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Lokal vernetzt älter werden 

Auf mehr als 32 Jahre blickt die Altersarbeit in der Zürcher Oberland Gemeinde Oetwil am See zurück. Die Fachstelle Alter und Gesundheit der Gemeinde ist für ältere Menschen und ihre Angehörigen da, wenn Fragen rund ums Älterwerden auftauchen. Sie erteilt Auskunft und vermittelt das passende Unterstützungsangebot, damit sie möglichst lange in ihrem gewohnten Zuhause leben können. 

Seit Januar dieses Jahres wirkt Esther Diethelm als Fachspezialistin Alter und Gesundheit in der Zürcher Oberländer Gemeinde Oetwil am See. Zuvor leitete sie die Fachstelle für Altersfragen während elf Jahren in Bassersdorf. In einem ihrer ersten Interviews mit der örtlichen Lokalzeitung sagte sie über sich selbst: «Es entspricht meinem Wesen, die Leute zu vernetzen». Und tatsächlich ist ihr dies in den Jahren im Aufbau der Altersarbeit in der Gemeinde im Zürcher Unterland gelungen. Nun startet sie im Oetwiler Team der Abteilung Gesellschaft und Soziales nochmals durch, um eine «personenzentrierte Beratung» für ältere Menschen zu ermöglichen. 

Oetwil am See hat 1994 die ambulante Versorgung mit einem Spitex-Verein strukturell organisiert. Später wurde die stationäre Alters- und Pflegeversorgung regional verankert. Gremien (Alterskonferenz) und strategische Grundlagen (Altersleitbild 2013) wurden nach der Einführung des Pflegegesetzes ausgearbeitet. Leider sei die damalige Dynamik aufgrund von Personalwechseln in der Verwaltung etwas eingeschlafen. Nun erfahre sie jedoch eine Reaktivierung, betont Esther Diethelm. Die Neuorganisation führte schliesslich zur heutigen Fachstelle. Nun bündelt diese die Aufgaben, für die die Gemeinde Oetwil am See eigentlich schon seit Jahrzehnten verantwortlich ist. Es sei ein anderes Wirken, auch andere Voraussetzungen als in Bassersdorf, das näher an der Stadt Zürich liegt, erzählt Diethelm, in dieser eher ländlich geprägten Umgebung. 

Esther Diethelm, Fachspezialistin Alter und Gesundheit, und Gemeinderat Thomas Pally in Oetwil am See. (Foto: zvg)

«Die Gemeinden sind gesetzlich verpflichtet, die Versorgung sicherzustellen, die Leistungsaufträge zu begleiten, Angebote und Kapazitäten zu eruieren, Ersatzangebote zu vermitteln, die Pflegeversorgung zu planen sowie gesetzlich vorgeschriebene Informationen sicherzustellen», erwähnt Gemeinderat Thomas Pally, Vorsteher der Abteilung «Gesellschaft und Soziales», zu der die Fachstelle Alter und Gesundheit gehört. Das Pflegegesetz sehe vor, dass Gemeinden eine Auskunftsstelle bezeichnen müssen, die die älteren Menschen und ihre Angehörigen dabei unterstützt, die passende Hilfe zu finden. «Wir finden es wichtig, dass diese Stelle vor Ort und niederschwellig zugänglich ist», so Pally.

Möglichst lange selbstbestimmt leben 

In der Gemeinde, die 5184 Einwohner (Stand 31.12.2025) zählt, geht es wie in anderen Ortschaften konkret auch um Themen wie öffentlicher Raum, Mobilität, Treffpunkte und soziokulturelle Angebote, Informationskanäle, gute Beratung, Vernetzung, Förderung der Freiwilligenarbeit, gute Versorgung mit ambulanter und stationärer Pflege sowie den verantwortungsbewussten Umgang mit Ressourcen und Steuereinnahmen. Ziel sei selbstverständlich, dass ältere Menschen am gesellschaftlichen Leben aktiv teilnehmen können und möglichst lange, selbstbestimmt und würdevoll zuhause oder in einer Pflegeeinrichtung leben, mit passender Hilfe und Unterstützung, unterstreicht Esther Diethelm. 

Aktuell sind in Oetwil am See gut 854 Personen über 65 Jahre alt. Bis ins Jahr 2045 rechnet man mit einem Anstieg auf 1081 Personen. «Eine Gemeinde tut gut daran, in die Gesundheitsprävention der Bevölkerung zu investieren, das Zusammenleben zwischen den Generationen und den Aufbau sowie den Erhalt starker sozialer Netzwerke zu fördern», ist Gemeinderat Thoma Pally überzeugt. 

Tatsächlich ist die Fachstelle auf gutem Weg. Das Beratungsangebot werde gut genutzt, sagt Esther Diethelm. Schon ab dem ersten Tag wurde die freiwillige Altersberatung frequentiert. Inzwischen gebe es rund 25 aktive Fälle, sowie zahlreiche Beantwortungen von einmaligen Anfragen. Diese betreffen hauptsächlich die Finanzierung von Betreuung und Hilfe, auch Fragen zur Hilflosenentschädigung, AHV, oder ganz profan die soziale Isolation und Einsamkeit im Alter. 

