Etlichen Älteren wird es vertraut vorkommen: Nach einer Auszeit kommt das Angebot, sich vorzeitig pensionieren zu lassen. Zu besten Bedingungen natürlich und weil man es doch verdient habe. Detective Sergeant DC Smith im Roman «Ein unglücklicher Tod» von Peter Grainger geht es genau so – aber er will nicht.
Weil er sich gegen den vorzeitigen Ruhestand wehrt, wird dem störrischen Ermittler ein Fall zugeteilt, der eigentlich keiner ist: Ein 17-Jähriger ertrinkt an einem heissen Nachmittag im Fluss. Ein bedauerlicher Unfall. Bis DC Smith die Fakten Stück um Stück zerlegt. Weshalb geht ein guter Schwimmer in einem harmlosen Fluss unter, einfach so? Was hat der spurlos verschwundene Kanufahrer mit dem Unfall zu tun? Stammen die Hämatome im Brustbereich von Wiederbelegungsversuchen? Und dieser «Stempel» im Gesicht? Stur wühlt sich DC Smith durch die Akten zu diesem bereits fast abgeschlossenen Fall.
Unfall – oder doch mehr?
Also nichts mit rasanten Verfolgungsjagden, viel Action und immer wieder gefährlichen Situationen – der erste im Diogenes Verlag erschienene Kriminalroman von Peter Grainger ist eine Art Kammerspiel. Und dabei trotz der sich nahe an der Realität orientierenden Beschreibung der Routine bei der Polizeiarbeit voll von unterschwelliger Spannung. Man will einfach wissen, ob der kleine sture Sergeant nicht auf dem Holzweg ist.

Zusammen mit seinem «Praktikanten», einem soeben aus der Polizeischule entlassenen Berufseinsteiger – soll sich doch der Alte mit diesem Anfänger abmühen! – nimmt Smith die Ermittlungen auf. Seine direkte Vorgesetzte, die er einst selber ausgebildet hatte, unterstützt ihn dabei. Und Chris Waters, der Jungspund, denkt mit, erledigt Recherchen zuverlässig und unterstützt Smith voll und ganz – ein richtiger Glücksfall.
Jung und alt – ein gutes Gespann
Nach und nach erfährt man auch ein wenig mehr über den DC, der sich einen Dienstgrad zurückstufen liess, um wieder näher an der Polizeiarbeit zu sein. Es ist dieses dichte Gewebe, das den Roman vielschichtig und packend macht.
Und natürlich die Hintergründe des Falls, die das Gespann zu einer verschwiegenen Gemeinschaft von Jugoslawienflüchtlingen führt, die noch alte Rechnungen aus dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat zu begleichen haben. Auch mit damals dort stationierten Briten. Dass zum Schluss doch noch richtig «Action» aufkommt, hat mit diesen politischen Verwicklungen und Altlasten zu tun.
Eine zweite Karriere
Peter Grainger heisst eigentlich Robert Partridge. 30 Jahre lang war er Lehrer für Englisch und Literatur. Zu schreiben begann er erst im Ruhestand, sein erstes Buch veröffentlichte er im Selbstverlag. Um sich einen grösseren Leserkreis zu erschliessen, wandte er sich dem Krimigenre zu und publizierte innert 13 Jahren 16 E-Books und Hörbücher. Das weckte das Interesse von Verlagen. Dieses Jahr erschien im Penguin Random House sein erstes Buch in gedruckter Form, das bei Diogenes jetzt in deutscher Übersetzung vorliegt.
Und weitere werden folgen. Band 2 «Gnade vor Recht» erscheint bereits am 23. September, der dritte Band am 9. Dezember. Auch wenn DC Smith eher gründlich als schnell ermittelt, seine Leserschaft lässt Peter Grainger offensichtlich nicht lange warten.
Peter Grainger «Ein unglücklicher Tod». Erschienen 2026 als Paperback bei Diogenes.
