um Betten und Beatmungsgeräte, respektive, dass die Ärzte nicht entscheiden müssen, wen sie zu retten versuchen! Es geht um das Pflegepersonal, Junge und Ältere, Mütter und Väter, die sich der Gefahr aussetzen, und jetzt schon zuviel arbeiten müssen. Und wie ist es für die Jungen, die sich sowas noch weniger als wir vorstellen können, deren Ausbildung, Arbeitsplatz auf der Kippe ist, und dies nicht mal mehr zusammen aufarbeiten können, da sie sich nicht treffen dürfen? Wie ist es für all die Unternehmer, deren Lebenswerk wohl untergeht, und die ihre Leute entlassen müssen?
    Wie geht es all denen, die um ihre Gesundheit, derjenigen ihrer Lieben, und um ihr Einkommen bangen?

  5. Lieber Frau Lüscher,
    Herzlichen Dank für Ihre Kolumne. Das sind sehr schwere Zeiten and wir müssen stark bleiben.
    Wir sind alle zusammen allein in dieser unglücklichen Situation.
    Ich sende Ihnen die ganze Liebe und Unterstützung 🙂

  6. Liebe Frau Lüscher wir älteren Menschen über 65 sitzen alle im gleichen Boot ich kann meine 3 Grosskinder auch nicht sehen darum ist es wichtig dass wir über Internet mit einander kommunizieren auch mit den Freunden lieber Gruss Doris Jacober

    • Das hat was wahres U.M. Ich finde die Wortwahl von Frau L.L: ganz unglücklich.
      Eine zeitlich (wahrscheinlich) absehbare Einschränkung hat nichts mit Diskriminierung zu tun.
      Schade, ich möchte nicht in dieser Schublade landen! Im Moment habe ich/ wir noch (na ja die halbe) die Wahl: Ins Auto zu sitzen und ab in die Höhe, aber wenn die Restriktionen andauern, warten wir’s ab, zu Gunsten von Allen, etwas Disziplin zeigen, das schaffen WIR. Elishewa

  7. Wir tun es auch für uns. Wenn wir die Seuche kriegen, sterben wir vermutlich. Ich habe keine Angst, aber meine Enkel sollen doch noch einen Opa haben. Wer soll Ihnen denn beibringen, wie all die Pflanzen heissen und die Vögel?

    • Lieber Hans Ramseier, Ihre wunderbaren weisen Worte haben mich zu Tränen berührt.
      Ja, das ist es was auch mich voll überzeugt zu hause zu bleiben, nicht weil ich angst vor dem Tode habe, sondern weil ich wie Sie, meinen Enkeln noch lange das geben möchte, was niemand ersetzen kann.

  8. Natürlich kann man sich selbst isolieren und ausgeschlossen fühlen. Man könnte es auch aus einer anderen Sichtweise sehen: Als ein riesiges Zeichen für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Solidarität zum Beispiel und ein Beweis für die These, dass die Menschen im Kern gut sind und einander Gutes wollen.
    Zigtausende bleiben zu Hause, versuchen ihre Arbeit vom homeoffice aus zu erledigen, meiden die Öffentlichkeit, auch wenn sie selbst nicht zu den Risikogruppen gehören – aus Wunsch, anderen damit zu helfen. Die Gesellschaft nimmt lieber in Kauf, dass Firmen eingehen und zig arbeitslos werden um Spitäler zu entlasten und verletzlichere zu schützen.
    Tausende Kinder werden von engagierten Lehrkräften via Fernunterricht unterrichtet und ihre Eltern planen ihre Tage zwischen homeoffice und homeschooling neu. Auf dem ganzen Kontinent entstehen Selbsthilfegruppen und Nachbarschaftsinitiativen, welche teils mit grossem Aufwand Hilfe und Untersützung anbieten.
    Man kann das Ganze aber auch wertschätzen und als riesige Chance sehen, die Welt und die Gesellschaft neu zu sehen und zu denken. Wer weiss, was dann auf einmal möglich ist?

    Freundliche Grüsse aus dem Home Office.

