Der Untergang von Pompeji hat auch die Asche auf den Hausaltären der Bewohner erhalten: In den Räuchergefässen gibt es Duftstoffe aus Afrika und Asien. Eine Untersuchung kann nun globalen Handel nachweisen.
Ein internationales Forschungsteam der Universität Zürich, der Ludwig-Maximilians-Universität, LMU München und weiterer Partner untersuchte Aschereste aus Räuchergefässen. Die entdeckten Substanzen zeigen, dass Pompeji Teil eines globalen Handelsnetzwerks war. Ein internationales Forschungsteam hat erstmals wissenschaftlich untersucht, was in römischen Räuchergefässen aus Pompeji verbrannt wurde – und Überraschendes entdeckt: Neben heimischen Pflanzen nutzten die Menschen auch importierte Duftstoffe aus Afrika oder Asien. Was zeigt, dass Pompeji Teil eines globalen Handelsnetzes war.
Räucherschale aus Terrakotta mit den untersuchten Ascheresten. Der Rand ist mit drei weiblichen Figuren verziert, die wahrscheinlich verstorbene Personen darstellen, die nach ihrem Tod verehrt wurden.
79 n. Chr. brach der Vesuv aus und verschüttete das römische Pompeji und viele weitere Orte und Villen in seiner Umgebung. Die Katastrophe für die damaligen Menschen ist zugleich ein Glück für die heutige Archäologie, dank der einmaligen Erhaltungsbedingungen.
Räucherschale mit Ascheresten im Hausaltar einer römischen Villa in Boscoreale. Grabungsfoto aus dem Jahr 1986
So hatte sich unter anderem auch die Asche in den Räuchergefässen erhalten, mit denen die Römer ihren Göttern Rauchopfer darbrachten. Die Asche aus zwei solchen Opferschalen aus Pompeji und einer nahegelegenen Villa wurde nun mit einer Reihe modernster Laborverfahren analysiert.
Exotische Baumharze aus Afrika oder Asien
«Wir können nun konkret zeigen, welche Düfte im pompejanischen Hauskult tatsächlich verbrannt wurden», sagt Johannes Eber von der Universität Zürich, der die Studie leitete. «Neben regionalen Pflanzen fanden wir auch Spuren importierter Harze – ein Hinweis auf weitreichende Handelsverbindungen von Pompeji.» Besonders bemerkenswert: In einem Gefäss wurden Reste eines exotischen Baumharzes nachgewiesen, das vermutlich aus tropischen Regionen Afrikas oder Asiens stammt.
Pompejanischer Räucherkelch mit den untersuchten Ascheresten
«Molekulare Analysen deuten auch auf ein Traubenprodukt in einem der Räuchergefässe hin», sagt Maxime Rageot von der Universität Bonn, der die biomolekularen Untersuchungen in der Studie durchführte. «Dies würde mit der Verwendung von Wein in Ritualen übereinstimmen, die in römischen Bildern gezeigt und in Texten beschrieben wird, und zeigt gleichzeitig, wie wichtig es ist, archäologische Studien durch wissenschaftliche Analysen zu ergänzen», so Rageot. «Die Verbindung verschiedener aktueller chemischer und mikroskopischer Untersuchungsverfahren macht den religiösen Alltag der Menschen in Pompeji plötzlich greifbar», erklärt LMU-Archäologe Philipp W. Stockhammer, in dessen Forschungsgruppe die Studie initiiert wurde.
Weitreichendes Handelsnetz vor knapp 2’000 Jahren
Der Archäologische Park von Pompeji, der kürzlich eine neue Dauerausstellung über den Ausbruch und seine Opfer eingerichtet hat und dabei auch eine grosse Anzahl organischer Funde wie Pflanzenreste, Lebensmittel und Holzgegenstände präsentiert, unterstreicht die Bedeutung dieser Art von Studien: «Ohne Pompeji wäre unser Wissen über die römische Welt weniger reich», sagt der Direktor des Parks, Gabriel Zuchtriegel.
Pompejanischer Straßenaltar mit Götterbildern und Aschresten. Fotografie aus dem Jahr
1915
«Doch es handelt sich um einen Reichtum an Daten und Erkenntnissen, den nur eine zeitgemässe Archäologie angemessen erschliessen kann», fährt Zuchtriegel fort: «Dank der interdisziplinären Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaften können wir noch viel über das Leben in der antiken Stadt entdecken.» Die Untersuchung zeigt: Pompeji war nicht nur eine römische Stadt am Vesuv – sondern Teil eines globalen Handelsnetzes, dessen Spuren sich sogar im Duft ihrer Hausaltäre nachweisen lassen.
Titelbild: Forum Forum von Pompeji. Blick Richtung Vesuv. © Parco Archeologico di Pompeii. Foto: Johannes Eber
Alle Bilder: © Parco Archeologico di Pompeii