Erste Erfahrungen wurden ebenso notiert: Die Koordination und Vernetzung zwischen Leistungserbringern werde geschätzt und die Zusammenarbeit stetig gefördert. Erste sichtbare Angebotslücken wurden erkannt und zeitnah geschlossen. Ausserdem – immer ein wichtiger Punkt – wurden Aufgaben und Verantwortlichkeiten geklärt. 

Bezahlbarer Raum für ältere Menschen 

Als Herausforderung in der Altersarbeit nennen Diethelm und Pally Themen wie bezahlbarer Raum für ältere Menschen, betreute oder spezifische Wohnformen, zukünftiger Pflegebettenbedarf sowie der bekannte Fachkräftemangel in den Pflegeinstitutionen. Erfreulich sei der örtliche Seniorenverein (gegründet 2019) zu erwähnen, der mit über 200 Mitgliedern aufgrund der Demografie wohl zu den grösseren Vereinen in der Gemeinde zählt. Dieser hat sich nicht nur Ausflüge (auch für Nicht-Mitglieder), Ferien, Turnangebote und Spielnachmittage auf die Fahne geschrieben, sondern auch den Mittagstisch oder ein unentgeltlicher Fahrdienst. Zudem strebt der Verein die Förderung der Kontakte zwischen den Senioren an, sieht sich als Vertretung der älteren Menschen und fördert die Zusammenarbeit mit anderen in der Altersarbeit tätigen Institutionen. Ein starker Partner also, der der Gemeinde viel an täglichen Aktionen abnimmt. 

Dennoch gilt es besonders für die Verwaltung, Ziele für die Fachstelle zu erarbeiten. Derzeit ist ein Fachkonzept in der Erarbeitung. Dabei ist vorgesehen, die Leistungen über qualitative und quantitative Kriterien zu messen und zu beurteilen. Denn immerhin geht es hier zum Beispiel um Pflegerestkosten, also betrifft das im Kern auch die Steuergelder. Kennzahlen zur Bevölkerungsentwicklung oder zur Pflegeversorgung sind dabei ebenso relevant wie Ergebnisse aus Umfragen. Esther Diethelm ist überzeugt: «Relevante Kennzahlen und Berichte helfen in der Alterspolitik, um die Versorgungslandschaft bedürfnisorientierter mitzugestalten und im aktiven Dialog mit der Bevölkerung zu stehen.» Für sie sei zudem wichtig, dass sie auf den politischen Rückhalt zählen könne und sie sei dankbar für weitere kompetente, engagierte und empathische Fachpersonen auf der Verwaltung.  

Im November ist ein öffentlicher Anlass für die Bevölkerung geplant. Dabei soll die gesellschaftliche Frage «wie gestalten wir das Zusammenleben in Oetwil am See heute und in Zukunft» mit den Anwesenden geklärt werden. Es ist offensichtlich: in Oetwil am See ist ein frischer Wind zu spüren, der jüngere wie ältere Menschen gemeinsam durch Mitwirkung ins Boot ziehen möchte. Esther Diethelms Freude am Vernetzen wird sich also auch hier weiter entwickeln. Und vielleicht gelingt später auch der Verleihung des Labels «altersfreundliche Gemeinde» durch das Netzwerk Gerontologie.ch, so die Hoffnung von Esther Diethelm und Thomas Pally. 


Gesetzliche Grundlagen der Fachstelle Alter und Gesundheit 

Die Bundesverfassung legt fest, dass sich Bund, Kantone und Gemeinden für die soziale Sicherheit und die notwendige Pflege von Personen einsetzen. Dazu gehört der Schutz vor wirtschaftlichen Folgen im Alter, Invalidität und Krankheit (Art. 41 BV). Die Gesundheitsversorgung einschliesslich Pflege, wird als Staatsaufgabe angesehen (Art. 117b BV). 

Die Kantonsverfassung sieht vor, dass der Kanton und die Gemeinden den gemeinnützigen Wohnungsbau fördern (Art. 110 KV) und somit eine steigende Lebensqualität im Alter unterstützen (Art. 112 KV). Dies beinhaltet auch die Planung von Pflegeeinrichtungen zur Sicherstellung geeigneter Betreuungsangebote. 

Das Pflegegesetz verpflichtet die Gemeinden, für eine bedarfsgerechte Pflegeversorgung zu sorgen. Dazu gehört die Verantwortung für ambulante und stationäre Pflegeangebote, für die transparente und gerechte Finanzierungssysteme vorgesehen sind. Die Gemeinden müssen zudem gewährleisten, dass allen Einwohnerinnen und Einwohnern der Zugang zu Pflegedienstleistungen möglich ist. 

(Quelle: Gemeinde Oetwil am See, Fachstelle Alter und Gesundheit)


 

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