Gesellschaft

Leiden lindern

Wer ein chronisch krankes Kind hat oder selbst unter unheilbaren Beschwerden und unerträglichen Schmerzen leidet, sucht auch Wege der Heilung, die ausserhalb der Schulmedizin liegen.

Geistheilung kann laut Wikipedia eine Vielzahl unterschiedlicher alternativer, esoterischer, religiöser oder magischer Behandlungsmethoden bezeichnen, die sich nicht in die wissenschaftliche Medizin oder die klassische Psychotherapie einordnen lassen. Versuchsreihen in Amerika dokumentieren, dass heilende Energien sogar auf Distanz.

Im Wasser Heilung suchen. Foto: Stiftung Auswege
 

In Deutschland will die Stiftung Auswege nicht therapierbaren oder austherapierten Kindern und Erwachsenen mit verschiedenen Heilmethoden helfen. Dabei spielt es keine Rolle, welche Leiden und Krankheiten sie haben. Epilepsie, Asthma, Krebs oder Allergien – die Patienten, welche zur Stiftung Auswege kommen, haben die verschiedensten Diagnosen und oft eine lange Krankengeschichte bei vielen Institutionen durchlaufen. „Wir zaubern den Krebs nicht weg“, sagt Harald Wiesendanger, promovierter Psychologe, Publizist im Bereich paranormale Kräfte und Gründer der Stiftung Auswege. Ziel ist es, den Allgemeinzustand der Betroffenen zu verbessern, Glück ist es, eine Gesundung zu erwirken. Maja Petzold hat langjährige Erfahrung mit Geistigem Heilen. Sie übt es vor allem in Therapiecamps mit Schwerkranken und Behinderten aus.

Seniorweb: Maja, was muss ich mir unter Geistigem Heilen vorstellen?

Maja Petzold: Wir gehen davon aus, dass es überall im Universum Energien gibt, die heilend wirken und die wir durch Konzentration, Meditation oder Gebet in einen Hilfe suchenden Menschen fliessen lassen können. Dadurch werden seine Selbstheilungskräfte angeregt. Als Heilerin verstehe ich mich als Übermittlerin solcher Energien an Personen, die sie brauchen.

Das Sommercamp ein Spielplatz.
Foto: Maja Petzold

…also bist du ein Medium?

Nein, ich sehe mich als Kanal, durch den die Energien fliessen. Ich konzentriere mich auf Heilung, blende alles Persönliche, meine Sorgen oder Wünsche, auch alles Negative aus.

Kannst du deine Heilkräfte auch für dich selbst nutzen?

Das ist ja nicht das Ziel! Ich möchte Hilfesuchenden zur Verfügung stehen. Es geht beim Heilen nicht um mich, sondern darum, Persönliches auszuschalten und heilende Energien fliessen zu lassen. Heilung hat viel mit Meditation zu tun.


Wie bist du zum Heilen gekommen? Wie wusstest du, dass du das kannst und auch willst?

Mein mit fünf verstorbener Sohn war ein Frühchen mit allen Problemen. Wir suchten Hilfe und Rat, auch die Unterstützung von Heilern. Nach seinem Tod und all den Erfahrungen wollte ich nicht zurück in meinen Beruf als Deutschlehrerin. Ich studierte verschiedene Heilverfahren, Kräuter-, Bachblüten-, Farbtherapie. Dabei kam die Wende: Konzentration auf die Person reicht, ich brauche keinerlei Hilfsmittel, keine Stützen wie Lampen, Öl und dergleichen.

 

Kinder und Grosse tafeln gemeinsam unter freiem Himmel. Foto: Stiftung Auswege

Beim Verband für natürliches Heilen stellte ich mich zur Verfügung. Eine eigene Praxis eröffnete ich jedoch nie. Konkret besuche ich ab und zu Menschen bei sich zuhause, ich mache auch Fernbehandlungen, vor allem aber nehme ich regelmässig an Therapiecamps der Stiftung Auswege teil. Deren Gründer und Spiritus Rector Harald Wiesendanger bot mir die Mitarbeit an. Erstmals war ich im Sommer 2010 bei einem solchen Camp, das letzte war im November 2013.

