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Sonnenvitamin mit Schattenseiten

Vitamin D ist an vielen Vorgängen im Körper beteiligt. Es ist das einzige Vitamin, das vom Organismus selber gebildet werden kann. Trotzdem leidet fast jeder Zweite unter einem Vitamin D-Mangel.

Endlich wird es wieder Sommer, ist die lichtarme Zeit vorbei. Wenn da nur diese Müdigkeit, verbunden mit schlechtem Schlaf nicht wäre. Ein Grund dafür könnte sein, dass am Ende des Winters die Vitamin D-Reserven im Körper aufgebraucht sind. Also raus an die Sonne, Vitamin D tanken?

Vitamin D-Mangel im Alter

Ganz so einfach ist es nicht. Erstens ist es auch während der Sommermonate schwierig, genügend Sonnenlicht zu tanken – Stichwort Hautkrebs, Stichwort Schlechtwetterperioden. Und zweitens nimmt die körpereigene Produktion des Sonnenvitamins im Alter ab – mit Folgen, die zwar nicht direkt spürbar sind, aber doch zu massiven Mangelerscheinungen führen können.

Eine Sonnenblume für das Sonnenvitamin.

Das fettlösliche Vitamin D nimmt unter den Vitaminen eine Sonderstellung ein, weil es im Grunde gar kein Vitamin, sondern ein Steroidhormon oder Prohormon, die Vorstufe eines vom Stoffwechsel gebildeten Hormons, ist. Strukturell also verwandt mit den Sexualhomonen Östrogen und Testosteron – und im Körper ebenso präsent. «Richtige» Vitamine werden definitionsgemäss nicht vom Körper selber hergestellt, sondern müssen über die Nahrung zugeführt werden. Und Sonne kann man ja bekanntlich nicht essen – also, von einigen Esoterikern abgesehen.

Hansdampf in allen Zellen

Nun, ob Vitamin oder Hormon, ohne Vitamin D läuft im Körper manches schief. Es ist ein Wundermittel, das die Knochen stärkt, weil es die Einlagerung von Calcium unterstützt und Muskelschwäche vorbeugen soll. Deshalb ist ein genügend hoher Vitamin D-Spiegel im Blut auch ein wichtiger Faktor bei der Sturzprophylaxe – gerade für ältere Menschen. Das Vitamin, von dem man erst in den letzten Jahren weiss, dass in nahezu jeder Körperzelle Rezeptoren vorhanden sind, kann aber noch mehr. Es unterstützt das Immunsystem, spielt eine Rolle bei Herz-Kreislauferkrankungen und soll vor Depressionen und Demenz schützen.

Kindern werden ab dem Säuglingsalter Vitamin D-Tropfen verabreicht und Senioren sollten es eigentlich auch so halten. Mein Hausarzt jedenfalls empfiehlt das jedem älteren Patienten. Erstens weil die wenigsten Senioren im Sommer regelmässig leicht bekleidet Sonne tanken, zweitens, weil der Körper im Alter weniger Vitamin D bildet. Übergewichtige Patienten haben ein zusätzliches Problem, da das fettlösliche Vitamin im Gewebe eingeschlossen, statt «verstoffwechselt» wird.

Volksmedizin Lebertran

Natürlich wird Vitamin D auch mit dem Essen aufgenommen, allerdings meist in viel zu geringen Dosen. Die besten Lieferanten dafür sind tierische Produkte, vor allem fette Fische. Sie enthalten das Vitamin D3. lebertran, den viele Ältere aus ihrer Kinderzeit noch in «bester» Erinnerung haben, liefert viel Vitamin D, auch wenn es, um auf den Tagesbedrf von rund 20 Mikrogramm oder 800 Internationale Einheiten zu kommen, ziemlich viel mehr als einen Suppenlöffel voll bräuchte. In pflanzlicher Nahrung ist Vitamin D – hier mit dem Zusatz 2 – noch viel weniger verfügbar, also eigentlich nur in Avocados und Pilzen.

Nicht nur für den Tiger, auch für die Menschen ist ein Sonnenbad wohltuend und anregend.  

Bleibt also noch die Sonne. Und hier kommen die Dermatologen ins Spiel. Würde man, wie von Hautärzten empfohlen, im Sommer nur mit bedecktem Körper, respektive hohem Lichtschutzfaktor auf ungeschützten Hautpartien ins Freie, könnten die Vitamin D-Depots nie und nimmer gefüllt werden. Ganz abgesehen von der Gefahr Hautkrebs , machen Sonnenstrahlen, genauer UV-B-Strahlen, Falten und Altersflecken.

Sonne ist Lebenskraft

Also maximaler Sonnenschutz und Vitamin D-Tropfen aus der Apotheke? Und was ist mit dem wohligen Gefühl, wenn im Frühjahr die ersten wärmenden Sonnenstrahlen aufs Gesicht fallen, wenn man im Schwimmbad, im Garten oder dem Balkon nach einem (nicht allzu langen!) Sonnenbad gut gelaunt, gut durchwärmt und noch besser erholt aufsteht und sich so richtig lebendig fühlt? Denn für das Wohlbefinden und die Lebensfreude ist die Sonne um etliches besser als irgendwelche Tropfen.

Natürlich muss man im Frühling die Haut langsam an die Sonne gewöhnen, aber dann sollte man doch einen Mittelweg zwischen Hautkrebsprophylaxe und Vitamin D-Bedarf finden. Denn diese Sonnenvitamin-Produktion ist viel effizienter als jede Vitaminsubstitution – und letztlich wohl auch gesünder. Wer sich also an Sonnentagen eine Viertelstunde lang möglichst leicht bekleidet und ohne oder nur mit einer milden Sonnecrème ein Bad an der frischen Luft gönnt, fühlt sich nachher nicht nur erholt und tatkräftig, er füllt dabei auch seinen Vitamin D-Speicher etwas auf.

In Massen geniessen

Wobei man sich diese Speicher nicht wie ein grosses Einmachglas vorstellen kann, in dem das Sonnenvitamin für den Winter «eingemacht» werden kann. Denn das Vitamin D-Depot baut sich innert weniger Wochen wieder ab, muss also immer wieder nachgetüllt werden. Bei älteren Menschen, bei denen die Vitaminproduktion nur noch auf Sparflamme läuft, notgedrungen mit Tropfen. Aber die Vitaminsubstitution sollte nicht überdosiert werden, das könnte, warnen etliche Ärzte, zu akutem Nierenversagen führen.  Doch die Sonne, die sollte man an jedem schönen Tag etwas geniessen – auch wenn dieser Genuss eine kleine Schattenseite hat.

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