Gesundheitsförderung Kanton Zürich

Sucht im Alter: Frühzeitig erkennen und Hilfe annehmen

Sucht kennt keine Altersgrenze. Aber auch die Möglichkeit, wieder von einer Sucht loszukommen, ist in jedem Alter möglich. Ein problematisches Suchtverhalten zu erkennen und fachliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, sind wichtige Schritte auf dem Weg aus der Sucht.

Domenic Schnoz, Zürcher Fachstelle zur Prävention des Suchtmittelmissbrauchs (ZFPS) und Franziska Herren, Prävention und Gesundheitsförderung Kanton Zürich

Fachliche Hilfe anzunehmen, ist bei einem Suchtverhalten ein wichtiger Schritt. Foto: iStock

Bei vielen Menschen nehmen mit dem Älterwerden belastende Ereignisse zu. Krankheiten tauchen auf oder nahestehende Personen sterben. Das kann dazu führen, dass Entlastung im Alkohol gesucht wird. Wer zu viel trinkt, setzt sich einem grossen Risiko aus. Gerade im Alter kann Alkohol schneller zu körperlichen Schädigungen führen. Auch können sich Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Verdauungsbeschwerden durch Alkohol verschlechtern. Ob der Alkoholkonsum noch im grünen Bereich liegt, kann man einfach herausfinden: in einem anonymen Test für sich selbst oder in einem Test für Freundinnen und Freunde .

 

Gewisse Medikamente können süchtig machen

Ein problematischer Gebrauch von Medikamenten nimmt ebenfalls häufig in Zusammenhang mit belastenden Situationen seinen Lauf. Denn Beruhigungs- und Schlafmittel versprechen eine schnelle Lösung bei Beschwerden wie Bedrücktheit oder Schlafstörungen. In gewissen Situationen sind solche Medikamente angebracht. Wegen ihres hohen Suchtpotenzials und ihrer Nebenwirkungen sollten sie in der Regel nicht länger als vier Wochen eingenommen werden. Es ist wichtig, die Einnahme von Schlaf- und Beruhigungsmittel mit der Ärztin oder dem Arzt zu besprechen. Detaillierte Informationen sind in der Broschüre «Alkohol und Medikamente beim Älterwerden» zu finden.

 

Sucht als gesellschaftliches Tabu

Alter und Sucht: Das ist ein gesellschaftliches Tabu. Aussagen wie; «Lassen wir ihm doch seine Gläser Rotwein. Er hat ja sonst nicht mehr viel im Leben» oder «Ohne die Tabletten kann sie gar nicht mehr schlafen. Der Mensch braucht schliesslich seinen Schlaf» verharmlosen das Suchtpotenzial von Alkohol und Medikamenten und verhindern es, genauer hinzuschauen und Hilfe zu suchen.

 

Zahlen und Fakten

Ein Blick in die Statistik zeigt: Von allen Altersgruppen trinken Menschen ab 65 Jahren täglich am häufigsten so viel Alkohol, dass ihre Gesundheit dadurch stark gefährdet wird. Ebenso ist der tägliche Konsum von starken Schlaf- und Beruhigungsmitteln in dieser Altersgruppe am stärksten vertreten. Diese Mittel können in kurzer Zeit abhängig machen, das Gedächtnis verschlechtern und das Risiko zu stürzen vervielfachen. So kann die Lebensqualität deutlich eingeschränkt werden und es droht ein frühzeitiger Verlust der Selbstständigkeit.

Eine Abhängigkeit ist kein Zeichen von Schwäche oder Versagen. Viele Menschen sind von einer Suchterkrankung betroffen und es gibt Wege, die hinausführen.

 

Problematische Konsummuster erkennen

Es ist wichtig, möglichst frühzeitig problematische Konsummuster bei sich zu erkennen oder bei anderen Menschen anzusprechen. Dies braucht manchmal Überwindung, weil man nicht sicher ist, ob die eigene Vermutung stimmt oder die Reaktion der betroffenen Person gefürchtet wird. Die Erfahrung zeigt, dass Gesprächseinstiege, welche nicht mit Anschuldigungen, Vorwürfen oder moralischem Beiklang erfolgen, oftmals besser angenommen werden.

«Ich mache mir Sorgen, weil mir in letzter Zeit auffällt, dass…» kann zum Beispiel ein solcher Einstieg sein. Oft bewirken bereits kleine Gesprächsbemühungen viel beim Gegenüber – auch wenn das vielleicht nicht gleich auf den ersten Blick erkennbar ist. Studien zeigen ausserdem, dass ältere Menschen gute Chancen haben, aus problematischen Verhaltensweisen wieder herauszufinden. Dies gelingt besonders gut mit fachlicher Unterstützung.

Voraussetzung dafür sind sorgsames Hinschauen und Ansprechen. Dadurch können unnötiges Leid, Einsamkeit und nicht zuletzt auch vermeidbare Gesundheitskosten und der Verlust der Selbstständigkeit deutlich vermindert werden.

 


 

Fachliche Unterstützung erhalten

Sich aus einer Abhängigkeit zu befreien, ist ein riesiger Gewinn an Lebensqualität. Bei diesem Schritt ist es wichtig, fachliche Hilfe anzufordern. Denn bei einem Stopp oder einer Reduzierung des Konsums kann es zu schweren Nebenwirkungen kommen.

Die Suchtfachstellen im Kanton Zürich bieten Rat und Unterstützung – auch für Angehörige oder Personen, die sich um jemanden Sorgen machen. Ausserdem können Interessierte bei den Stellen für Suchtprävention diverse Unterlagen und Informationen zum Thema anfordern. Weitere Informationen sind unter alterundsucht.ch verfügbar.

 


 

Weiterführende Links:
www.suchtpraevention-zh.ch
www.gesund-zh.ch