  9. Aus der Kolumne spricht vor allem Individualismus und weinerliches Selbstmitleid. Ich vermisse den Gemeinsinn und den Weitblick. Wenn die Älteren zur Risikogruppe gehören, ist es nun mal logisch, dass sie sich einige Zeit einschränken sollten. Das sollte man nicht nur tun, weil es der Staat vorschreibt oder empfiehlt, man sollte so vernünftig sein, einzusehen, dass solche Massnahmen auch freiwillig Sinn machen. Oder wollen Sie lieber ohne Einschränkungen weitermachen und dafür in Kauf nehmen, dass viele an diesem Virus sterben? Und dass es vielleicht noch Monate so weitergeht? Zudem will man die Alten nicht aus Kostengründen nicht in den Spitälern haben, sondern weil die Spitäler sonst schlicht überfüllt wären. Denn dann könnte plötzlich der Oberschenkelhalsbruch nicht mehr so rasch operiert werden usw. Das Gesundheitspersonal ist schon jetzt überlastet. Zudem geht es schlicht darum, das Virus nicht zu verbreiten. Denn auch Junge sind gefährdet, z.B. solche mit Vorerkrankungen wie Lungenleiden usw. Es geht auch um die Jungen, die deshalb ihre Arbeit verlieren können oder gar ihren Betrieb aufgeben müssen und die keine Rente beziehen. Also, bitte etwas mehr Solidarität und an die ganze Gemeinschaft denken. Wenn sich alle etwas zurücknehmen, dann ist es auch mal wieder vorbei mit dem Virus.

  10. Ihrer Sichtweise kann ich mich nicht anschliessen. Nicht nur die «armen Alten» sind eingeschränkt, werden einsam, alle Menschen in allen Altersklassen sind betroffen.
    Trotz räumlicher Distanz kann man Kontakte pflegen, Unterhaltung und Austausch sind heute dank dem grossen Medienangebot auch aus der Distanz möglich. Was nicht passieren darf und schrecklich wäre, ist, dass das Gesundheitswesen zusammenbricht. Dazu können wir Alten einen wichtigen Beitrag leisten, in dem wir unseren Radius einschränken und körperlichen Abstand zu unseren Mitmenschen halten.

  11. «Wir seien eine Risikogruppe, die kostet» – so eine der Schlussfolgerungen in diesem sehr gut verfassten Artikel, dem ich mich anschliessen kann. Nur fehlt hier eine entscheidende Ergänzung, die ich hier gerne einfüge: Wir sind eine Risikogruppe, die kostet und überleben will…

  12. Hmm was soll man dazu sagen also ich gehe nicht raus weil ich mich vor all den vielen junge Menschen die immer noch nicht begriffen haben das Sie die risiko Gruppe sind weil sie sich verantwortungslos trotz Warnung dass man Abstand halten oder noch besser zu Hause bleiben soll nicht an die Regeln halten Sie merken ja nicht mal das Sie infiziert sind und geben es so weiter weil Partys Feeten Ausgang immer noch wichtiger sind wie eben Eigenverantwortung also sorgetragen für alle Menschen ob jung oder alt und somit ihren beitrag dass sich das Virus langsamer verbreitet beinflussen können wir alten müssen wieder mal die Konsequenzen tragen und uns vom Leben vernhalten weil dieJugend auf nichts verzichten will besser man führt totale Ausgangssperren von17 Uhr Abends bis 8Uhr morgens für alle die nicht arbeiten ein so ist es wenigstens gerecht verteilt und lieb eältere Mitmenschen schiebt Euch nicht selber aufs Abschtellgleis denn Ihr seid wichtig Ihr haltet das Leben und die Werte zusammen wenn Ihr nicht mehr wärt würde wirklich Chaos entstehen also Kopf hoch und macht Euch nicht selber runter Ihr werdet gebraucht

  13. Oh nein ich bin nicht gewillt im Selbstmitleid zu versinken. Es ist wie es ist und ich bin bereit, die Anweisungen zu respektieren und singe halt alleine zuhause, geniesse die Sonne auf dem Balkon oder fange mal endlich an zu schreiben (Buch «Oma erzähl mal») oder hole die Staffelei mit Farben hervor. Ungelesene
    Bücher im Regal.
    Tausend Dinge, die auf uns w
    arten, aber zugegeben es ist nicht immer ganz einfach, sich dafür zu motivieren.
    Hebeds guet und bliebed gsu d????????‍♀️

  14. Als Risikomensch sitz ich nun zu Hause und lese und lese …. Irgendwann ist es Zeit zu kochen, nachher aufräumen und abwaschen. Das ist ein Höhepunkt in meinem Alltag. Mein Schrittzähler kommt nur auf 1500 Schritte mit 2 Etagen. Das strampeln auf dem ortsfestem Velo zählt nicht und so bin ich bei «Fit-Bit» ein fauler Hund, eine Couch-Potatto.
    Will ich mich erfrechen zu einem Spaziergang, allein und stumm, trotzdem werde ich schief angesehen von den wenigen Mitmenschen die unterwegs sind. Mit meinem weissem Haar habe ich das Kainszeichen ¨RISIKOMENSCH¨!!
    Wie schlimm ist es wohl für einen Rollatorgeher?
    Zug fahren darf ich auch nicht mehr, Bus schon gar nicht, da sitzt man ja zwangsläufig zu eng.
    GA hin oder her.
    Ach wäre ich doch noch jung, 64 und dreiviertel Jahre alt würden ja schon genügen

