StartseiteAllgemeinHalbzeit bei den Pfadis

Halbzeit bei den Pfadis

Es ist Halbzeit bei den 30’000 Pfadfinder im Bundeslager im Goms VS. Zeit für einen Besuch. Es ist Elterntag. Aus allen Richtungen strömen die Besucher mit der Bahn und in Cars nach Ulrichen.


Übersicht aus Richtung Westen. Bild: SRF

Auch ich mache mich auf den Weg. Von Andermatt her trifft die Gotthard-Matterhorn-Bahn  in Ulrichen ein. Schon bei der Einfahrt sieht man die vielen Zelte und Türme des Lagers. Ich setze meine Füsse auf das Perron und versinke in Gedanken an alte Zeiten.

Ulrichen ist ein besonderer Ort. Nicht weit vom Bahnhof entfernt, organisiert der damalige FIFA-Präsident Sepp Blatter auf dem Fussballplatz das jährliche «Sepp Blatter-Turnier» mit geladenen Gästen aus dem In – und Ausland. Auf einer Bank unter schattigen Bäumen sagte er mir vor einiger Zeit auf die Frage, woher er die Kraft und Energie schöpfe, «Schau doch die Gegend an. Die Berge, die Luft, das Geräusch des Rottens (Rhone). Das ist Energie pur. Ulrichen ist ein Kraftort. Hier wurde mein Grossvater geboren. Hier tanke ich Energie.»

Auf die gleiche Frage, antwortete mir Franz Beckenbauer. «Das müssen die Berge, die Luft und das Geräusch des Flusses sein.» Ich vermute, dass diese Energie die vielen Pfadis so froh stimmen. Auf dem Weg ins Lager sehe ich nur lachende Gesichter. Da wird geschupst, gelacht und gesungen.


Pfadis singend unterwegs

Auf dem kilometerlangen Weg sehe ich in einem Fliegerunterstand die Fahrzeuge der Feuerwehr. Dies war einmal der höchstgelegene Militärflugplatz der Schweizer Armee, der im Jahre 1999 still gelegt wurde. Am westlichen Ende wurde ein Badesee erstellt.


Im Badesee tummeln sich die Pfadis

In diesem See tummeln sich die Pfadis. Weiter unterwegs sieht man verschiedene Zelte, kleine, grosse und auf Türmen aufgebaute. Und in einem dieser Zelte treffe ich meinen Enkel Valerio (Achilles), der vom Lager hell begeistert ist und schon vieles erlebt hat. Das obligate «Fresspäckli» durfte natürlich nicht fehlen.


Valerio (Achilles) vor dem Turm. Sein Lager ist im ersten Stock

Verhungern müssen die Pfadis nicht. Es gibt verschiedene Kochnischen vor und in Zelten. Der Lebensmittelnachschub ist auch garantiert. Das Lieblingsessen der Pfadis: Penne mit Tomatensauce. Für diese Mahlzeit braucht es vier Tonnen Penne, 1,25 Tonnen Reibkäse und 5000 Liter Tomatensauce.


Essensausgabe bei einer Gruppe
Auch für Unterhaltung ist gesorgt. Auf einer grossen Bühne fand die Eröffnungsfeier statt,  im mit Solarbetriebenen Kino werden spannende Filme gezeigt und man singt alte und neue Pfadilieder.

Auf dem Lagerplatz stehen 700 Toiletten und 130 Duschen. Das Wasser wird primär aus Ulrichen bezogen. Selbstverständlich hat die Wasserversorgung der AnwohnerInnen höchste Priorität. Wird das Wasser knapp, werden darum zuerst die Duschen auf dem Lagerplatz abgestellt.

Das Wasser wird vom Hydranten gespiesen

Am Ende des Tages besuche ich die nicht weit entfernte erste Linkskurve der Nufenenstrasse. Mein Vater Ludwig hatte beim Bau der Nufenenstrasse die Oberaufsicht und darum taufte man in Dankbarkeit für die gute Arbeit die Kurve in «Ritlerkehr».


Die ersten Pfadi reisen wieder ab

Und auf dem Rückweg durch den Furkatunnel erinnerte ich mich an die Szene, als mein Vater, sein Vorgesetzter, der spätere Bundesrat Roger Bonvin und ich oberhalb von Oberwald standen. Bonvin strich mit der Hand über meine Haare und fragte meinen Vater: «Wäre das nicht eine gute Idee, von hier einen Bahntunnel nach Realp zu bauen?» Mein Vater war begeistert und so wurde Jahre später der Durchstich in Realp gefeiert, an dem ich als Journalist den Bundesrat an die Geschichte erinnern wollte. Leider konnte er krankheitsbedingt am Durchstich nicht teilnehmen.

Fotos: Josef Ritler (Giraffe)

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