Leicht bekleidet den Sommer geniessen, das ist heutzutage fast ein vorsätzlicher Raubbau an unserer Gesundheit. Jeder Sonnenstrahl verletzt die Haut und Melanomerkrankungen nehmen weltweit zu. Sonnenschutz ist essenziell. Aber was ist mit dem «Sonnenvitamin D», das für gesunde Knochen und Zähne und für viele Stoffwechselvorgänge im Körper unverzichtbar ist?
Sonne und gebräunte Haut, das war für uns in der Jugend der Inbegriff von Sommer. Niemand sprach vom Sonnenschutzfaktor und Melanomerkrankungen waren noch kein Thema. Im Gegenteil: Sport treiben im Freien oder stundenlanges Sonnenbaden gehörte einfach dazu, alles ohne Sonnencreme natürlich.
Höchstens etwas «Melkfett» wurde eingerieben, weil das die Haut so schön brutzeln und noch brauner werden lassen sollte. Die Pflege kam erst später. Dann, wenn sich die Haut so hässlich abschälte. Gebräunte Haut war ein Zeichen von gesundem Lebenswandel, bewies, dass man sich viel im Freien aufhielt und kein Stubenhocker war.
Gefahrenquelle Sonnenstrahlen
Heute sind wir alle viel aufgeklärter und damit auch vorsichtiger. Das Schreckgespenst Melanomkarzinom, aber auch die Warnung der Dermatologinnen und Hautärzte, dass Sonnenstrahlen Falten entstehen lassen, zeigen Wirkung. Ob eine intensivere Sonneneinstrahlung aufgrund einer dünnen werdenden Ozonschicht für die erschreckende Zunahme des «Schwarzen Hautkrebs» allein verantwortlich ist, ist unwahrscheinlich.
Sonnenbaden ist heute mit gutem Gewissen nur noch für kurze Zeit sinnvoll.
Kulturelle Entwicklungen spielen ebenfalls eine Rolle: Reisen in sonnige, heisse Länder, allgemein leichtere Kleidung und die Nutzung von Bräunungsstudios tragen dazu bei, dass das Melanom zwar nicht zu den häufigsten, aber doch zu den häufigen Krebsarten in Europa gezählt wird.
Wo bleibt die gesunde Wirkung der Sonne?
Allerdings gibt es die andere Seite der Sonnenstrahlen: Jede Sonnenexposition setzt im Körper einen Prozess in Gang, der lebenswichtig ist: Die Produktion von körpereigenem Vitamin D. Ohne dieses Vitamin wird der Mensch krank. Das fettlösliche Vitamin, das eigentlich ein Hormon ist, unterstützt nicht nur die Bildung starker Knochen, es stärkt auch das Immunsystem, ist entzündungshemmend, verringert die Infektanfälligkeit und hilft bei der Zellregeneration.
Und wir haben zu wenig davon! Der Mangel an Vitamin D ist weit verbreitet – auch in den Sommermonaten. Da kommen uns auch die oben skizzierten Massnahmen zur Melanomprävention in die Quere, Wer sich konsequent mit einem Sunblocker vor jedem Sonnenstrahl schützt, verhindert auch die körpereigene Produktion des Vitamin D.
Vitamintabletten statt Sonnenbad?
Dann schlucken wir halt Vitamintabletten oder –tropfen, ist eine Schlussfolgerung, die etwas zu kurz greift. Es ist umstritten, ob diese Vitamin-D-Supplements sich ebenso positiv auf die Prozesse im Körper auswirken wie die natürliche Sonnendosis. Dazu kann die körpereigene Produktion nicht überdosiert werden, was bei den künstlichen Präparaten leicht möglich ist und zu Nierenschäden führen kann.
Auch das Alter spielt eine Rolle bei der «Verwertung» der natürlichen Sonneneinstrahlung, ebenso der Standort – ob am Wasser, auf einem Berg, in den Ferien im Süden. Stundenlanges Sonnenbaden wird aber in keinem Fall propagiert. Aber Bewegung in der Natur, ob im Garten oder beim Sport empfiehlt sich, allerdings in Massen. Gerötete Haut ist immer ein Zeichen, dass es jetzt genug ist.
Essbarer Sonnenschutz
Sogar die Ernährung kann dazu beitragen, dass man ein optimales Gleichgewicht zwischen Sonnenschutz und Vitaminproduktion erreicht. Obst und Gemüse enthalten Antioxidanzien, Vitamin D ist in Eigelb, fettem Fisch und, etwas weniger, in Butter, Käse und in Pilzen enthalten. Da steht doch einem vernünftigen Genuss von Sonnenlicht nichts mehr im Wege!