  15. Freiheit bedeutet für jeden von uns etwas komplett anderes. Während 2 Monaten wurde meine persönliche Freiheit durch die schwere Erkrankung meines Partners total eingeschränkt. Mein Leben bestand aus «in die Garage, ins Auto steigen um ins Spital zu kommen, wo ich sehnlichst erwartet wurde. Dasselbe wiederholte sich am Nachmittag ohne irgendeine Abwechslung., Trotz totaler Empathie für den leidenden Mann, sehnte ich mich unglaublich nach Freiheit und nach normalem Leben. Ich schämte mich für diesen vermeintlichen Egoismus, fühlte mich jedoch beinahe «atemlos». Vor zwei Wochen verstarb mein geliebter Partner und mein tägliches Eingesperrtsein in Spitälern ist der notwendigen, aber schlimmen QUARANTÄNE gewichen.. Die ersehnte Wiedererlangung der Freiheit schmerzt unendlich auch wenn sie offensichtlich sinnvoll ist. Freiheit empfindet man auf verschiedenen Ebenen!!! Oh, wie freue ich mich auf ein Atmen in totaler Freiheit inkl. Kaffeebesuche, Ausflüge, Stadt-und Landbesuche,, Shoppen, Freundinnen treffen usw. einfach nur das volle ganz normale Leben!!!

  16. Ehrlich gesagt, ich staune, wie wenig Leute staunen, wie diskriminierend und anmaßend die Zuordnung in die Risikogruppen während der ganzen Corona-Krise definiert wird.
    Als ob das Alter eine Krankheit wäre!
    Ist z.B. ein 55-jähriger übergewichtiger starker Raucher weniger gefährdet als ein kerngesunder 80-jähriger, der regelmäßig Sport macht, keine Medikamente nimmt, sich gesund ernährt und auch mental fit ist?
    Fakt ist, dass fast alle Menschen, die an oder mit Cobit-19 starben an schwerwiegenden Vorerkrankung litten und nahmen Medikamente.
    Demnach muss doch das wichtigste Kriterium bei der Abwehr gegen jede Viruskrankheit ein gesundes Immunsystem und eine gesunde Lunge sein. Und das ist kein Privileg der jungen Menschen.
    Das hat mit dem Alter nichts zu tun!
    Im Klartext heißt es, dass die Risikogruppe Menschen mit schweren Vorerkrankungen sind. Im Kontext von Alter muss es dann heißen „Alte Menschen mit Vorerkrankungen“. Nicht aber pauschal „Alte Menschen“.
    Mein Mann und ich wollen nicht „geschützt“ werden durch Maßnahmen, die kontraproduktiv sind, weil sie zu mehr psychosomatischen Krankheiten und zur Schwächung des Immunsystems führen. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass Mangel am Körperkontakt krank macht! Kein schönes Wort bei einem Skype-Telefonat kann eine eine reale Streicheleinheit ersetzen.
    Wir beide sind absolut gesund, brauchen keine Medikamente und auf der Skipiste lassen wir die Dreißigjährigen hinter uns herhecheln.;-) Wir lehnen daher die „Risikogruppen-Qualifizierung“ nach Geburtsdatum vehement ab!
    Auch in unserem Bekanntenkreis wimmelt nur so von gesunden Übersiebzigjährigen, die rasant skifahren, abenteuerliche Individualreisen unternehmen, Häuser bauen, Vorträge halten, sich sozial engagieren und keine Angst vor Corona haben. Sie haben nämlich gelernt, sich eher auf die eigene gesunde Lebensweise zu verlassen als auf „Herr Doktor, helfen Sie mir“! Die schöne bayerische Natur und die gelassene bayerische Lebensart sind dabei die besten Supporter!
    Wir alle haben eher Angst vor Freiheitseinschränkungen, vor Zwangsimpfungen und vor diskriminierenden Vorschlägen wie der von Herrn Boris Palmer, der die älteren Leute nach dem „Corona-Exit“ weiterhin isolieren will.
    Der richtige Killer eines gesunden Immunsystems ist nicht ein Virus, sondern Angst gepaart mit Isolation, Einsamkeit und Freiheitsberaubung. Es ist das fehlende Recht auf das selbstbestimmtes Leben. Auch der zunehmend schwindende öffentliche Diskurs zu den wichtigsten gesellschaftlichen Themen macht viele nachdenkliche Leute zunehmend krank! Nur wenn wir zusammen und auch kontrovers reden, sind wir als Gesellschaft stark…
    Die meisten Menschen sterben – einsam und oft vernachlässigt – in den Alters- und Pflegeheimen, bzw. auf den Intensivstationen der Kliniken, wo multiresistente Keime und mangelhafte Hygiene die größten Gesundheitsgefahren sind.
    GERADE DORT MUSS DER SCHUTZ DER RISIKOGRUPPEN ANFANGEN!
    Und…wir dürfen schwerkranke Menschen nicht einsam sterben lassen.
    Ich bin fest davon überzeugt, dass eine lange dauernde Kontaktsperre und Einschränkung im öffentlichen Leben viel mehr gesundheitliche Schäden verursachen würden als das Virus selbst. Besonders bei älteren Alleinlebenden!
    Denn Menschen können nur dann körperlich und psychisch gesund werden, wenn sie selbstbestimmt und frei leben dürfen….und im Kontakt mit anderen!
    Das gilt für Junge und Alte gleichermaßen!

