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Helga Schneider wird wei(s)ser

Regula Esposito ist Komikerin und Autorin, Schauspielerin und Sängerin, Moderatorin, Regisseurin und Produzentin. Und seit neustem auch Gastgeberin in einem Gasthaus. Am bekanntesten aber ist sie als Helga Schneider.

Einige Gehminuten vom Bahnhof Mettmenstetten im Knonaueramt entfernt throhnt von weither sichtbar der Gasthof «Zum weissen Rössli». Hierher hat man uns bestellt, um Regula Esposito zum Gespräch zu treffen. Ob man hier Frau Esposito kenne, fragen wir die Serviceangestellte. «Aber ja doch», entgegnet diese mit einem vielsagenden Lächeln: «Das ist doch unsere Chefin!»

Minuten später ist sie da – die Chefin. Sie begrüsst uns mit «Hallo zusammen, ich bin die Regula». Tatsächlich habe sie vor etwas mehr als einem Jahr zusammen mit ihrem Mann Fredy Bickel (61) dieses Traditionslokal als Pächterehepaar übernommen. Mit dem Fussballmanager und Fussballexperten Bickel (GC, FCZ; YB, Rapid Wien) ist Regula Esposito seit einigen Jahren zusammen und seit bald einem Jahr verheiratet. Deutlich älter ist das «Rössli»; dessen Geschichte reicht zurück bis ins späte Mittelalter.

Die Bühne als Berufswunsch

Regula Esposito, geboren im November 1965, wächst im Zürcher Niederdorf zusammen mit zwei älteren Brüdern auf. Der Vater mit italienischen Wurzeln ist Architekt, die Mutter – eine Appenzellerin – zeichnet verantwortlich für den Haushalt und die Kinder. Schon als Kind habe sie das Theaterspielen und das Musizieren (Querflöte und Saxophon) geliebt, erzählt sie. «Ich habe im nahen Neumarkttheater Kinder-Statistenrollen übernehmen dürfen».

Als Jugendliche möchte sie diesen Weg einschlagen. Doch weil sie die traditionelle Rollenteilung ihrer Eltern ablehnt, folgt sie dem Rat ihres Vaters und beginnt zunächst eine Lehre als Hochbauzeichnerin. «Denn ich wollte unbedingt emanzipiert und frei sein – und keinesfalls abhängig von einem Mann!».

Ihr Ziel von einer Tätigkeit im künstlerisch-kreativen Bereich verfolgt sie weiter, studiert Innenarchitektur und Industriedesign an der Kunstgewerbeschule. Bald schon, ab 1990, ist sie als Helga Schneider ein Viertel der erfolgreichen Musikkabarett-Gruppe Acapickels.

Die Zeit mit den Acapickels bezeichnet Regula Esposito als intensiv und prägend. «Wir hatten Glück, dass wir etwas machten, was damals gerade dem Zeitgeist entsprochen hat.» In den fast 20 Jahren stehen die vier Frauen bis zu 250 Auftritte jährlich auf den Bühnen landauf landab. 2008 gehen sie getrennte Wege und Regula Esposito muss sich zwangsläufig neu orientieren. Weshalb es zum Bruch kam, erklärt sie so: «Es gab Konflikte, und jedes Gruppenmitglied verfolgte seinen eigenen Lebensplan. Zudem wollten wir nicht verstauben, indem wir immer dieselben Pointen präsentieren. So kam eben die Zeit, um sich aufzulösen.»

Helga Schneider wandelt auf Solopfaden

Nach einer kurzen Phase der Neufindung versucht sich Regula Esposito als Kunstfigur Helga Schneider 2010 mit einem Soloprogramm zu etablieren. «Ich habe es einfach versucht – und nach einer kurzen Durststrecke hats geklappt».

Den Namen Helga Schneider habe sie schon zu Zeiten der Acapickels verwendet, sagt sie. Mit dem deutschen Komiker Helge Schneider habe dies rein gar nichts zu tun. «Ein purer Zufall! Hätte ich geahnt, dass Helge hierzulande so bekannt würde, hätte ich diesen Namen nie gewählt.»

