1 KommentarGrüezi Herr Schawinski, hoi Roger - Seniorweb Schweiz
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Grüezi Herr Schawinski, hoi Roger

Der Kolumnist wollte dem Schawinski eins auswischen. Doch als er mit Schreiben fast fertig war, stiess er auf dessen neues Buch „Bonus-Jahre“. Lesen Sie, was dann geschah.

Sehr geehrter Herr Schawinski. Doch gemach. Roger Schawinski und der Kolumnist (ich) sind rund um die Nullerjahre Marathon gelaufen. Zudem bin ich auch aus Wiedike. Unter Läufern sagt man sich du. Jetzt will ich mich mit dir aber nicht über die anaerobe Schwelle oder über übersäuerte Muskeln unterhalten. Sondern: In einem Interview mit den Tamedia-Publikationen hast du anfangs Januar gesagt, dass du nicht alt seist, sondern bloss älter. Verstanden, aber nicht einverstanden. Wir Achtzigjährigen, du und ich, sind nicht älter. Wir sind alt.

Hast du dich bei deiner Aussage auf die Bibel gestützt? Die Gefolgsleute von Jesus waren nicht jung, sondern Jünger. Wer alt ist, und sich als älter bezeichnet, macht Schönsprech. Wir Schurnis haben gelernt, dass Schönsprech schlecht ist. Ausser man muss schreiben, dass der Verlag Massenentlassungen angeordnet hat.

Alt, älter, jung, jünger. Wir können das als Fluss des Lebens beschreiben. Wir beginnen als Kind, als gutes Kind. Dann, Pubertät, sind wir schwierige Kinder. Mit 18 geben wir uns als Erwachsene. Bis 25 darf man uns als junge Erwachsene bezeichnen. Dann, exakt mit 28, trauern wir um die verflossene Jugend. Bis 30 trauern wir weiter, fühlen uns aber noch jung. Bis 35 tun wir, als wären wir jung. Mit 40 sind wir weder alt noch jung, sondern mittelalt. Bis 45 verharren wir so. Mit 50 überlegen wir, wie das wäre, wenn wir alt wären-

Mit 55 denken wir erstmals an die Rente. Mit 60 denken wir nur noch an die Rente. Ab 65, AHV, sind wir junge Senioren. Das dauert bis 70. Mit 75 rätseln wir, ob jung noch zu Senior passt. Mit 75 müssen wir die vielen Jahre büschelen, damit sie ins Geheimfach passen. Mit 80 müssen wir dort unsere Silberjahre herausholen und mit Sigolin putzen. All das gilt nicht für jene, die im Februar in der Aare schwimmen, auf der Treppe zum Niesen heraufkeuchen. Oder ein Schawinski sind.

Älter oder alt. Diese Katalogisierung haben wir auch auf unserer Seniorweb-Redaktion. Da gibts die frischgeschlüpften AHV-Neulinge, zum Teil noch unter dieser Grenze. Die bezeichnen wir als Ältere. Und da sind wir Silberrücken, plus/minus 80. Die sehen wir als Alte. Die Älteren beeindrucken, wie du, mit Liegestützen. Die Alten, wie ich, habens mit Liegen und Stützen. 70 Pushups im Tag bewältigst du. Hut ab. Unsereiner bewältigt bloss den Geschirrspühler.

Mit mehr oder weniger Runzeln. Das Alterungs-Tool machts möglich. Roger Schawinski ist 80 und macht täglich fast so viele Liegestütze. Bild zvg/KI

(…) Eben, siehe oben, nachdem ich beim Schreiben hier angekommen war, nahm ich dein kürzlich erschienenes Buch „Bonus-Jahre“ zur Hand. Nach bewährtem Buchkritikerbrauch las ich die ersten dreissig Seiten und überflog dann in Zehnerschritten die Fortsetzung.

Momoll, die „Bonus-Jahre“ überzeugten mich fast restlos.Es ist zwar, igitt, ein Ratgeberbuch, hat aber dennoch Hand und Fuss. Du schreibst verständlich, mit Humor und nachvollziehbar. Wenn ich mal Rat brauche, und wer braucht das nicht, werde ich an die 199 Seiten Schawinski denken.

Ratgeber sind ist ein weites Feld. Zur Erbauung oder zur Abschreckung lege ich dir drei weitere Bücher aus dieser Schublade vor. „Das Alter als Geschenk“ (Geschenke soll man nicht, Alter kann man nicht zurückgeben). Speziell für dich: „Bin ich schon alt“ (nein es geht nicht um Liegestütze). Und schliesslich: „Das grosse Beschäftigungsbuch für Senioren“.

Wobei, wir hätten da auch noch was aus dem Beschäftigungs-Truckli. Seniorweb sucht Autoren. Alt oder älter. Ich halte dir ein Plätzchen frei.

Roger Schawinski: «Bonus-Jahre», ISBN: 978-3-033-11728-0, ca. Fr. 28.00.

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1 Kommentar

  1. lieber Peter Steiger, superschöner Artikel. Das Bonus-Jahre-Buch habe ich in einem Zug gelesen und bin eigentlich richtig fasziniert. Schön dass unsere «Arbeitsjahre» in diesem Buch festgehalten werden damit auch unsere Nachkommen erfahren was wir alles geleistet haben. Ich bin eine 78-jährige «Alte», immer noch mit meiner Treuhandfirma ca. 20% mit Freude am arbeiten, mache das solange es geht.
    Seit einiger Zeit bekomme ich regelmässig ihr Newsletter und freue mich jedesmal.
    Werde Ihnen jetzt einen Beitrag zukommen lassen.
    Wünsche Ihnen einen schönen Tag. Mit freundlichen Grüssen margrit hess

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