  17. Ich teile die Meinung von Frau Krieger.
    Gestern Mittag sendete Radio Stdtfilter von Winterthur meinen Beitrag zum Thema «Risikogruppe»:
    Seit drei Jahren bemühe ich mich mit Vorträgen das Image des Alters zu verändern.
    «Alt» heisst nämlich noch lange nicht dement, krank, hinfällig, zerbrechlich, schlechtes Immunsystem etc. Die sogenannte 3. Lebensphase (also ab 65) ist gefüllt mit der heterogensten Menschengruppe, viel heterogener als alle vorangegangenen Lebensphasen.
    Es ist eine wunderbare Geste der Solidarität, eine Geste der Empathie, wenn auf kranke Menschen Rücksicht genommen wird. ABER es ist nicht in Ordnung, dass alle Senioren ohne Differenzierung – in den gleichen Topf geworfen werden.
    Diese Verallgemeinerung
    1. schadet dem Bild des Alters enorm.
    2. Fehlen dadurch die wertvollen Ressourcen der Senioren: Senioren, die Enkel hüten, im Rot-Kreuz-Fahrdienst tätig sind, beim Mahlzeitendienst, Senioren, die ihre wertvollen Lebens- und Berufserfahrungen in verschiedensten Betrieben einbringen können.
    Ich vermisse eine Statistik, die darstellt, wie viele Senioren nicht getestet wurden, welche allenfalls eine leichte, nicht ärztlich behandelte Grippe (ob Covid 19 oder nicht) durchgemacht haben.
    Eine grossangelegte Studie (während 23 Jahren mit über 1000 Personen) der Gerontologin Becca Levy an der Yale Universität hat schon vor über 20 Jahren gezeigt, dass Menschen mit positiver Einstellung zum/im Alter 7,5 Jahre länger leben!
    Wie kann ich nun die positive Einstellung behalten, wenn ich – als top fitte Seniorin nur wegen des Alters – ich bin 72 – zur «Risikogruppe» zähle?

  18. Wir müssen endlich von physical distancing anstatt social distancing reden! Social distancing macht uns krank. Wir sind soziale Wesen, wir brauchen einander. Eine gesundes Inneres lebt von Beziehungen. Gerade mit dem Älterwerden brauchen wir einander. Und die die sowieso schon verängstigt sind brauchen ein unterstützendes Gegenüber. Es kann doch nicht sein, dass wir alle einer Massenparanoia verfallen und unnötig vereinsamen. So erkrankt unser Immunsystem erst recht. Massnahmen ja aber mit gesundem Menschenverstand und respektvollem Umgang statt gegenseitiges Denunzieren und Polizei spielen. Danke Frau Krieger für ihren Kommentar!

  19. EIGENVERANTWORTUNG!
    Dies hat schon seinerzeit beim Gurten tragen und dem Rauchen in Restaurants in der Mittagszeit nicht geklappt. Positionieren Sie sich einmal bei den Grossverteilern in Nähe der Desinfektions-Säulen. Mit Erstaunen werden Sie feststellen, dass teilweise 7 von 10 eintretenden Kunden an diesen vorbeilaufen (und dies schon seit Beginn der Massnahmen 2020).
    Ein Sicherheitskonzept kann nur funktionieren, wenn es auch vollumfänglich umgesetzt (kontrolliert) wird!

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