Gesundheitsförderung Kanton Zürich

Das Vertrauen in die eigenen Kompetenzen stärken

Veränderungen können uns weiterbringen. Auch wenn dies auf den ersten Blick manchmal nicht so scheint. Was uns dabei hilft: Erfahrungen zu sammeln, um Vertrauen in unsere Fähigkeiten zu entwickeln.

Das Leben stellt uns laufend vor Veränderungen – wenn ein Umzug an einen neuen Wohnort bevorsteht oder unsere Gesundheit eine Ernährungsumstellung oder ein regelmässiges Training erfordert. Solche Änderungen können Stress auslösen. Stress muss aber nicht automatisch negativ sein. Der sogenannte Eustress, der positive Stress, entsteht beispielsweise bei einem herausfordernden Spiel oder Sport. Er kann uns anregen und dazu beitragen, dass wir Leistungen erbringen, eine Aufgabe verfolgen und uns dadurch weiterentwickeln. So kann uns zum Beispiel der Besuch eines Tanzkurses zunächst herausfordern. Durch das stetige Üben, lässt sich die Herausforderung in der Regel immer besser meistern. Dies kann bewirken, dass die Veränderung einen positiven Einfluss auf unser Leben hat. Konkret kann das Tanzen helfen, dass wir geistig und körperlich fit bleiben.

Überzeugung in die eigenen Fähigkeiten entwickeln

Was hilft uns, mit Veränderungen und schwierigen Situationen umzugehen? Bereits als Kleinkinder lernen wir, in unsere Fähigkeiten zu vertrauen. Dieses Vertrauen in unsere Kompetenz können wir stets weiterentwickeln. In der Fachsprache wird dies mit dem Begriff Selbstwirksamkeitsüberzeugung umschrieben. Konkret heisst das: Wir müssen überzeugt sein, dass wir eine neue oder schwierige Situation meistern können.

Wenn ich beispielsweise feststelle, dass mein körperliches Gleichgewicht nachlässt, reicht es nicht, die effektiven und einfachen Übungen der Kampagne «sicher stehen – sicher gehen» zu kennen. Ich muss auch überzeugt sein, dass es mir gelingt, diese Übungen richtig auszuführen und regelmässig in meinen Alltag einzubauen. Ohne diese Zuversicht ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass mich kleinere Hürden leicht von einem regelmässigen Training abbringen. Selbstwirksamkeitsüberzeugen sind gerade bei Aufgaben wichtig, die schwierig zu lösen sind und Anstrengung sowie Ausdauer erfordern.

Probleme lösen und Erfolgserlebnisse sammeln

Wer selbstwirksam ist, kann seine persönlichen Gesundheitsziele erfolgreicher verfolgen, wie beispielsweise ein geplantes Fitnessprogramm oder eine Ernährungsumstellung konsequent durchzuhalten. Doch wie lässt sich die Selbstwirksamkeitsüberzeugung stärken? Indem wir Erfahrungen sammeln, wie wir schwierige Situationen erfolgreich bewältigen können. Mit jedem Problem, das wir selber lösen, wächst die Selbstwirksamkeitsüberzeugung. Neben den persönlichen Erfolgserlebnissen kann uns auch der Blick über den eigenen Tellerrand helfen. Indem wir andere beobachten, wie sie eine Herausforderung meistern, ganz nach dem Motto: Wenn andern das gelingt, schaffe ich das auch.

Neben der Selbstwirksamkeitsüberzeugung stärkt noch eine weitere Überzeugung unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden, nämlich die Überzeugung, dass ich auf die soziale Unterstützung aus meinem Umfeld vertrauen kann. Wer in ein System des Gebens und Nehmens eingebunden ist, darf in schwierigen Situationen Hilfe erwarten und auch erfahren. Diese soziale Unterstützung ist nachweislich mit besseren Gesundheitschancen verbunden.

Mitwirken und Neues lernen

Eine konkrete Möglichkeit, meine Selbstwirksamkeitsüberzeugung zu stärken bietet die Freiwilligenarbeit: Das heisst: neue Erfahrungen zu sammeln, herausfordernde Situationen zu meistern und persönlich daran zu wachsen. In Projekten der reformierten und der katholischen Kirchen, Pro Senectute, Caritas Zürich, Heks, dem Schweizerischen Roten Kreuz Kanton Zürich oder Benevol kann ich mich mit meinem Wissen sowie meinen Fähigkeiten und Erfahrungen passend zu meinen Interessen einbringen und gemeinsam mit anderen Menschen etwas bewegen. Bei der Online-Plattform Rent a Rentner kann ich ausserdem gegen Entgelt anderen Menschen meine Dienstleistungen anbieten – von Kinderbetreuung, über Gärtnern bis zur Unterstützung bei Fragen rund um die Buchhaltung oder den Computer.

Das Gute ist, es ist nie zu spät, mich auf ein neues Projekt einzulassen und so die bestehenden Überzeugungen und Fähigkeiten zu stärken. In diesem Sinne stellt sich die Frage: Was will ich als Nächstes anpacken?

Frank Wieber, Senior Researcher und Dozent an der Forschungsstelle Gesundheitswissenschaften (FGW) an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), Julia Willi, Studentin Gesundheitsförderung und Prävention an der ZHAW