Beginnen wir mit dem Zitat eines Mannes, der wusste, was prägnante Sprache ist: Mark Twain. «Der Unterschied zwischen dem richtigen Wort und dem beinahe richtigen ist derselbe Unterschied wie zwischen einem Blitz und einem Glühwürmchen.»
Professionell Schreibende sollten sich diesen Satz über das Bett hängen! Dann gäbe es keine Ausflüchte aus dem Alltag, nämlich Ferien. Ausflüchte, das sind Ausreden, wenns unangenehm wird oder wenn man sich ertappt fühlt. Aber aus dem Alltag ausbrechen, das ist eine Flucht.
Bei einer Auktion erlöste der Händler eine Rekordsumme. Tönt doch wie im Märchen: Der Prinz erlöste eine Prinzessin aus den Fängen eines Unholds. Nur ist eine Rekordsumme keine Prinzessin und was der Händler da einnahm, das war «nur» der Erlös, und der wird «nur» gelöst. Auch wenn vielleicht die Erleichterung gross war, dass er von diesem Exponat erlöst wurde.
Ein weiteres «Glühwürmchen»: Ein richtig sportliches Lauftraining bei der in den vergangenen Wochen herrschenden Hitze löse wahre Qualitätsreize aus, wird vermeldet. Ich nehme an, die Qualität des Trainings war eher niedrig. Es war vor allem eine Quälerei. Ob da KI etwas falsch verstanden und der Mensch dahinter nicht genau kontrolliert hat, bleibe dahingestellt. Wer in den letzten Wochen im Freien sportlich unterwegs war, hat sicher die Erfahrung gemacht, dass die Qualität des Trainings ziemlich zweitrangig war.
«Die Schafe weiden, indem sie Gras und Gemüsereste fressen». Was sollen sie denn sonst tun – beim Weiden? Sich über Bachläufe neigen, wie die «anderen» Weiden? Oder Körbe flechten aus Weiden? Es gibt Sätze, da wären drei Wörter genug. Wie auch bei «Er ist nicht unglücklich». Ja, was ist er dann?
Dies ist meine letzte Sprachkolumne. 15 Jahre sind genug. Ich werde also in Zukunft wieder ohne Notizblock Zeitung lesen und danke auch den «Mitstreitern» – die männliche Form reicht – die sich ebenfalls sprachliche Bocksprünge notiert und mir übermittelt haben. Als Kolumnistin aber mache ich weiter. Mit einem neuen, ganz anderen, viel sinnlicheren Themengebiet. Am 24. September geht es los.


Danke Bernadette für Deine immer treffenden Beobachtungen. Ich habe mich manches Mal ertappt gefühlt! Schade, dass Du diese Sprach-Preziosen nicht weiter führst. Aber ich freue mich auf weitere Kolumnen von Dir!
Bernadette
Schade. dass du aufhörst, ich hatte deine Notizen genossen. Good luck für die nächsten Themen
Liebe Grüsse Erwin
Liebe Frau Reichlin
Auch ich werde Ihre spitze Feder in Sachen falsche Wortwahl vermissen.
Liebe Bernadette
Da wird mir etwas fehlen! Es war immer nicht nur vergnüglich, sondern auch lehrreich, deine Analysen zu den Sprachstolperern zu lesen. Es hat mir Spass gemacht, gelegentlich etwas dazu beizutragen.
Herzliche Grüsse, Thomas