StartseiteMagazinGesundheitSommer, Sonne – und Schweiss

Sommer, Sonne – und Schweiss

Ist es heiss, fliesst der Schweiss. Ist ein netter Reim, der allerdings gegen Abend im vollbesetzten Zug nicht gut ankommt. Das mieft, das müffelt, das zwiebelt und knoblaucht – man wünscht sich eine olfaktorische, also den Geruchssinn betreffende, Narkose. Muss Schweiss denn so stinken?

Am letzten Wochenende sind die Wölfli, die kleinste Teilnehmenden am Pfadi-Bundeslager Bula wieder nach Hause gereist. Die meisten wohl, ohne in der Lagerwoche auch nur einmal geduscht zu haben. Mussten deshalb die Busse und Bahnwagen nachher mit Zitronenduft gereinigt werden? Ganz und gar nicht. Wenn die Kinder nach einem Pfadilager, ohne einen Tropfen Wasser zum Waschen «verschwendet» zu haben, nach Hause kommen, riechen sie vielleicht nach Pferd oder Stall, weil bei einem Bauern übernachtet wurde, nach Gummibärchen, weil auf der Heimreise in einem Rucksack ein ganzer Vorrat entdeckt wurde, nach Lagerfeuer natürlich. Ausser es herrscht Feuerverbot. Wie im Bula. Aber nach Schweiss riecht höchstens das Leiterteam. Wobei die in der Regel duschen.

Babyschweiss riecht wunderbar

Also schwitzen Kinder nicht? Jein. Bis zur Pubertät funktioniert die Wärmeregulation noch nicht so gut wie bei Erwachsenen, deshalb sollten Kinder besonders gut vor Hitze geschützt und immer mit genügend Flüssigkeit versorgt werden. Und wer mal an einem Baby gerochen hat, das mit schweissnassen Härchen aus dem Schlaf erwacht, der wird das nie vergessen: dieser süsse Duft nach Vanille! Man möchte am liebsten hineinbeissen.

Babys «schweisseln» nicht. Ihr Schweiss duftet süss. Der vom Liebsten oder der Liebsten aber auch.

Das käme nach Arbeitsschluss im ÖV keinem in den Sinn. Was ist da anders? Der Mensch verfügt über zwei Arten von Schweissdrüsen. Den merokrinen und den apokrinen. Die merokrinen oder ekkrinen Schweissdrüsen verteilen sich über den ganzen Körper und dienen der Wärmeregulation. Das Sekret, das sie absondern, ist nahezu wässerig, geruchlos und verdunstet auf der Haut. In der Sauna lässt sich das gut beobachten: Auf der ganzen Hautoberfläche bilden sich kleinste Tropfen, bei den einen mehr, bei den anderen weniger. Männer schwitzen meistens stärker, Sporttreibende schneller. Aber Geruchsbelästigungen gibt es, da ja im Vorfeld eines Saunagangs geduscht wird, praktisch keine.

Erwachsene riechen anders

Apokrine Schweissdrüsen, auch Duftdrüsen genannt, werden erst in der Pubertät aktiv. Sie finden sich nur an einigen Körperstellen: Unter den Achseln, im Intimbereich, rund um den Nabel und unter den Brüsten. Ihr Sekret ist ölig, dickflüssig und, im Gegensatz zu den merokrinen Schweissdrüsen, nicht sauer sondern alkalisch. Daher werden sie leicht von Hautbakterien befallen, deren Abfallstoffe dann den unangenehmen Schweissgeruch ergeben. Früher sagte man «Frischer Schweiss stinkt nicht, nur alter Schweiss» – und hatte recht. Wenn damit die Duftdrüsen gemeint sind.

Schweisstropfen auf der Haut bestehen fast nur aus Wasser.

Um es noch ein bisschen komplizierter zu machen, schwitzt der Mensch nicht immer gleich. Hormone, Krankheiten, die Nahrung oder Stress können den Schweissgeruch beeinflussen. Wer neben einer Person sitzen muss, die Knoblauch liebt, kürzlich einen «Döner mit alles» gegessen hat, weiss Bescheid. Aber auch Schwarztee, generell scharfes Essen, Kohl oder viel rotes Fleisch kann zu unangenehmen Ausdünstungen führen. Nüsse und Vollkornprodukte, die Zink enthalten, können da etwas mildern. Und viel Obst, Salat, Joghurt oder Gemüse kann sogar zu einer «fruchtigen» Note führen.

Angstschweiss riecht nochmals anders

Dazu kommt die psychische Komponente: Wer Stress oder Angst hat, sich vor einer Konfrontation fürchtet oder anderweitig psychisch belastet ist, dem bricht nicht nur redensartlich «der kalte Schweiss» aus. Und dieser riecht nochmals anders, beissender, unangenehmer. Der Schweiss verändert sich auch im Verlaufe eines Lebens. Der «alte Leute-Mief» muss also nichts mit mangelnder Hygiene zu tun haben. Und gute Ärzte gebrauchen auch heute noch ihre Nase und haken bei Körperausdünstungen, die zum Beispiel nach Urin, Aceton, Essig oder Ammoniak riechen, nach.

Sress, Angst, Ärger – da bildet sich «Büroschweiss». Die Luft in Zügen und Trams riecht dann nach Arbeitsschluss ziemlich streng. (alle Bilder pixabay)

Zum Schluss aber noch zu den angenehmen Seiten des Schwitzens. Durch die Verdunstungskälte und der damit verbundenen Abkühlung müssen wir nicht hecheln wie ein Hund, uns im Schlamm suhlen wie ein Schwein oder nach anderen Kühlmethoden suchen wie viele Tiere, die keine oder nur wenige Schweissdrüsen haben. Und bei der Partnerwahl spielt Schweiss eine grössere Rolle, als gemeinhin angenommen wird. Denn wer eine Person «nicht riechen kann», wird sich hüten vor einer intimen Begegnung mit ihm oder ihr. Da hilft dann auch kein Deo mehr. Umgekehrt gilt aber auch. Siehe Babyschweiss.

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