20.07.2014 - Linus Baur

Ein Quell der Ruhe und Erholung

Ein spannendes Stück Zürcher Kulturgeschichte bietet der Patumbah-Park im Zürcher Seefeld an. Seit gut einem Jahr ist dieser vollständig zugänglich für die Öffentlichkeit.

Entstanden ist der Patumbah-Park Ende des 19. Jahrhunderts. Der in Sumatra reich gewordene Zürcher Kaufmann Karl Fürchtegott Grob-Zunder (1830 – 1893) kaufte für den Bau seiner Villa Patumbah Land an der Zoillikerstrasse in Riesbach und beauftragte 1883 die Architekten Alfred Chiodera und Theophil Tschudi mit dem Bau einer Villa im üppig kolonialistischen Stil. Jahre später engagierte er den Gartenkünstler Evariste Mertens, der einen klassischen Landschaftsgarten mit villennahen Schmuckpartien und geschwungenen Wegen sowie einen grossen Nutzgarten umsetzte. Nebst dem Patumbah-Park gehört das Arboretum zu Mertens wichtigsten Werken in Zürich.

Jahrelanges rechtliches Seilziehen

1910 vermachten Grobs Töchter Villa und Park dem Diakoniewerk Neumünster, das in der Villa ein Altersheim führte. Ab 1975 konnte das Altersheim nicht mehr rentabel geführt werden. Um die Villa vor dem Abbruch zu retten, kaufte die Stadt Zürich 1977 die Villa und einen Parkteil für 3,1 Millionen Franken. Um eine Überbauung des restlichen unteren Parkteils zu verhindern, wurde dieser mittels einer Volksinitiative der Freihaltezone zugeteilt.

Die Villa erstrahlt in neuem Glanz, links einer der Neubauten.

Danach begann ein jahrelanges rechtliches Seilziehen mit den Eigentümern der privaten Parkhälfte. Eine private Stiftung zur Erhaltung des Patumbah-Parks wurde gegründet mit dem Ziel, die private Parkhälfte zu kaufen. Doch es gelang trotz jahrelanger Bemühungen nicht, das erforderliche Geld aufzubringen. 2010 erwarb eine private Bauherrin die gesamte private Parkhälfte für den Bau einer massvollen Randüberbauung. Diese wurde in den Jahren 2010 bis 2012 erstellt.  Ein Nutzungsvertrag  zwischen Grundeigentümerin und Stadt Zürich regelt die Pflege und Nutzung des privaten Parkteils. In der Folge wurde der Patumbah-Park nach den Originalplänen von Evariste Mertens instand gestellt und im Frühjahr 2013 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In den 123 Jahren zuvor war der Park, der zu den prächtigsten der Stadt Zürich gehört, nie öffentlich zugänglich.

Der klangvolle Name Patumbah, den der Erbauer seiner Villa gab, wurde bisher als „Ersehntes Land“ übersetzt. Heutigen Interpretationen zufolge wurde diese alte Bezeichnung gebraucht, um einen Ort zu beschreiben, an dem man sich wohlfühlt und zu Hause weiss.

Gepflegter Garten mit altem Baumbestand

Heute präsentiert sich der Patumbah-Park als gepflegter Garten mit altem Baumbestand, Springbrunnen, Pavillon und sechs Plastiken. Der nördliche Teil ist umgeben von zwei neuen Mehrfamilienhäusern aus den Entwürfen des Basler Architekturbüros Miller und Maranta. Unten ist ein viergeschossiger Bau mit heller, orientalisch anmutender Fassade, oben ein dunkler Bau mit verwinkelter Fassade. Beide Häuser sind seit Herbst 2012 bewohnt. Die Villa wurde in den Jahren 2010 bis 2013 im Auftrag der Stiftung Patumbah, die 2006 die Villa von der Stadt Zürich erwarb, und in enger Begleitung durch die kantonale Denkmalpflege renoviert. Heute erstrahlen die prächtigen Fassaden und Innenräume in neuem Glanz. Seit Juni 2013 ist der Schweizer Heimatschutz Mieter der Villa Patumbah und belebt sie mit dem öffentlichen Heimatschutzzentrum und den Büros der Geschäftsstelle.

Der Pavillon - eine der villenahen Schmuckpartien.

Wer Ruhe und Erholung sucht, ist in diesem renovierten Park zwischen Mühlebach- und Zollikerstrasse gut aufgehoben. Der Patumbah-Park ist das ganze Jahr tagsüber zugänglich. In der Villa bildet die Dauerausstellung „Baukultur erleben – hautnah!“ das Herzstück des Heimatschutzzentrums. In den drei repräsentativen, zum Garten hin gerichteten Räumen wird das grosse Thema Baukultur aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. Es geht dabei um die Veränderung unserer Landschaft, um Baudenkmäler in unserem Alltag und ums handwerkliche Detail. Erlebbar wird die über 100-jährige wechselvolle Geschichte des Heimatschutzes. Die Besucherinnen und Besucher werden immer wieder aufgefordert, selber mitzudenken und aktiv zu werden.

Der untere Neubau mit orientalisch anmutender Fassade. (Bilder: Linus Baur)

Durch Park und Villa an der Zollikerstrasse 128 in 8008 Zürich finden regelmässig Führungen statt. Nähere Angaben finden Interessierte unter www.heimatschutzzentrum.ch. Erreichbar ist der Patumbah-Park mit Tram 2 und 4 oder Bus 33 bis Fröhlichstrasse, weiter zu Fuss über die Ceresstrasse zur Mühlebachstrasse oder mit Bus 33 und 77 bis Botanischer Garten.

Unter dem Titel "nahreisen" veröffentlicht die Seniorweb-Redaktion bis Mitte September wöchentlich besuchenswerte Nahziele. Jedem Redaktionsmitglied war es freigestellt, ein beliebtes Nahziel auszuwählen.

 

Kommentare

"nahreisen" eine schöne idee für menschen, denen lange bahnreisen zu ermüdend sind. trifft voll auf mich zu . ich bin gespannt auf weitere vorschläge und bedanke mich.

 Teilen
Nach Oben