Vor 29 Jahren wurde das Dorf Sachseln von einem Unwetter heimgesucht. Mehrere Künstlerinnen und Künstler befassten sich mit dem Thema Wasser und stellen jetzt im Bruder-Klaus-Museum in Sachseln ihre Werke aus.
Wasser, Wandel und Transformation erscheinen in der Ausstellung «Fluss(ab)Fluss» als leitende Motive, die von etablierten Kunstschaffenden aus der Zentralschweiz interpretiert werden. Ihre Arbeiten reflektieren Bewegung und Veränderung als konstante Kräfte des Lebens. Gleichzeitig thematisieren sie das Element Wasser, das in der Region allgegenwärtig ist: inspirierend und lebensspendend, aber auch bedrohlich.

Viele der Besucher waren an der Vernissage begeistert
Die Werke zeigen Kreisläufe, Eingriffe und Brüche und machen sichtbar, was oft unbeachtet bleibt: Transformationen des Wassers und die Folgen menschlicher Kontrolle. So entsteht ein vielschichtiger Blick auf ein Element, das Leben ermöglicht und zugleich fragil geblieben ist. Die Ausstellung entsteht in enger Verbindung zum Buch «das Unerwartete», das in diesem Jahr erscheint und den Blick sowohl auf das Hochwasser 2005 als auch auf ein zentrales Infrastrukturprojekt lenkt: den sechs Kilometer langen Hochwasser-Entlastungsstollen zwischen Sachseln und Alpnach. Die Publikation breitet aber nicht nur Fakten aus, sondern sucht über verschiedene Beiträge die kulturelle und künstlerische Auseinandersetzung mit Naturereignissen. Kunstschaffende, die sich für das Buch intensiv mit dem Thema beschäftigt haben, präsentieren in «Fluss(ab)Fluss» mehrheitlich neue Arbeiten – als räumlich-sinnlich erfahrbare Übersetzung der Buchinhalte.

Das Wasser wird auf einem Förderband transportiert
In den historischen Räumen des Museums und im Garten zeigt «Fluss(ab)Fluss» Arbeiten von Judith Albert, Donato Amstutz, Sandra Boeschenstein, Roman Britschgi, Jul Dillier und Arthur Fussy, Barbara Gut, Moritz Hossli, Christian Kathriner, Marie-Cathérine Lienert und Kurt Sigrist.
Schon im Garten des Museums zeigt Moritz Hossli wie Wasser aus dem Stillstand in Bewegung gerät. Das System spielt mit dem Gleichgewicht von Neigung und Geschwindigkeit und hält das Wasser in einer fragilen Balance. Das Förderband wird zu einem künstlichen Flussbett. Die Arbeit lädt ein, dem Wasser zuzuschauen und dabei über Sinn, Zweck und Absurdität menschlicher Eingriffe in natürliche Prozesse nachzudenken.

Von der Decke hängen Schläuche und es tropft musikalisch begleitet in die Kübel
Im Keller treffen die Besucher auf die Installation Leak von Jul Dillier und Arthur Fussy. Wer den Raum betritt, ist sich nicht sicher: ist dies eine Baustelle? Ein Wasserschaden? Von der Decke hängen Schläuche, darunter stehen diverse Objekte: Wasserkübel, Giesskannen, aber auch Musikinstrumente. In regelmässigen Abständen fallen Tropfen auf die Klangobjekte, eine leise, repetitive, einnehmende musikalische Komposition.

Die Videomontage zeigt eine Frau am Sarnersee, der sich laufend veränderte
Marie-Cathérine Lienert zeigt Wasser in verschiedenen Erscheinungsformen. 2013 schuf sie GeniusLoci, eine Videomontage aus Aufnahmen des Sarnersees, die zu unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten entstanden waren und einen breiten Stimmungsbogen ergeben. Alle Aufnahmen zeigten den See mit Blick auf den Giswilerstock.

Die heilige Madonna, die auch beim Durchstich des Entlassungsstollens bereit stand
Barbara Gut, Donato Amstutz, Moritz Hossli und Gianni Paravicini gestalteten das Barbara-Zimmer. Die heilige Barbara ist die Schutzpatronin der Bergleute. Aus langer Tradition steht jeweils an den Eingängen der Tunnels eine Barbara-Statue. Viele Bergleute holen sich, bevor sie den Tunnel betreten, den Segen und den Schutz der heiligen Babara.

Der Durchstich des Hochwasser-Entlassungsstollens bei Alpnach
Die Statue steht neben einem Bild, das den bewegenden Moment des Durchstichs des Hochwasser-Entlassungsstollens beim Tunnelportal Alpnach am 15. März 2023 zeigt. Die Bergleute jubeln, die Heilige Barbara mittendrin wird liebevoll von den Männern getragen und gefeiert.

Beim Werk «Lebenszeichen» griff das Hochwasser eigenmächtig ein
Kurt Sigrist verlor beim Hochwasser viele Kunstwerke und Arbeitsunterlagen, als sein Haus und Atelier in Sarnen überflutet wurden. Mit seiner mehrschichtigen Installation mit den ausgestellten Skulpturen, Zeichnungen und Fotografien verweist er auf dieses denkwürdige und prägende Erlebnis. Die Fotodokumentation zeigt den aufgebrochenen Ackerstein, der. die Knospen als «Lebenszeichen» freigibt. Die beiden Steinhälften – gleichsam Schale und Spreu – wurden bei den hektischen Aufräum-arbeiten nach dem Hochwasser nicht als Skulptur erkannt, sondern als Geschiebe und Schwemmgut entsorgt. Die dem Stein abgewonnenen Knospen hingegen überlebten und dürfen gleichsam als verbliebenes Saatgut weiter keimen.
Die Ausstellung dauert bis 16. August 2026
Fotos: Josef Ritler

