FrontGesellschaftKeine Mücke an Habakuk!

Keine Mücke an Habakuk!

Der Garten im Januar. Alles ist weiss und das ist gut so. Das sagen jedenfalls die alten Wetterregeln und Lostage.

Jetzt sitzen auch Gartenfreunde gerne gemütlich am Warmen – wenn sie nicht am Schneeschaufeln sind. Wer alle neuen Gartenkataloge bereits durchgeblättert hat, der könnte sich ja mal mit den Bauernregeln und Lostagen befassen, die auf über Jahrhunderten angesammeltes Wissen und Erfahrungen gründen.

Die Eisheiligen, Schafskälte oder Hundstage sind uns auch heute noch präsent. Was allerdings ein katholischer Heiliger an seinem Namenstag so alles versprechen kann, das findet sich nur noch in Bauernkalendern oder im Internet. Ein Vorbehalt ist dabei angebracht: Es sind Erfahrungswerte und nicht präzise Prognosen. Im Zweifelsfall halte man sich an die Regel: «Dann ändert das Wetter oder es bleibt, wie es ist.»

Lostage sind wie Horoskope

Lostage sind Merktage, die an Namenstagen von Heiligen festgemacht sind und auf jahrhundertelangen Wetterbeobachtungen basieren. Der Martinstag am 11. November, der auch heute noch verbreitet mit einem Martinimahl gefeiert wird und lange als Zinstag bekannt war, ist einer der wichtigen Wetterpropheten: «An Martini Sonnenschein, tritt ein kalter Winter ein.» Oder: «Ist’s an Martini nicht trocken und kalt, die Winterkälte nicht lange anhalt.»

Im Januar wird, wie ja auch bei den Horoskopen, gerne in die Zukunft geblickt. Was bringt das Jahr, wie wird die Ernte gelingen? Der 22. Januar wird alles zeigen: «Wie das Wetter um Vinzenzi war, so wird es sein im ganzen Jahr.» Zwei Tage vorher aber dürfte es wettermässig ruhig etwas garstiger sein: «Sturm und Frost an Fabian, ist den Saaten wohlgetan.» Und am 24. heisst es dann «Timotheus brichts Eis, hat er keins, so macht er eins.» Den 15. Januar haben wir auf alle Fälle schon gut überstanden, dank den herrschenden Minusgraden: «Spielt die Mücke um Habakuk, der Bauer nach dem Futter guckt.»

Sehnsucht nach dem Frühling

Besonders reich an Wetterregeln und Lostagen ist der Februar. Schon immer sehnten sich die Menschen nach der dunklen Zeit nach sonnigeren, wärmeren  Tagen und hofften auf einen baldigen Frühling. Aber aufgepasst: «Wenn Lichtmess (2. Februar) hell und klar, gibt es zwei Winter in diesem Jahr.» Oder: «Scheint zu Lichtmess die Sonne heiss, gibt es noch viel Schnee und Eis.» Und am Valentinstag soll es doch bitte nicht regnen: «Trinkt St. Valentin viel Wasser, wirds um den Frühling umso nasser.» Dann schon lieber Schneeschaufeln: «Ists am Valentin noch weiss, blüht zu Ostern schon das Reis.» Und ganz allgemein gilt: «Heftige Nordwinde im Februar, vermelden ein fruchtbares Jahr. Wenn aber der Nordwind im Feber nicht will, kommt er sicher im April.»

Aufgepasst dann am 3. März: «Wenn es Kunigunde friert, sie’s noch 40 Nächte spürt.» Und am 10. wird nachgedoppelt: «Wie’s Wetter auf Vierzigritter fällt, es sich noch sieben Wochen hält.» Aber an Ostern sollte es doch endlich Frühling werden. Wenn da der Gründonnerstag nicht wäre, denn «Gründonnerstag weiss, Sommer heiss.» Karfreitagsregen dann aber «soll einen schönen Sommer geben».

Erfahrungswerte

Meine (reformierte) Grossmutter hatte zum Ende der Karwoche übrigens ihre ganz eigene Meinung. Ab Karfreitag bis Ostermontag rührte sie im Garten rein gar nichts an, da sei kein Segen drauf. Mit einer Ausnahme: Jeden Karfreitag säte sie in ihrem Kräutergarten Petersilie aus. Und wissen Sie was? Das mache ich nach Möglichkeit auch und nie gehen diese heiklen Samen besser auf als an diesem Datum. Das ist mein ganz persönlicher Lostag.

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