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Eigentumswohnung mit Loggia

Wohngeschichten haben mich schon immer fasziniert. Welche Bedeutung hat die Wohnung für eine Person? Ich welcher Lebensphase sucht man sich eine neue Wohnung? Was ist den Leuten wichtig? In meiner Kolumne rede ich mit Menschen im letzten Lebensdrittel über das Thema Wohnen. Ich finde es wichtig, dass man sieht, dass die dritte Lebensphase gestaltbar ist und dass das Thema Wohnen dabei eine zentrale Rolle spielt.

Den Anfang macht meine eigene Wohngeschichte. Mein Mann und ich lebten nach der Geburt des ersten Kindes in einer sehr kleinen Dreizimmerwohnung. Vor dem Umzug in eine grössere Familienwohnung hatten wir uns überlegt, wie wir am liebsten wohnen würden. Der Wunsch war klar: Für die Familienphase möchten wir zusammen mit anderen Familien in einem Haus mit Garten leben. Wir hatten Glück und konnten unseren Wohntraum realisieren. Während über 20 Jahren bewohnten wir mit vier anderen Familien ein Mehrfamilienhaus in Zürich. Wir teilten den Garten und das Kellergeschoss und unsere Kinder wuchsen gemeinsam auf. Meinem Mann und mir war immer klar, dass wir nach dem Auszug unserer Töchter nochmals die Wohnung wechseln würden.

Einblicke in die eigene Wohnung.

Unsere jüngere Tochter war 17, als wir uns fragten, wann so ein Wechsel angezeigt wäre. Keine einfache Frage: Das jüngere Kind lebte noch zu Hause, unsere Wohnung gefiel uns und es gab keinen Anlass, die Situation zu verändern. Trotzdem fragten wir uns, wie wir von der «Umzugsidee» zum konkreten Handeln kommen. Wir griffen zu einem Trick, den wir auch sonst anwenden: Wir gaben uns ein Zeitfenster von 5 Jahren. In dieser Zeit sollten wir eine Idee haben, wie wir uns verändern wollen.

Sobald klar war, dass das Zeitfenster angefangen hatte, begannen wir, uns auf dem Wohnungsmarkt umzuschauen. Es war ein Glücksfall, dass wir schon bald im gleichen Stadtteil ein Neubauprojekt fanden. Weil das Bauprojekt noch ganz am Anfang der Planung war, standen noch viele Wohnungen zum Verkauf. Wir schlossen eine Reservation ab und fragten unsere Freunde, ob sie vielleicht ebenfalls Lust hätten sich zu verändern. Wir hatten mit vielen Leuten über das spätere Wohnen und eine mögliche «Altershausgemeinschaft» gesprochen. Von den Angeschriebenen hat sich ein Paar aus dem Freundeskreis entschieden, ebenfalls einen Umzug in das neue Bauprojekt zu machen.

Ein Alterssitz mit grossartigem Ausblick. Fotos: Antonia Jann

Zum Glück dauerte die Bauzeit des Projektes mehr als drei Jahre. In dieser Zeit hatte sich unsere jüngste Tochter entschieden, auszuziehen. Wir hatten sie zu diesem Schritt ermuntert und konnten sie auch in ihrer neuen Selbstständigkeit unterstützen.

Nun leben wir seit fünf Jahren in unserer neuen Wohnung. Die Aussicht ist grossartig, das Haus liegt in der Nähe von Läden und Apotheken und wir haben einen Lift. Da wir auch freundliche Nachbarn haben, mit denen wir uns im Treppenhaus oder beim sommerlichen Grillfest hinter dem Haus austauschen, sind wir für die bevorstehende Phase des Älterwerdens gut gerüstet. Und unsere alte Wohnung hat glückliche neue Besitzer gefunden, deren Kinder den Garten wieder neu beleben.


Wir heissen Dr. Antonia Jann als neue regelmässige Kolumnistin von Seniorweb herzlich willkommen. Antonia Jann ist promovierte Gerontologin. Bis Ende Februar dieses Jahres leitete sie die Age-Stiftung, die sich mit dem Thema Wohnen und Älterwerden beschäftigt. Ursprünglich studierte sie Pädagogik, Psychologie und Publizistikwissenschaft an der Universität Zürich. Sie lebt in Zürich und hat zwei Töchter sowie zwei Enkelkinder. Seit Anfang April hat sie sich mit einer Einzelfirma jannmoeschlin.ch selbständig gemacht.

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4 Kommentare

  1. Gut für Sie. Kommt so rüber, wie das in der Stadt Zürich oder anderen Städten der Schweiz das Einfachste der Welt wäre über die Lebensphasen immer die passende Wohnform zu finden. Sie sind privilegiert und die ganz grosse Mehrheit macht andere Erfahrungen. Wer nicht die Mittel oder das Glück privilegierter Herkunft hatte und früh auf die Eigentumsleiter aufsteigen konnte und heute oft im Pensionsalter ist, bis er erben kann, ist da sowieso draussen. Eigentum in der Stadt Zürich können sich heute die allermeisten nicht mehr leisten. Die Bodenpreise sind in allen Städten und Agglomerationen ins Unermessliche gestiegen und insbesondere in der Stadt Zürich gibt es schon lange keinen funktionierenden Immobilienmarkt mehr. Der Leerwohnungsbestand bei Mietobjekten in der Stadt Zürich ist auch schon seit Jahren gleich null und die Wohnungssuche eine Lotterie. Die Linksgrüne Stadtregierung baut vorallem Sozial- und Genossenschaftswohnungen für die eigene Klientel, von denen Normal- und Gutverdienende (gute Steuerzahler…) ausgeschlossen sind. Das gleiche Spiel bei Alterswohnungen in der Stadt Zürich, bei denen Minderbemittelte und Schlechtverdiener immer privilegierten Zugang haben. Obschon viele im Alter lieber in der Stadt wohnen möchten, bleibt dann oft nur noch der Wegzug in die erweiterte Agglomeration. Wobei da die linke und rechte Seeseite, Bezirk Uster usw. auch schon länger eine akute Wohnungsknappheit aufweisen. So sieht doch die Realität aus!

