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Was riecht denn da?

Es ist heiss. Im öffentlichen Verkehr stehen die Leute dicht an dicht. Was, olfaktorisch, also auf den Geruch bezogen, nicht immer die reine Freude ist. Viele Ältere merken allerdings, dass sie gar nicht mehr so empfindlich auf Gerüche reagieren wie früher. Ist ihr Geruchssinn schwächer geworden?

Lässt das Geruchsempfindens im Alter nach? Wer dieser Frage im Internet nachspürt, erhält eine Vielzahl an Informationen. Von erhöhter Sterblichkeit ist da die Rede, vom Marker für einen baldigen Tod und von einer ganzen Anzahl von Erkrankungen. Ohne in Panik zu verfallen: Wenn plötzlich die reifen Erdbeeren nach nichts mehr riechen, der Zigarettenqualm des Nachbarn nicht mehr stört und der gute Wein wie pures Wasser schmeckt, dann ist eine ärztliche Abklärung angebracht.

Mit dem letzten Beispiel ist auch bereits eine Besonderheit des Geruchsinns angesprochen: Er ist eng mit den Geschmacksrezeptoren auf der Zunge verflochten. Das heisst, wir sehen zwar die perfekt gebräunte Bratwurst vom Grill, freuen uns auf die luftige Mousse auch chocolat oder den saftigen Apfel, aber das volle Geschmackserlebnis kommt erst auf, wenn die Moleküle über Mund und Nase auf die Riechschleimhaut gelangen.

Den Schmetterling wird unsere Nase nicht riechen, aber eine Bratwurst vom Grill oder reife Himbeeren werden erst zum Genuss, wenn auch die Nase mitmacht.

Haben wir doch alle schon erlebt. Eine starke Erkältung, eine verstopfte Nase – und das Essen will einfach nicht mehr richtig schmecken. Das gibt sich wieder, wenn der Schnupfen abgeklungen ist.

Wer allerdings sehr häufig erkältet ist, dessen Geruchsinn wird wirklich nachhaltig geschädigt, weil die Schnupfenviren das Epithelgewebe in der Nase vernarben. Das ist die Schutzschicht, die alle inneren und äusseren Körperoberflächen bedeckt. Dieser Prozess findet auch, langsamer, bei der Alterung statt: Wer alt wird, der büsst ein Teil seiner «guten Nase» ein.

Plötzlich darf das Essen scharf sein

Das führt unter anderem dazu, dass Ältere vermehrt stark gewürztes Essen mögen, der Meinung sind, früher seien die Himbeeren geschmackvoller gewesen und das Lüften der Wohnung sei gar nicht mehr so häufig nötig. Während der Covid-Pandemie wurde der Geruchssinn – oder besser sein Fehlen – vielen so richtig bewusst: Die Infektion bewirkte häufig, dass Erkrankte nichts mehr riechen konnten. Wenigstens für eine Zeitlang.

Damals rückten auch die «Riechtrainings» ins Bewusstsein der breiten Bevölkerung. Sie sind für Ältere heute noch sinnvoll. Zwar gibt es keine Brillen oder Hörgeräte für die Nase – auf der Nase schon, aber die helfen nicht beim Riechverlust. Wer im täglichen Leben ganz bewusst Aromen auf der Zunge wahrnimmt, Düfte einatmet und sich mal mit geschlossenen Augen an Riechproben versucht, der setzt dem natürlich Alterungsverlust der Nase doch etwas entgegen. Wer seinen Geruchssinn allerdings schnell und markant verliert, der sollte schnell bei einer HNO-Praxis vorstellig werden. Solche Symptome gehören ärztlich abgeklärt.

Eine Fotoalbum für die Nase: Der Riechkolben, Bulbus olfactorius, kann Erinnerungen abrufen, die ganz weit zurückliegen. (alle Bilder pixabay)

Zu Schluss noch ein riesengrosses Kompliment an die Nase: Sie ist das Organ, das fast nichts vergisst. Da steht an einem offenen Fenster ein Kuchen zum Auskühlen – und Sie fühlen sich mit einem Schlag in die Küche Ihrer Grossmutter zurückversetzt, die genau nach diesem Rezept jeweils Ihren Geburtstagskuchen gebacken hat. Oder Sie stehen im voll besetzen Tram und plötzlich steigt Ihnen der Duft eines After Shaves in die Nase. Und alles ist wieder da: Das Herzklopfen, die erste Teenagerverliebtheit, die heissen Küsse, das Prickeln auf der Haut.

Ist, natürlich, ganz wissenschaftlich zu erklären. Der Riechkolben in der Nase – Bulbus olfactorius – liegt nahe bei der Amygdala, einem Teil des limbischen Systems im Gehirn und neben dem Hyppocampus, der Schaltstelle zwischen Kurz- und Langzeitgedächtnis. Deshalb die durch einen Geruch hervorgerufenen emotionalen Erinnerungen, die unvermittelt auftauchen können. Schön zu wissen. Mir reicht die olfaktorische Begegnung mit dem Duft eines bestimmten Rasierwassers im Tram.

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