Der Name Helga Schneider führe auch heute noch hie und da dazu, dass sie immer wieder darauf angesprochen werde. Ein Vorteil sei das aber nicht, räumt sie ein: «Es gibt immer wieder Leute an meinen Shows, die nach ein paar Minuten aufstehen und enttäuscht den Saal verlassen, weil sie gedacht haben, Helge zu sehen.» Und ja, auch das Umgekehrte sei schon passiert, berichtet sie schmunzelnd.

Seit sie als Helga Schneider durch die Lande tingelt, ist sie in der Bevölkerung bekannt. So gut, dass sie zuweilen auch als Helga angesprochen wird, wenn sie ohne Perücke unterwegs ist. Das stört sie nicht, auch «weil es immer mal wieder zu sehr herzlichen Momenten» im Alltag kommt.

Diese «Verwechslung» ist auch deshalb nicht schlimm, weil «sehr viel von Regula selber in der Kunstfigur Helga steckt». Und: «Als Helga kann ich einfach noch etwas dümmmer tun als privat».

Bist du auch privat eine Ulknudel, Regula?

Regula Esposito: «Wenn man privat nicht viel lachen und sich an der Situationskomik erfreuen kann, dann wird man wohl auch nicht Comedian. Man sollte über sich selber lachen können.»

Beruf gleich Hobby

Ihre Programme schreibt Regula Esposito selber, greift aber auf die Hilfe eines Co-Autors und eines Regisseurs zurück. Ebenfalls zum Team gehört der Techniker und das Management. Das Schreiben eines neuen Programms sei teilweise anstrengend, gibt sie zu. Am schönsten sei es, wenn man von der Muse geküsst werde.

Regula Esposito bezeichnet sich selber als «bekennende, glückliche Nichtmutter». So sei sie in der Lage zu sagen, dass ihr Hobby ihr Beruf sei – und umgekehrt. In der Freizeit besucht sie andere Veranstaltungen, Musicals, Comedyshows und Theater. Zudem sei sie oft in der Natur anzutreffen oder sie pflege ihre Freundschaften. Und: «Ich jasse und koche sehr gerne.»

Obwohl erst 60, befasse sie sich sehr wohl mit dem Älterwerden, dem Alter und sogar dem Ende. Sagt Regula Esposito und wird fast ein wenig philosophisch: «Ich mache mir sehr viele Gedanken zu dieser Thematik. Der Tod zeigt einem, dass das, was wir hier haben, ein wertvolles Geschenk ist». Es liegt auf der Hand, dass sich auch ihr «Alter Ego» Helga mit derlei Fragen beschäftigt. Regula Esposito: «Wie das Publikum wird auch Helga älter und sie weiss sehr genau, dass sie nicht ewig auf der Bühne bleiben kann».

Was bedeutet das konkret, Regula?

Regula Esposito: «Mein Lebensplan besagt: Jetzt gebe ich nochmals richtig Gas mit dem neuen Soloprogramm («Ich weiss») und dann soll es einen sanften Übergang geben zu einem Leben, wo ich nur noch Gastgeberin und Veranstalterin bin.»

Sagts und bittet uns, ihr hinauf ins Obergeschoss des «Rössli» zu folgen, wo gerade die Kulisse für ein Theater aufgebaut wird. «Ich bin sehr fasziniert von der Rössli-Bühne und bin glücklich, dass dies ein Begegnungsort ist fürs Säuliamt, für die Vereine und die Menschen hier. Da findet so viel statt – von Hochzeiten und Theater über Musik und Kabarett bis hin zu Vereinsversammlungen und zum Leichenmahl».

Fotos: Christian Roth und zVg

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Unterwegs mit dem Programm «Ich weiss»

Seit Mitte Mai ist Regula Esposito als Helga Schneider wieder unterwegs, um ihr neues Programm «Ich weiss» zu präsentieren. Glaubt man dem Medientext, so teilt Helga Schneider kräftig aus – «mit Frauenpower, Stimmgewalt und Bühnenpräsenz. Nach bald 40 Jahren Showbiz in den Knochen frage sich Helga, wann denn fertig mit lustig sei. «Schneeweiss und (k)ein bisschen weiser, wolle es Helga noch einmal wissen.

Die Tourneedaten finden sich auf https://helgaschneider.ch/ich-weiss/

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