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Alt werden und gesund bleiben

Wieder sind wir ein Jahr älter geworden. Auch die Jungen, aber die stecken das locker weg. Aber wir Älteren spüren unsere Jahrringe. Und hoffen auf möglichst beschwerdefreie Monate.

Wie alt ist eigentlich alt? Bei den Medien und Werbeagenturen bildeten bis vor kurzem die 14- bis 49-jährigen die idealen Zielgruppe – jung, dynamisch, konsumfreudig. Bis die Golden Ager, Silver Ager, ja, sogar Best Ager als kaufkräftige Konsumenten entdeckt wurden. Auch von den Krankenkassen. Bei denen allerdings sind die  älteren Menschen Kostenrisikofaktoren. Ohne Gold oder Silber.

Also: Alt werden und gesund bleiben, das ist die Devise. In Bezug auf die Lebenserwartung liegt die Schweiz in Europa an der Spitze, was allerdings nur quantitativ, nach Anzahl der Lebensjahre, zu verstehen ist. Der Wunsch von uns allen aber ist es, geistig und körperlich gesund alt zu werden.

Aktiv leben

Ein allgemeingültiges Rezept dafür gibt es nicht. Natürlich sind da die altbekannten Ratschläge wie gesund essen, Sport treiben, genug schlafen und ganz allgemein vernünftig leben. Und es gibt immer mehr Waffen, die die Medizin gegen Erkrankungen im Alter entwickelt hat und immer noch entwickelt.

Um aber die Lebensspanne zu verlängern, in der man selbstbestimmt, unabhängig und weitgehend ohne Beschwerden leben kann, muss man selber aktiv werden. Jeden Tag. Wobei viele Risikofaktoren, die im Alter zu Stoffwechselbeschwerden, Krebs oder Herz-Kreislauferkrankungen führen, leider viel früher, also mit 30, 40 Jahren hätten angegangen werden müssen.

Lebenslanges Lernen ist gar nicht so schwer. Und hält Körper und Geist beweglich.

Aber hey! Um mit Optimismus, Energie und etwas Willen sein Leben im hier und heute zu gestalten, ist es nie zu spät. Das Zauberwort heisst «aktiv bleiben». Der Tübinger Philosoph Otfried Höffe, Autor des Buches «Die hohe Kunst des Alterns», erklärt «aktiv bleiben» mit den vier «L»: Laufen, Lernen, Lieben, Lachen. Und bringt damit im Grunde die ganzen Gestaltungsmöglichkeiten eines erfüllten Alters auf den Punkt.

Sitzen macht krank

Wer in Bewegung bleibt, tut nicht nur seinem Körper Gutes, sondern auch seiner Seele. Ein Spaziergang durchs Quartier ermöglicht Kontakte, eine Wanderung, Sport treiben, tanzen, singen bringen neuen Schwung in den Alltag. «Sitzen ist das neue Rauchen» ist der provokante Titel eines Sachbuchs, das sich mit den Folgen (zu) langen Sitzens beschäftigt. Pro Stunde fünf Minuten aufstehen und umhergehen, empfehlen viele Ärzte.

Und mindestens jeden zweiten Tag einen längeren Spaziergang oder so viel Sport einplanen, dass der Puls merklich ansteigt oder dass man ins Schwitzen kommt. Das sollte zur guten Gewohnheit werden, denn Bewegung sorgt für mehr Zufriedenheit und nicht zuletzt auch für eine angenehme Müdigkeit und einen guten Schlaf.

«Lernen» ist da schon schwieriger umzusetzen. Eine neue Sprache lernen, sich mit physikalischen Problemen beschäftigen, ein Strickmuster ausprobieren oder sich im digitalen Umfeld weiterzubilden, ist nicht jedermanns Sache. Aber lernen kann auch heissen, zuzuhören, Zeitung zu lesen, sich im Kino oder Theater eine Meinung zu bilden, zu reisen oder ein Buch zu lesen. Geistig aktiv bleiben kann man auf vielen Ebenen.

Das Leben lieben

Viel leichter umzusetzen ist hingegen das dritte «L», Lieben. «Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben», reimte schon Goethe. Der übrigens 83 Jahre alt wurde, zu einer Zeit, als die durchschnittliche Lebenserwartung gerade mal die Hälfte dieser Jahre betrug. Und Goethe hat geliebt! Die Frauen, den Wein, seinen Garten, das Wohlleben, aber auch die Kommunikation mit seinem Umfeld, den Austausch mit Dichterkollegen und Wissenschaftern. Denn Goethe war nicht nur literarisch tätig, er hat auch eine damals viel beachtete Farbenlehre entwickelt.

Zu lieben, das ist nicht schwierig. Und sollte doch immer wieder geübt werden. Denn Liebe ist keine Einbahnstrasse, muss ein dichtes, warmes Geflecht sein, in dem vieles und viele Platz haben. Wäre ja doch etwas traurig, wenn die Liebe zum Wein die einzige noch funktionierende Beziehung wäre …

Lachen vor dem Spiegel

«Lachen ist die beste Medizin» sagt der Volksmund. Unter dem Titel «Psychosoziale Gesundheit» finden sich viele Publikationen zum Thema und auch die Medizin und Psychologie belegt, dass Lachen sich positiv auf das Wohlbefinden auswirkt. Angefangen bei der Stimulation von Muskeln und Stoffwechsel bis zur Schmerz- und Stresslinderung. Übrigens: Um eine positive Wirkung zu spüren, reicht es, sich am Morgen vor dem Spiegel selber anzulachen. Das wurde wissenschaftlich untersucht. Bereits die provozierte Aktivierung der Lachmuskeln macht den Körper glücklich.

«Lachen macht glücklich und gesund. Ist medizinisch belegt.

Heute gibt es Lachseminare und-Therapien und dabei wird gelehrt, was doch eigentlich ganz einfach ist: Hinausgehen, Kontakt suchen und miteinander reden. Ein Beispiel: Sie regen sich zuhause furchtbar auf, weil Ihnen ein Name einfach nicht mehr einfallen will. Von Lachen natürlich keine Spur. Sitzen sie aber im Freundeskreis und erzählen von ihrem nachlassenden Namensgedächtnis, finden sie bald Gleichgesinnte. Und bald lachen alle über diverse skurrile «Aussetzer».

Natürlich gibt es noch viele andere Situationen, die einen zum Lachen bringen – man muss sie nur finden. Übrigens: Kinder lachen, statistisch gesehen, rund 400 Mal pro Tag, wir Erwachsenen nur noch 20 Mal. Zum Schluss – und zum neuen Jahr – noch ein Vers zum Schmunzeln von Erich Kästner: «Wirds besser? Wirds schlimmer? Fragt man alljährlich. Seien wir ehrlich: Leben ist immer lebensgefährlich.»

Otfried Höffe: «Die hohe Kunst des Alterns». 2018 Verlag C.H.Beck.

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