In unserem nördlichen Nachbarland werden mehrere Regionen mit dem Zusatz «Schweiz» versehen. Die Gründe sind plus/minus überall die gleichen. Ein Besuch in der Märkischen Schweiz.
Fränkische Schweiz (Bayern), Sächsische Schweiz (Sachsen), Holsteinische Schweiz (Schleswig-Holstein): In Deutschland wimmelt es geradezu von Gegenden, die den Namen «Schweiz» in sich tragen. Das digitale Online-Magazin «deutsche Reisereporter» spricht von über 100 mehr oder weniger bekannten Gegenden, die bei unserem nördlichen Nachbarn mit diesem Zusatz benannt werden. Weltweit sollen es sogar an die 250 sein, worunter auch in Frankreich, Polen oder in den USA, ja sogar in Namibia, Neuseeland oder auf Haiti.
Die «echte» Schweiz wird für viele als Land mit einer traumhaften Landschaft, mit unzähligen Hügeln, Seen, Schluchten oder Felsen wahrgenommen. Da die oben genannten Regionen auch solche Merkmale aufweisen, erhielten sie im 19. Jahrhundert oft den Beinamen «Schweiz», nicht zuletzt zu Marketingzwecken.
Die deutsche Zentrale für Tourismus listet die bedeutendsten Regionen mit Schweizer Bezug auf. Eine davon ist unser Reiseziel – die Märkische Schweiz. Der Hauptort Buckow liegt nur rund 60 Kilometer von der deutschen Hauptstadt Berlin entfernt.
Buckow ist nicht gleich Buckow
Doch aufgepasst: Wer nicht genau hinschaut und einfach ein Ticket von Berlin nach Buckow mit dem Handy löst, kann auch an einem ganz anderen Ort mit dem gleichen Namen landen, so wie uns das passiert ist: Nämlich im Niemandsland, wo faktisch noch jedem Autofahrer auf der Strasse zugewunken wird. Im ehemaligen Ostdeutschland gäbe es mehrere Orte unter dem Namen Buckow, erzählt uns ein dort wohnendes Ehepaar. «Das Buckow in der Märkischen Schweiz liegt dagegen rund eine Autofahrstunde von hier entfernt», klärt der Mann auf. Touristinnen oder Touristen, die sich fälschlicherweise an seinen Wohnort verirren, bekomme er des Öfteren zu Gesicht…
Viel Grün und herrschaftliche Häuser…

... aber auch noch Spuren aus der DDR-Vergangenheit.
Wir kehrten nach Berlin zurück und starteten ein paar Tage später einen neuen Anlauf, diesmal erfolgreich.
Das Örtchen Buckow in der Märkischen Schweiz verbreitet noch den Charme der früheren DDR, was die positive Seite dieses Landes anbetrifft: Kleine Läden etwa, in denen man nicht nur gemütlich auf der Veranda einen Kaffee trinken und Kuchen essen, sondern auch so ziemlich alle Waren für den täglichen Bedarf kaufen kann.
Das Schweizerhaus
Eine sehr lange Strasse teilt den Ort Buckow. Ganz oben kommt nochmals ein Stück Schweiz zum Vorschein: Das Besucherzentrum Schweizerhaus. Hier finden Interessierte nicht nur Wanderkarten und Tipps für Ausflüge. Eine Ausstellung lädt an mehreren interaktiven Stationen auch zu Expeditionen in den Naturpark – die eiszeitliche Entstehung der Landschaft und vielfältige Lebensräume – ein. Anhand von Tierpräparaten lässt sich etwa erleben, wie ein Seeadler seine Beute greift. Ein Restaurant gibt es im Schweizerhaus allerdings nicht mehr. Es wurde schnell geschlossen, nachdem dort Nazi-Lieder zu hören waren, wie auf einer Schautafel zu lesen ist.
Das Schweizerhaus bildet den Ausgangspunkt für Wanderungen in eine interessante Gegend. Die Landschaft der Märkischen Schweiz wurde massgeblich durch eiszeitliche Moränen geformt. Sie sorgt für das sonst untypisch hügelige Relief («Schweiz»).
Wer Ruhe sucht, kommt hier auf seine Kosten. Eine einzige Menschenseele sehen wir auf der langen Wanderung. Laut Angaben des Tourismusbüros gibt es unzählige Wanderwege auf einer Strecke von fast 150 Kilometern. Neben tollen Ausblicken begegnen uns in der Märkischen Schweiz nahezu alle typischen Landschaftselemente des Landes Brandenburg auf engstem Raum: Wiesen, Bäche, Wälder. Und nicht zu vergessen der Schermützelsee, der grösste See der Region, der sich auf einer Panorama-Wanderung umrunden lässt.
Kneipp-Bäder und Dichter
Die Märkische Schweiz hat allerdings nicht nur Ausflüge und Natur zu bieten. Der zentrale Hauptort Buckow darf sich auch das älteste Kneippheilbad Brandenburgs nennen. An vielen Orten stösst man auf Möglichkeiten, um Arme oder Beine wohltuend in ein Kneippbad zu tauchen.
Kneippen kann man in Buckow an unzähligen Stellen.
Und last but not least: Schon früh begeisterte die Märkische Schweiz auch die Herzen von Dichtern und Schriftstellern; ein weiterer Anziehungspunkt, der Touristinnen und Touristen an diesen Ort lockt. An erster Stelle gilt es in diesem Zusammenhang das Brecht-Weigel-Haus zu nennen.

Der Sommersitz des Schriftstellers Berthold Brecht und seiner Frau Helene Weigel. Fotos: Cathrin Bach
Die Schauspielerin Helene Weigel blieb bis zu Berthold Brechts Tod dessen Ehefrau. Das Künstlerehepaar nutzte das Anwesen am Schermützelsee zur Erholung und zum Arbeiten. Nach Brechts Tod im Jahr 1956 blieb der Ort für Helene Weigel bis 1971 ein wichtiger Zufluchtsort.
Die Liegenschaft ist heute eine Gedenkstätte und öffentlich zugängliches Museum (die kurzen Öffnungszeiten variieren übrigens je nach Jahreszeit). Besichtigt werden können unter anderem die original eingerichtete Wohnhalle in der sogenannten «Eisernen Villa» sowie Ausstellungsstücke und Originalrequisiten zu Brechts Theaterarbeiten; so etwa der legendäre Planwagen aus der berühmten Inszenierung von «Mutter Courage und ihre Kinder».
Nur unweit entfernt befindet sich ein weiteres Haus, das Bertolt Brecht, dem zahlreiche Affären nachgesagt werden, einst einer seiner Geliebten gekauft hatte. So konnte diese (Käthe Reichel) ganz in seiner Nähe wohnen, während Brechts Frau Helene Weigel auf dem Hauptanwesen lebte. Sie duldete seine vielen Eskapaden in ihrer Partnerschaft, in der sie die unersetzliche «Hauptfrau» und Managerin seines Lebenswerks war.
Informationen:
Besucherzentrum Schweizer Haus,
Lindenstraße 33
15377 Buckow
Tel: 033433 15841
NP-maerkische-schweiz@lfu.brandenburg.de
Anreise nach Buckow mit öffentlichen Verkehrsmitteln:
Am schnellsten geht es mit dem Regionalzug RB 26 ab den Bahnhöfen Berlin-Ostkreuz oder Berlin-Lichtenberg bis zum Bahnhof Müncheberg (Mark). Von dort mit der Buslinie 928 direkt ins Zentrum von Buckow.
Titelbild: Das Schweizerhaus. Von hier aus gibt es zahlreiche Ausflugsmöglichkeiten.
