FrontDigitalTerrorismus – Cyber Crime – Korruption

Terrorismus – Cyber Crime – Korruption

Wie kann sich die Schweiz, wie können wir uns selbst vor diesen Gefahren im Internet schützen? Zu diesem Thema diskutierten zwei ausgewiesene Experten  in Sachseln OW.

Paris, Nizza, München – der Terror hält Europa in Atem. Die Attacken von Hackern auf Firmen und Behörden nehmen zu. Dies führt zu Unsicherheit und fehlendem Vertrauen in die politische und wirtschaftliche Führung. Über die Ursachen, die Gefahren und Bedrohungen für diese Entwicklungen diskutierten am 52. Fabrikgespräch der Firma Maxon (die Firma mit den Motoren im Mondauto) die Professorin Sita Mazumder und Gianfranco Mautone, Leiter als Partner bei der PwC Schweiz. Moderiert wurde das Gespräch von Martin Zenhäusern.

Die Podiumsteilnehmer v.l. Sita Mazumder, Martin Zenhäusern und Gianfranco Mautone

Jürgen Mayer, Vizepräsident des Verwaltungsrates, wies bei der Begrüssung auf die neuen Gefahren im Internet hin und hoffte auf eine informative Diskussion.

Das Plenum stellte fest, dass die Terroranschläge weltweit gestiegen sind und dass man nicht alle Anschläge registriert. Wenn jemand im tiefsten Afrika eine selbstgebastelte Bombe zündet und Schaden anrichtet, wird das nicht unbedingt bekannt.

Wie aber sieht es mit der Wirtschaftskriminalität aus? Gianfranco Mautone führte aus, dass es dazu viele Statistiken gibt, die Dunkelziffer gross sei. Früher habe man in die Kasse gegriffen, heute findet vieles im Internet statt.

Sita Mazumder wies darauf hin, dass es zwei Varianten gebe. Firmen, die gehackt wurden und Firmen, die noch nicht gemerkt haben, dass sie gehackt wurden. „Daten sind angreifbar. Jeder muss damit rechnen, dass er schon einmal angegriffen wurde. Das gibt es schon seit einigen Jahren, das ändert immer wieder. Die Tools, die Methoden haben sich geändert.“

Auf die Frage, wer die Täter sind, sagte Gianfranco Mautone:“ Die Täter sind meistens männlich, zwischen 40 und 50 Jahre alt, gut ausgebildet und in einer höheren Position tätig. Sie kennen die Zusammenhänge.  Wir hatten in der Schweiz noch keinen Fall, bei dem wir nichts gefunden haben. Alle, die wir untersucht haben, waren infiltriert.“

Sind es Wirtschafts- oder Religionskriege, Machtinteressen von Regierungen? Professorin Sita Mazunder findet:“ Es ist alles, das ist das Gemeine an der Sache.

Zum Beispiel Cyber Crime.  Da  sind die traditionellen Wirtschaftskriminelle oder organisierte Kriminelle, die Mafia, die sich jetzt auch im Internet bewegen. Das ist hochgefährlich. Da gibt es Regierungen, Menschen, die den Job verloren haben. Die kennen das System und können es von der anderen Seite her bearbeiten.“

Gianfranco Mautone stellte fest, das auch viele Jugendliche den neuen Trend festgestellt haben und aus Spass grossen Schaden anrichten. Andere wollen möglichst schnell viel Geld verdienen.

Aber auch die Gefahren sind nicht zu unterschätzen. So ist es beispielsweise möglich, den Strom einer Firma zu unterbrechen, dann gehe gar nichts mehr. Die Täter seien meist Aktivisten, die die Welt verbessern wollen.

Was kann man dagegen tun? Sirta Mazumder:“ Man muss sich im Internet vorsichtig bewegen, man muss aber nicht  dramatisieren. Die Spuren sind da, die sind im Internet, die können von irgendwo abgerufen werden. Die junge Generation geht ganz anders vor. Sie veröffentlicht persönliche Bilder im Netz. Die ältere Generation ist vorsichtiger. Facebook ist für Junge weniger gefragt. Eher schnelle Plattformen wie «Twitter».

Gianfranco Mautone ergänzt:“ Man kann nicht alles schützen. Man muss überlegen, was  die wichtigen schützenswerten Daten sind. Man sollte überlegen, was relevant ist, was  dem Konkurrenten nützen könnte und sollte dort einen

Schutzwall aufbauen, der nicht geknackt werden kann. Privat dasselbe. Die meisten interessieren sich nicht für uns, wir meinen immer, wir seien für alle interessant. Alle haben Apps, wir wissen nicht, was wir alles heruntergeladen haben. Wir haben die Bedingungen nicht gelesen und einfach akzeptiert. Wissen Sie, ob das App zuhört, wenn Sie mit jemandem sprechen? Nein, wissen Sie nicht. Wissen Sie, ob das App, das sie heruntergeladen haben, Ihre Nachrichten mitliest? Das wissen Sie auch nicht. Aber wir klicken einfach ja, ja, ja. Wir lesen auch nicht die Bedingungen, wenn wir einen Vertrag unterschreiben.“

Die Daten im Netz kann man nicht löschen. Noch nicht. Sita Mazumder:“ Die Firma, die herausfindet, wie man das löschen kann, die wird die nächste Multi- Milliardärin  sein.“

Ratschläge: Bei wichtigen Konferenzen keine elektronischen Geräte, also keine Natel und Laptop im Raum lassen. Falls doch ein Computer nötig ist, die Kamera mit einem Klebeband zudecken.

Sita Mazumder:“ Wir müssen lernen, mit einem Risikoverständnis und mit den Tools umzugehen. Was ist für mich wichtig und schützenswert: Immer  Backups machen.“

Fotos: Josef Ritler

Professorin Sita Mazumder verfasste am Swiss Banking Institute der Universität Zürich ihre Doktorarbeit zum Thema „Die Sorgfalt der Schweizer Banken im Lichte der Korruptionsprävention und -bekämpfung“. Nach Lehrtätigkeiten an Universitäten in den USA, Holland und Kanada war sie von 2004 bis 2016 als Professorin am Institut für Finanzdienstleistungen ZUG IFZ tätig. Seit kurzem ist sie Professorin am Departement Informatik der Hochschule Luzern. Sie forscht in den Bereichen Künstliche Intelligenz und Security.

Gianfranco Mautone leitet als Partner bei der PwC Schweiz die Dienstleistungen Forensic Services, Financial Crime&Risk Consulting. Mit seinem 45-köpfigen Team unterstützt er Unternehmen in der ganzen Welt bei der Prävention, Aufdeckung und Untersuchung von Wirtschaftsdelikten. Seine Tätigkeiten beinhalten die Leitung komplexer Korruptions-und Bestechungsfälle, Cyberkriminalität sowie Datensicherung und Diebstahl.

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