Wie müssen wir uns deine Aufgaben bei dem neuntägigen Aufenthalt mit schwerkranken Kindern und Erwachsenen vorstellen?

In die Therapiecamps kommen rund 40 Gäste, die Hälfte davon brauchen Behandlung. Wir sind sieben bis acht Therapeuten und eine Kinderbetreuerin. Die Arbeit im Team ist uns sehr wichtig und wertvoll.Alle Kranken können sich an alle Heiler wenden. Oft ergibt es sich, dass zwar die Behandlung unterschiedlich ist, aber letztlich das gleiche empfohlen wird. Nichts ist schöner für mich, als zu sehen, wie entspannt ein. Manchmal leuchtet sein Gesicht richtig.

Viele Therapien können Leiden lindern.
Foto: Stiftung Auswege

Alle Hilfesuchenden stehen unter ärztlicher Kontrolle. Auch im Camp beurteilt ein ausgewiesener Arzt den Zustand der kranken Kinder und Erwachsenen am Anfang und am Ende des neuntägigen Aufenthalts. Der Arzt hat durch umfangreiche Weiterbildung und eigene Erfahrungen gelernt, dass dort, wo die Schulmedizin nicht weiterkommt, alternative Heilmethoden noch lange nicht an ihre Grenzen stossen.

Wie gehst du während einer Sitzung vor?

Jede Behandlung hat drei Phasen. Zunächst sitzen wir uns gegenüber und sprechen miteinander. So sehe und spüre ich den Menschen. Danach stehe ich hinter der Person, die eigentliche Heilbehandlung erfolgt, indem ich mich auf den Energiefluss konzentriere. Wenn Heilenergie fliesst, empfinde ich das als kühles oder warmes, leichtes oder stärkeres Kribbeln in den Fingern, das ich deutlicher spüre, wenn ich die Hände nicht direkt auflege, sondern in einem kleinen Abstand vom Körper entfernt halte. Schliesslich sitzen wir uns erneut gegenüber, wir schauen uns nochmals an, denn ich will wissen, wie sich der Mensch nun fühlt.

Bringt das Heilen, der Aufenthalt in den Therapiecamps der Stiftung Auswege auch dir persönlich etwas?

Die Schwingungen wirken bei mir ähnlich der Meditation. Sie zentrieren mich, richten mich aus auf meinen geistigen Horizont. Die Arbeit erschöpft, aber siebereichert auch sehr. Als besonders schön empfinde ich im Camp den Austausch abends mit den anderen Therapeuten. Das Team besteht aus einem immer gleichen Kern. Der Kreis der Heilenden soll jedoch vergrössert werden, denn der Bedarf steigt.
Wir kennen dich kaum als Heilerin, aber als engagierte Freiwillige in verschiedenen Funktionen für Seniorweb. Könntest du die Teilnahme an den Sommercamps auch als eine Art Ferien bezeichnen?

Nein, das nicht, aber eine Auszeit vom Alltag ist es und für mich eine grosse Chance, durch Geistheilen helfen zu können. Ich lerne Lebenssituationen kennen, denen ich sonst wohl kaum begegnet wäre. Die Gespräche mit diesen Menschen erweitern meine Lebenserfahrung und fordern mich auch, denn natürlich möchte ich ihnen auf ihrem Weg weiterhelfen.

 

Klangschalen mit heilender Wirkung. Foto: Maja Petzold

In den Camps leben wir in abgelegenen Tagungsheimen als Gruppe ohne ablenkende Einflüsse. Die umgebende Natur wirkt auf mich auch motivierend für das geistige Heilen. Während der neun Tage lege ich alles beiseite, was sonst zu meinem Alltag gehört, ich schalte das Mobiltelefon aus, habe keinen Computer dabei, lebe mit den kranken und gesunden Menschen um mich herum.
Danke, Maja, für das Gespräch.