  2. Es freut mich, dass das Thema Wohnen im Alter durch Sie mehr Aufmerksamkeit bekommt.
    Als berufstätige Gerontologin erleben Sie sowohl Menschen der Generation 80+ als auch der neueren Generation ü65, zu denen ich mich auch zähle. Der Punkt ist, die Vorstellungen, Erwartungen und die finanziellen Möglichkeiten für einen angenehmen Ruhestand, sind sehr unterschiedlich.

    Mit 70 fühlen sich die meisten heute noch nicht alt. Viele wollen noch etwas erleben, neue Erfahrungen machen, das Leben endlich geniessen und nicht in Altersheimen ihren letzten Lebensabschnitt verbringen. Das amerikanische Beispiel für älter werden und Wohnen sehen wir im weltweit grössten Altersresort im kalifornischen Florida «The Villages», mit 150 Tausend Rentner*innen, die ihren Ruhestand, fernab vom ehemaligen Alltag und ohne Rücksicht auf Verluste, z.B. der Umwelt oder Abschottung, einfach nur geniessen wollen und überzeugt sind, nach einem harten Berufsleben darauf auch ein Recht zu haben.
    SRF1 hat am 23.6.2022 einen Dokfilm «The Bubble» gezeigt. Wers interessiert, hier der Link
    https://www.srf.ch/play/tv/dok/video/the-bubble—das-weltgroesste-alters-resort?urn=urn:srf:video:2b11a8d4-0a4e-438b-9cdc-f787b45727f4

    Sie denken vielleicht, Amerika ist nicht die Schweiz und wir Schweizer sind doch ganz anders gestrickt und die Verhältnisse sind andere. Aber auch bei uns spielt Geld haben eine sehr grosse Rolle, wie und wo wir unseren Lebensabend verbringen. Deshalb bildet meiner Meinung nach Ihre persönliche Wohngeschichte, so schön und harmonisch sie daherkommt, die Wirklichkeit der meisten Rentner*innen nicht ab. Insbesondere die vielen alleinstehenden Frauen mit meist kleinen Budgets können von einer günstigen Wohnung in der Stadt oder von einer bezahlbaren und modernen Alterseinrichtung nur träumen.
    Auf Ihre nächste Kolumne zum Thema Wohnen und Älterwerden bin ich deshalb sehr gespannt.

  3. Sehr geehrte Frau Mosimann geehrte Frau Jann geehrte Leser/innen danke für die Kolumne und Anregungen betreffend Wohnen im Alter. Schön wenn man noch jemand an seiner Seite hat, schön wenn man gut situiert ist, schön wenn man sich mit 70 topfitt fühlt; aber ja man spricht immer von den gut verdienenden Senioren, man weiss ja die Statistikern stimmen einfach nicht. Wie Sie erwähnen Frau Mosimann die Wirklichkeit sieht anders aus. Ich gehöre zu denen, die Sie eben erwähnen. Und Wohnungen für im Alter, oder einfach mal ganz schön neu wohnen da man ja jetzt viel zuhause ist ist leider nicht jedermann/frau, mit einer Einzel-AHV Rente und EL kommt man auf das Minimum…….wer kann sich eine Wohnung zu 1800.— leisten??Ja da nimmt man dafür eine 2 Zimmerwohnung, leider können die Enkeln nicht übernachten zuwenig Platz, leider kann man sich nicht das Quartier oder das Dorf, Stadt auslesen da das Budget es nicht zulässt! Wie gesagt, Realität sieht in Wirklichkeit anders aus, da hat Frau Mosismann ganz recht. Und übrigens Zürich ist nicht die ganze Schweiz, schon von einem Kanton zum anderen sind die Unterschiede soooo gross!!!! Auch ich bin gespannt auf Ihre nächste Kolomne mit freundlichen Grüssen aus dem Seeland

  4. Erst mal Danke für das Aufgreiffen dieses bedeutsamen Themas.
    Ich werde nächstes Jahr 70ig. zZ wohne ich noch in einem Bauwagen, spüre aber, dass diese Wohnphase (nun seit 6 Jahren) bald vorbei sein wird. Irgendwann wird es wohl zu anstrengend. Daher bin ich seit 3 Jahren auf einer Warteliste für eine Alterswohnung. In der Wartezeit geniesse ich noch das absolut naturverbundene Wohnen und die stillen Nächte. Seit meiner Pensionierung (mit 62) wohne ich im Nachbarland, da ich mir mit meinem Einkommen die Schweiz (zumindest in der Nähe meines Beziehungsnetzes (30km rund um Zürich) ) nicht leisten kann.
    Aber ich möchte hier betonen, dass es sich auch für mich gelohnt hat, mir immer frühzeitig Gedanken zur nächsten Wohnphase zu machen. (Mit den Kindern zusammen hab ich immer in der Nähe von Zürich mit Grün-Auslauf füt die Kinder gewohnt). Manchmal haben die Menschen auch einfach zu viel Angst vor Veränderung und wollen daher nicht an später denken.

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