Gewitter hatten wir in den letzten Wochen ja genug. Mit Blitz und Donner und viel, oft zu viel Regen. Wenn aber ein Donnerrollen über den See zieht, ist das zwar vorstellbar – der Donner fegt wie auf einer Chügelibahn über die Wellen – aber doch falsch. Der Donner rollt nicht, weder über Wasser noch übers Land, er grollt.
Vielleicht, weil er nicht schwimmen kann oder weil er nicht gerne nasse – ja was? – bekommt oder weil er gerne ein Dampfschiff wäre. Oder weil der Donner nur so richtig in Fahrt kommen kann, wenn das Gewitter in Hochform ist, und er deshalb vielleicht manchmal etwas unabhängiger sein möchte. Deshalb hören wir es dann, dieses Donnergrollen.
Donnern kann es auch anderswo. Donnern heisst, dass sich die Luft plötzlich ausdehnt, weil sie im Blitzkanal schlagartig aus 30000 Grad erhitzt wird. Steht so im Internet. Diese Ausdehnung führt zu einem lauten Krachen. Also ohne Blitz kein Donner. Das hören gewisse Motorradfahrer nicht so gerne, wenn sie mit gewaltigem Donnern durch die Strassen fahren. Aber dabei werden ja auch kleine Blitze erzeugt, in der Zündung.
So viel Theorie. Denn wenn in der Zeitung steht, dass donnernde Treicheln am Schwingfest aufgetreten seien, fragt man sich erstens, seit wann Glocken Beine haben und zweitens, womit sie ihren Donner denn erzeugen. Laut sind sie ja schon, vielleicht sogar ohrenbetäubend. Aber donnernd? Vielleicht verglich der Berichterstatter den Auftritt der Treicheln mit einem Bergsturz: Dort donnern auch Steine die Höger hinunter, ganz ohne Blitz. Allerdings finde ich den Klang der grossen Glocken doch angenehmer.
Zum Schluss wird es gemächlicher: Stadtverkehr wird eingebremst, so ein dominanter Titel. Was das wohl heissen soll? Wer im Auto unterwegs ist, sollte eigentlich funktionstüchtige Bremsen an seinem Vehikel haben. Einbremsen, das heisst, Bremsscheiben und Bremsbelag sanft «einfahren», aufeinander abstimmen. Sollte eigentlich in der Garage geschehen. Oder wird das jetzt, angesichts der vielen Velowege, auf der Strasse geübt? Bis jetzt kannte man nur das Gegenteil: Ein Fahrzeug wird ausgebremst, weil ein anderer Verkehrsteilnehmer dem Auto den Weg abschneidet, den Vortritt verweigert oder das Fahrzeug sonstwie behindert.
Auch ein Hirsch könnte ein Auto ausbremsen. Gerade jetzt, wo es wieder früh dunkel wird. Wenn aber «Der Hirschen ist zurück und bringt frischen Wind» getitelt wird, ist klar, dass es sich um ein Gasthaus handelt. Wo war er wohl in den letzten Monaten, der Hirschen? Und woher bringt er den frischen Wind? Von einer neuen Lüftung in der Küche? Oder ist das Ganze nur Wortgeklingel und die Beiz ist einfach nach einem Umbau wieder offen?
