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Ein Gartenzaun, um durchzuschaun

Wie wird aus einem Stück Land ein Garten? Mit einer klar definierten Grenze. Einem «Lattenzaun, mit Zwischenraum, hindurchzuschaun» wie Christian Morgenstern reimte. Mit einer Mauer, wie beim Rapunzelgarten der bösen Zauberin. Oder einer Rosenhecke, wie bei Dornröschen.

Es ist eine uralte Weisheit: Ein Garten braucht eine Begrenzung. Das ist schon etymologisch, also vom Ursprung der Wörter her, zu erklären: «Gart» im Althochdeutschen und «Garda» im Gotischen bedeuten Hürde, Abschrankung. Und die Holländer entspannen auch heute noch im «Tuin», ihrem Garten, der dem Wortstamm nach mit unserem «Zaun» verwandt ist.

Kein Garten ohne Zaun also. Man denke nur an die alten Bauernhäuser, die inmitten grüner Felder und Wiesen liegen. Die dazu gehörenden Gärten sind immer eingezäunt. In erster Linie natürlich, damit das Vieh auf der Weide und die Hühner die Salatköpfe und Blumenrabatten verschonen. Ein Zaun ist Abgrenzung gegen aussen und Schutzwall gegen innen. Er schützt die Pflanzen, schafft ein Mikroklima. Und dies sowohl real – als Windschutz – wie auch emotional.

Wo soll er sonst stehen, der Engel mit dem Schwert?

Sogar der Garten Eden war umzäunt. Das lässt sich jedenfalls aus den altpersischen Begriffen «pairi» und «daeza» ableiten, von denen das Wort «Paradies» abstammt. Ersteres bedeutet «umfassen», das zweite «Mauer». Was ja logisch ist. Wie sonst hätten Adam und Eva aus dem Garten Eden vertrieben werden können? Wo könnte der Engel mit dem flammenden Schwert denn gestanden haben, wenn nicht an der Gartenpforte?

Im Winter kann auch ein nackter Metallzaun zu einem Blickfang werden. (pixabay)

Ein Gartenzaun kann unterschiedliche Signale aussenden. Er ist Abschottung gegen aussen, Sicht- und Lärmschutz zugleich. Oder er bildet gleichsam einen Rahmen, fasst einen Garten mit Wildem Wein, Hagrosen oder wuchernder Clematis ein.

Und hat heute einen etwas negativen Nachgeschmack. «Gärtchendenken» ist fast ein Schimpfwort, wird mit engstirnig, Neuem gegenüber nicht aufgeschlossen gleichgesetzt. Wobei: Die Latten eines Gartenzauns sind noch lange kein Indiz dafür, dass die Gartenbesitzer allesamt ein Brett vor dem Kopf haben müssen.

Offen, kommunikativ – und konfliktanfällig

Ein Wohnquartier ganz ohne optische Schranken gegen die Strasse hin signalisiert vielleicht wirklich Weltoffenheit und Gastfreundschaft. Wenigstens so lange sich nicht die Hunde aus der Umgebung im Vorgarten versäubern und die Bälle der Nachbarskinder immer wieder in den Blumenrabatten an der Hausmauer landen.

Ein Mäuerchen als Abgrenzung gegen das Nachbarsgrundstück. (b.r.)

Wenn man auf dem Sitzplatz gerne Siesta halten oder mit Gästen am Gartentisch gepflegt essen möchte und die Nachbarskinder dauernd vorbeiflitzen, Federbälle am Kopf oder im Teller landen und begehrliche Blicke einen das Dessert fast verleiden, dann ist es mit der grenzenlose Nachbarschaftsliebe aber meist schnell vorbei.

Klare Grenzen können deshalb viel zu einem entspannten Zusammenleben unter Nachbarn beitragen. Schliesslich wird die Umzäunung eines Gartens ja auch als «Einfriedung» bezeichnet.

Wie diese Eskalationsbremse aussehen soll, ist jedem einzelnen überlassen. Eine opulente schmiedeiserne Einfassung passt vielleicht besser zu einer herrschaftlichen Villa als zum Reihenhausgarten, kompakte Holzwände und Mauern können unerwünschte Schatten werfen und Holzzäune brauchen Pflege. Nicht jeder ist ein Tom Sawyer aus Mark Twains gleichnamigen Schelmenroman, der es verstand, das Streichen des Zauns, das er als Strafe aufgebrummt bekommen hatte, zu einem begehrten Freizeitvergnügen umzudeuten.

Mit Kletterpflanzen und Sträuchern kann ein Maschendrahtzaun kaschiert werden. (b.r.)

Wer gegen die Strasse hin nur ein paar niedrig wachsende Sträucher als Grenzmarkierung setzt, merkt vielleicht bald, dass dahinter nur allzu gerne Abfall deponiert wird. Und wer eine Hecke pflanzt oder durch in den Boden gesteckte frische Weidenruten einfach wachsen lässt, wird in ein paar Jahren regelmässig mit der Heckenschere zugange sein. Drahtgeflecht schliesslich ist nicht wirklich eine Augenweide, kann aber, bepflanzt mit rankenden und kletternden Pflanzen ganz schnell zu einem lebendig bunten Gartenabschluss werden.

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