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Was für ein schöner Sommer!

Das Sommermotto der Magazinredaktion des Seniorweb passt, bis jetzt wenigstens, wie ein gut sitzender Badeanzug: Sommer, Sonne, gute Laune. Dabei sind wir doch gar keine Wetterschmöcker!

Als wir unser Sommermotto vor zwei Monaten festlegten, wussten wir nicht, worauf wir uns da einlassen. Müssen wir das Thema vielleicht abändern in: Sommer, Regen, Katzenjammer?

Jetzt geniessen, alles!

Keine Spur. Wir geniessen ein stabiles Sommerhoch, wie uns die Wetter-Buchelis allabendlich verkünden und es liegt an uns, aus diesem Sommer das Beste zu machen. Zu baden, zu wandern, an der Sonne zu liegen oder die süssesten Himbeeren seit Jahren gleich körbchenweise zu ernten.

Das Spiel mit dem kleinen Ball tut nicht nur der Kondition, auch der Seele gut.

Wenn ich am Morgen früh die Rollläden öffne und mich die ersten Sonnenstrahlen blenden, gibt es nur eines: Ab auf den Golfplatz. Das Gras ist dann noch taufeucht, bei jedem Weiherchen – und solche hat es auf dem Golfplätzen immer einige – quaken verschlafen ein paar Enten. Oder flüchten sich schimpfend und zeternd aufs Wasser. Dann ist der Ball etwas zu nahe an ihrem Nachtlager gelandet.

Faszination Golf

Eine Freundin hat mich kürzlich gefragt, was denn an Golf so faszinierend sei. Im ersten Moment fiel mir keine passende Antwort ein. Natürlich: Man trifft meist nette Menschen, bewegt sich an der frischen Luft, geniesst das Spiel gemeinsam. Manchmal mit Partnern, die man gerade erst kennengelernt hat.

Denn Golf verbindet. Für ein paar Stunden ist man ein gemeinsamer Flight, lacht zusammen, freut sich über gute Schläge und sucht miteinander verhauene Bälle unter Sträuchern, in den Brennnesseln oder zwischen den Bäumen. Und geniesst dabei die schöne Umgebung. Denn Golf, das sind nicht nur kurzgeschorene Greens, die mit viel Aufwand gepflegt werden müssen.

Lebensraum für Wildblumen

Golf sind auch wunderbare Biotope, die im Moment voll sind mit Lichtnelken, Storchenschnabel, Salbei und – im Wasser – Seerosen. Wer über die Landverschwendung schimpft, sollte sich mal überlegen, was ohne Golfplatz auf dem Areal wachsen würde. Intensiv gedüngte Maisfelder, ebensolche sattgrünen Graswiesen ohne Kräuter und Wildblumen oder dann Kuhweiden. Also auch nicht unbedingt Erholungsoasen für alle.

Eine unserer einheimischen Orchideen, das Knabenkraut. In den naturnahen Zonen der Golfplätze findet man sie des öftern.

Natürlich braucht es die Wiesen und Felder auch. Aber wo findet man dort noch das Knabenkraut, eine unserer einheimischen Orchideen? Auf den Golfplätzen schon. In den geschützten Biotopen entlang der Fairways, die erst gemäht werden, wenn die Sommerblumen verblüht sind und sich versamt haben. Weil beim Golfspielen nicht viel geredet wird – also eigentlich ausgesprochen wenig – hört man dazu noch das Summen und Brummen der zahllosen Insekten in den Naturwiesen.

Vollkommen abschalten

Es ist auch diese Ruhe, die mit zur Faszination Golf beiträgt. Und das ist der Punkt, der mir an diesem Sport am Meisten gefällt: Wer an einem Abschlag steht, fokussiert voll und ganz auf den Ball und das anzuspielende Green. Für die Spielpartner ist jegliche Störung wie sprechen, husten, mit den Schlägern klimpern oder irgendwie «umenusche» untersagt. Ein Spieler darf nicht gestört werden.

Ich brauchte einige Zeit, um mir darüber klar zu werden, dass genau diese Konzentration, dieses Ausklinken aus all den Umgebungsgeräuschen und aus all den im Kopf herumschwirrenden Gedanken und Sorgen, Golf zu dem Sport macht, den ich liebe. Bei dem man neue Energie tanken kann und den Kopf frei bekommt. Und nach einem Spiel über 18 Loch wohltuend müde ist. Man war dann gut vier Stunden im Freien unterwegs und hat dabei zwischen acht und zehn Kilometern zurückgelegt.

Neun-Loch-Golf ist, klar, weniger zeitintensiv und eignet sich deshalb auch gut als Früh- oder Feierabendsport. Ja, als Sport. Wenn auch viele Nichtgolfer etwas lächeln über diese Leute, die da ein Bällchen vor sich herschlagen, man kommt beim Spielen recht ins Schwitzen und legt im Laufe der Wochen deutlich an Kondition zu. Winston Churchill soll mal gesagt haben, Golf sei nicht mehr als eine etwas mühsame Art des Spazierengehens. Nun, Churchill soll ja vieles gesagt haben – aber wenn dieses Zitat stimmt, war er ganz bestimmt kein Golfer.

Ein etwas mühsamer Spaziergang im Grünen? Golf ist viel, viel mehr.

Golf kennt kein Alter

Wahr ist aber, dass Golf auch im Alter mit grossem Vergnügen gespielt werden kann. Viele Spielende haben damit erst im Rentenalter begonnen. Champion wird man so sicher nicht mehr, aber – ein weiterer Vorteil dieses Sports – da man sich im direkten Spiel nicht mit anderen misst, sondern einzig und allein seine persönliche Bilanz aufpolieren oder pulverisieren kann, spielt die Spielstärke keine grosse Rolle.

Ein Regentag dazwischen stört nicht

Sommer, Sonne, gute Laune. Das konnte in den vergangenen Wochen in vollen Zügen genossen werden und ich wünsche dem stabilen Sommerhoch noch eine recht lange Verweildauer über unserer Gegend. Das heisst ja nicht, dass es nicht mal ein Gewitter oder einen Regentag geben kann – schliesslich muss in der Wohnung ja auch mal geputzt werden.

Aber ansonsten werde ich hoffentlich noch recht lange den jungen Entchen beim Wachsen zusehen dürfen – und sie ab und zu auch mal ungewollt etwas ärgern – mitverfolgen, wie die Holunderbeeren langsam reifen und die Seerosen einen immer dichteren Blütenteppich weben. Strandferien werde ich ganz sicher nicht vermissen. Denn Sand hat es auf den Golfplätzen auch. In Form von fiesen Sandbunkern, aus denen sich der Ball, verirrt er sich mal dort hinein, nur mit Mühe wieder herausschlagen lässt.

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